Warum Kiew auf Starlink und US-Informationen angewiesen ist
Autor: Andreas Stein und Jan Christoph Freybott, dpa
, Donnerstag, 15. Oktober 2026
Starlink-Internet und US-Aufklärungsdaten ermöglichen ukrainische Drohnenangriffe im russischen Hinterland. Doch der Informationsfluss stockt - und auch das Satelliteninternet. Was steckt dahinter?
Die Ukraine erhält zur Abwehr der 2022 gestarteten großangelegten russischen Invasion von ihren westlichen Verbündeten Waffen, Geld und auch Aufklärungsdaten. Der erfolgreiche Einsatz des US-amerikanischen Satelliteninternets von Starlink durch die ukrainische Armee verhalf dem Dienst zu seinem weltweiten Durchbruch.
Doch seit dem Amtsantritt von US-Präsident Donald Trump im vorigen Jahr fließen weniger Geld und weniger Waffen in die Ukraine. Nun droht Washington offenbar auch mit einem Stopp der Weitergabe von militärischen Aufklärungsdaten. Und Kiew berichtet jetzt von neuen Einschränkungen bei der Starlink-Nutzung. Fragen und Antworten dazu.
Welche Art von Informationen erhält die Ukraine bisher von Verbündeten?
Umfang und Details der Informationsweitergabe sind aufgrund der militärischen Geheimhaltung nicht vollständig bekannt. Aus offiziellen ukrainischen Verlautbarungen und Medienberichten geht hervor, dass Kiew Satellitendaten und andere Hinweise für die Abwehr russischer Luftangriffe erhält. Das betrifft Vorbereitungen der russischen Luftwaffe wie das Auftanken, Munitionieren und Starten von Flugzeugen sowie das Abfeuern von Raketen. Ebenso gehören dazu Daten über vorbereitete Angriffe mit ballistischen Raketen oder Drohnen sowie deren Starts und mögliche Ziele.
Ferner erhält Kiew auch Informationen, die für eigene Angriffe wichtig sind. Dazu gehören Positionen der russischen Flugabwehr und damit mögliche Umgehungsrouten. Anders wären die teils spektakulären ukrainischen Drohnenangriffe auf Rüstungsfabriken, Lager, Datenverarbeitungszentren und russische Raffinerien selbst im fernen Sibirien nur schwer umsetzbar. Zudem wird die Ukraine mit westlichen Erkenntnissen über Truppenbewegungen, die Standorte von Munitionslagern und Kommandozentren versorgt, die so Ziel ukrainischer Angriffe werden.
Wofür verwendet die Ukraine eigentlich Starlink?
Seit Kriegsbeginn setzt die ukrainische Armee das von Starlink bereitgestellte Satelliteninternet für die Kommunikation im Frontgebiet ein. Bei zerstörter Infrastruktur und fehlendem Mobilfunknetz ist auf diese Weise Hochgeschwindigkeitsinternet auch im Feld verfügbar.
Mit dem Einsatz von Seedrohnen und Drohnenangriffen auf das russische Hinterland ergab sich ein neues Einsatzgebiet. Starlink-Antennen stellen auch für schnell sich bewegende Boote und Fluggeräte eine Internetverbindung her. Dadurch können Drohnenvideos nahezu in Echtzeit übertragen und die ukrainischen Waffen aus der Ferne ins Ziel gesteuert werden.
Was bedeutet eine Drosselung des Dienstes und wie funktioniert das?
Ukrainischen Medienberichten zufolge wurde in der Nacht zum Mittwoch ohne Vorwarnung von SpaceX ein Tempolimit für Starlink-Terminals eingeführt. Demnach verlieren Flugobjekte ihre Verbindung, wenn sie sich schneller als 160 Kilometer pro Stunde bewegen. Anderen Berichten zufolge gehe die Verbindung bereits bei geringeren Geschwindigkeiten von 110 oder 120 Kilometer pro Stunde verloren.