Warum die Gewalt im Jemen wieder aufflammt
Autor: Cindy Riechau und Amira Rajab, dpa
, Dienstag, 11. August 2026
Seit 2014 versinkt der Jemen im Bürgerkrieg. Zuletzt herrschte zwar weitgehende Ruhe, doch nun flammt die Gewalt ein weiteres Mal auf. Droht eine weitere Eskalation im Rahmen des Iran-Kriegs?
Im Krieg in Nahost droht sich eine weitere Front zu öffnen. Immer wieder gibt es derzeit Angriffe im Jemen, einem bitterarmen Land auf der Arabischen Halbinsel. Der Konflikt dort ist im Zuge des Iran-Kriegs wieder eskaliert. Das sind die Hintergründe:
Wer kämpft gegen wen im Jemen?
Die international anerkannte Regierung im Jemen kämpft zusammen mit dem Nachbarland Saudi-Arabien seit mehreren Jahren gegen die vom Iran unterstützte Huthi-Miliz. Diese hatte den Jemen 2014 förmlich überrannt und in einen Bürgerkrieg gestürzt. Die Huthi kontrollieren seitdem vor allem den Norden des Landes und weite Teile der westlichen Küste am Roten Meer. Dort setzt die Miliz, die sich offiziell als «Ansar Allah» («Unterstützer Gottes») bezeichnet, ihre Ideologie gewaltsam durch.
Ziel der Angriffe der von Riad angeführten Militärkoalition war es, die jemenitische Regierung zu unterstützen und den Einfluss der Huthi – und damit des Irans – im Land zurückzudrängen. 2022 trat in dem Konflikt eine Waffenruhe in Kraft, kleinere Gefechte gab es allerdings weiterhin. In dem Krieg kamen durch direkte militärische Folgen mehr als 150.000 Menschen ums Leben. Die jüngsten Angriffe sind die schwerste Eskalation im jemenitischen Konflikt seit Jahren.
Was hat die aktuellen Angriffe ausgelöst?
Die aktuelle Eskalation wurde im Juli durch Luftangriffe in der von den Huthi kontrollierten jemenitischen Hauptstadt Sanaa ausgelöst. Die international anerkannte Regierung des Landes wollte damit eigenen Angaben zufolge die Landung eines iranischen Flugzeugs auf jemenitischem Boden verhindern.
Die von Riad angeführte Koalition kontrolliert den Zugang zum jemenitischen Luftraum und schränkt dabei insbesondere den internationalen Flugverkehr zum Flughafen Sanaa stark ein. Mit dem Vorhaben, ein iranisches Flugzeug in der Hauptstadt landen zu lassen, wollten die Huthi Experten zufolge die Kontrolle über den jemenitischen Luftraum infrage stellen.
Beobachter wie die Denkfabrik International Crisis Group gehen davon aus, dass die Huthi sich durch den Verlauf des Iran-Kriegs gestärkt sehen. Der Iran habe den Plan der Miliz unterstützt. Die Denkfabrik sprach von einem «Kurswechsel», da sich Teheran in den vergangenen Jahren für eine Entspannung der Lage im Jemen eingesetzt habe.
Die Huthi machten Saudi-Arabien für den Angriff auf den Flughafen in Sanaa Mitte Juli verantwortlich und erklärten eine «Blockade» der Seefahrt für den einflussreichen Golfstaat. Die vom Iran unterstützte Miliz griff seitdem auch mehrere saudische Schiffe sowie Ziele in dem Golfstaat an.