Warum es bei den Iran-Verhandlungen jetzt ums Geld geht
Autor: Mathis Richtmann und Arne Bänsch, dpa
, Mittwoch, 03. Juni 2026
Gegenseitige Angriffe überschatten die Verhandlungen zwischen Washington und Teheran. Zuletzt näherten sich die Konfliktparteien einem Rahmenabkommen an. Dem Iran geht es dabei auch ums Geld.
Militärische Spannungen und gegenseitige Angriffe überschatten die Bemühungen für ein Ende des Iran-Kriegs. Noch vor wenigen Tagen schien ein Rahmenabkommen zwischen dem Iran und den USA zum Greifen nah. Nun ist mehr als drei Monate nach Kriegsbeginn die Inflation im Iran auf den höchsten Stand seit Jahrzehnten gestiegen.
Der Krieg hat Irans Führung einmal mehr unter Druck gesetzt, die wachsende Unzufriedenheit über die Lebensbedingungen in den Griff zu bekommen. Auch die Aufstände im Januar, die schwersten Massenproteste im Iran seit Jahren, entzündeten sich zunächst an der Wirtschaftskrise. Daher drängt Teheran in den Verhandlungen mit Washington vor allem auf eine Aufhebung der Sanktionen. Warum es der iranischen Führung jetzt ums Geld geht:
Warum steht es so schlecht um Irans Wirtschaft?
Seit Jahren steckt das Land mit seinen rund 86 Millionen Einwohnern in einer schweren Wirtschaftskrise, die die Mittelschicht schrumpfen ließ und Teile der Bevölkerung in die Armut trieb. Der Krieg hat die Lage zusätzlich verschärft. Zudem lähmte die monatelange Internetsperre der Behörden den Onlinehandel und machte Tausende Menschen arbeitslos. Außerdem bombardierten Israel und die USA wichtige Industrieanlagen.
Kritiker werfen der iranischen Führung vor, staatliche Mittel vor allem für Rüstungsprojekte und die Unterstützung verbündeter Milizen im regionalen Machtkampf mit dem Erzfeind Israel auszugeben. Zugleich setzen die harten internationalen Sanktionen der Wirtschaft schwer zu. Sie bremsen Investitionen, erschweren den Außenhandel und haben in einigen Bereichen zu Versorgungsengpässen geführt, etwa bei Medikamenten. Zudem erschwert der Ausschluss vom internationalen Zahlungssystem Swift den Zahlungsverkehr mit dem Ausland.
Die Folgen zeigen sich besonders bei den Preisen. Nach Angaben der Zentralbank lag der Verbraucherpreisindex in den städtischen Gebieten im Mai 77,2 Prozent über dem Vorjahreswert. Die durchschnittliche Inflationsrate der vergangenen zwölf Monate betrug 53,9 Prozent. Das auf Wirtschaftsthemen spezialisierte Bamdad-Institut in der Hauptstadt Teheran sprach von den höchsten registrierten Preissteigerungen seit dem Zweiten Weltkrieg. Viele Menschen schränken ihren Konsum inzwischen auf das Nötigste ein.
Mit welchen Sanktionen ist der Iran belegt?
Gegen den Iran wurden im Laufe der Jahre umfangreiche Sanktionen verhängt. Grund dafür ist einerseits das umstrittene iranische Atomprogramm, andere Sanktionen wurden auch mit Menschenrechtsverletzungen oder der iranischen Unterstützung Russlands im Krieg gegen die Ukraine begründet.
«Es ist eines der umfassendsten Sanktionsregime, die sowohl von den Vereinten Nationen als auch von den Vereinigten Staaten und der Europäischen Union bisher überhaupt verhängt wurden», sagt der Sanktions-Experte Sascha Lohmann von der Stiftung Wissenschaft und Politik (SWP) in Berlin.