Ist Grönland nun vor Trump sicher?
Autor: Ansgar Haase, Julia Wäschenbach und Michael Fischer, dpa
, Donnerstag, 22. Januar 2026
Besitz und Kontrolle von Grönland sei eine «absolute Notwendigkeit», hat Trump einmal gesagt. Gilt dieser Anspruch nach seinem Einlenken in dem Konflikt nun plötzlich nicht mehr? Es gibt viel Skepsis.
Nach Wochen der Verbalattacken und Drohgebärden kam die Wende von US-Präsident Donald Trump völlig überraschend: Nach einem Treffen mit Nato-Generalsekretär Mark Rutte verkündete er am Mittwochabend in Davos, dass es nun den Rahmen für eine Vereinbarung über die Zukunft der zu Dänemark gehörenden Insel Grönland und der gesamten Arktis gebe. Und die angedrohten Strafzölle gegen europäische Verbündete, darunter Deutschland? Angeblich vom Tisch. Dass der Grönland-Konflikt damit beigelegt ist, mag aber kaum jemand so richtig glauben.
Was ist über den Deal bekannt?
Bisher sind nur Fragmente bekannt. Der Deal soll ein stärkeres Engagement der europäischen Nato-Staaten im arktischen Raum beinhalten. Zudem sollen die USA ein Mitspracherecht bei Investitionsvorhaben aus anderen Ländern in Grönland erhalten.
Zentrales Element ist nach Angaben aus Bündniskreisen aber, dass das bisherige Abkommen über die Stationierung von Streitkräften auf Grönland neu ausgearbeitet werden und das geplante US-Raketenabwehrsystem «Golden Dome» berücksichtigen soll, das Trump auf der weltgrößten Insel errichten will. In diesem Zuge könnten die USA theoretisch auch die Souveränität über bestimmte Gebiete Grönlands bekommen, um dort Militärstützpunkte einrichten zu können. Das heißt, auf den Militärstützpunkten läge die höchste staatliche Entscheidungs- und Durchsetzungsmacht bei den Amerikanern und nicht bei den Grönländern oder Dänen.
Wie könnten solche souveränen US-Gebiete in Grönland aussehen?
Als eine mögliche Blaupause gelten die britischen Militärstützpunkte in Zypern. Sie machen etwa drei Prozent des zyprischen Territoriums aus, werden vom Verteidigungsministerium in London verwaltet und haben eine eigene Polizei und Justiz. Für die Briten war der Verbleib der Stützpunkte Bedingung dafür, dass sie Zypern 1960 nach langen Jahren der Kolonialherrschaft in die Unabhängigkeit entließen. Einen Luftwaffen-Stützpunkt gibt es heute in Akrotiri westlich der Hafenstadt Limassol. Zudem sind Truppen in Dekeleia im Osten der Hafenstadt Larnaka stationiert und es gibt riesige Abhör- und Telekommunikationsantennen.
Lässt Trump damit seinen Besitzanspruch auf ganz Grönland fallen?
Darauf würde zumindest von den europäischen Verbündeten wohl kaum jemand wetten. Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) sprach in Davos nur von «Schritten in die richtige Richtung». Und Vizekanzler Lars Klingbeil (SPD) meinte: «Nach dem Hin und Her der letzten Tage warten wir jetzt mal das Substanzielle ab, welche Verabredung es zwischen Herrn Rutte und Herrn Trump gibt.»
Zu oft hat Trump Ankündigungen gemacht, die sich bald danach wieder erledigt haben. Und die Idee Grönland zu vereinnahmen, stammt noch aus seiner ersten Amtszeit. «Besitz und Kontrolle von Grönland sind eine absolute Notwendigkeit», hat er später einmal erklärt und das so ähnlich immer wieder mal wiederholt.
Wie reagieren die Grönländer?
Die Grönländer sind nach den neuesten Entwicklungen höchstens vorsichtig optimistisch. Die Mehrheit traut Trump nicht über den Weg, und die Angst, dass die nächste Kehrtwende kommt, ist auf der Arktisinsel immer noch da. Im dänischen Fernsehen beschreibt eine Grönländerin den Konflikt als einen «Marathon, der nicht enden will».