Wahlverlierer Bolsonaro will Opposition von USA aus anführen
Autor: dpa
, Donnerstag, 29. Oktober 2026
Nach seiner Wahlniederlage und heimlichen Ausreise nach Florida richtet Flávio Bolsonaro kämpferische Worte ans brasilianische Volk. Er wirft Amtsinhaber Lula «abscheulichen Wahlbetrug» vor.
Nach seiner illegalen Ausreise in die USA prangert der unterlegene brasilianische Präsidentschaftskandidat Flávio Bolsonaro «abscheulichen Wahlbetrug» der Linken an und will aus dem Ausland die Opposition in seiner Heimat anführen. Drei Tage nach seiner Wahlniederlage landete der trotz Ausreiseverbots wegen Geldwäsche-Ermittlungen ins Ausland geflohene Rechtspolitiker im US-Bundesstaat Florida - und richtete kämpferische Worte an seine Anhänger. Zudem wetterte er gegen die brasilianische Justiz, die er als Handlanger des linken Präsidenten und Wahlsiegers Luiz Inácio Lula da Silva betrachtet.
«Ich möchte klarstellen: Ich bin nicht aus Brasilien geflohen. Ich habe das Land im Interesse Brasiliens verlassen und mich einem Ausnahmezustand entzogen, um der Anführer sein zu können, den mein Volk verdient», schrieb Bolsonaro nach Ankunft in Miami in einem offenen Brief an seine rund 220 Millionen Landsleute in Brasilien, den er auf der Plattform X postete.
In einer ersten Fassung der Mitteilung hatte sich der 45-jährige Senator gar zum «wahren» und «gewählten Präsidenten» des größten und wirtschaftsstärksten Landes in Lateinamerika erklärt. Doch kurz darauf zog er die erste Version zurück, um seine Formulierungen abzuschwächen - und sich in der neuen Fassung nur mehr «Anführer» Brasiliens zu nennen. Seine ursprüngliche Wortwahl hätte ihm womöglich Probleme mit der brasilianischen Justiz einhandeln können. Die hatte bereits seinen Vater, den von 2019 bis 2023 regierenden Präsidenten Jair Bolsonaro, wegen eines versuchten Putsches zu einer langjährigen Haftstrafe verurteilt.
«Politisch motivierte Hexenjagd»
Er sei nicht der Erste, der fernab seiner Heimat für sein Land kämpfen müsse, schrieb Flávio Bolsonaro. Als Beispiel nannte er Charles de Gaulle, der im Zweiten Weltkrieg gegen Nazi-Deutschland von London aus die Bewegung «Freies Frankreich» geführt habe.
«Gegen mich liegt kein Haftbefehl vor, weil ich kein Verbrechen begangen habe. Was es gibt, ist eine politisch motivierte Hexenjagd», erklärte der Ex-Kandidat. «Zum Schweigen gebracht, inhaftiert oder zensiert wie mein Vater, hätte ich diese Führungsrolle nicht übernehmen können», erklärte er mit Blick auf die 27-jährige Haftstrafe für Jair Bolsonaro, der derzeit unter Hausarrest steht.
Der Sieg Lulas - unter diesem Namen ist der Präsident allen Brasilianern und auch international bekannt - sei unrechtmäßig gewesen und nur mit Hilfe eines korrupten Justizsystems erfolgt, so Bolsonaro. Nun wolle er vom Ausland aus sicherstellen, dass Lula kein «diktatorisches Regime» in Brasilien festige.