Wahlverlierer Bolsonaro flieht offenbar – USA erteilen Visum
Autor: dpa
, Mittwoch, 28. Oktober 2026
Nach Berichten über eine Ausreise des unterlegenen Präsidentschaftskandidaten Bolsonaro sagen die USA ihm Hilfe zu. Sein Aufenthaltsort bleibt unklar – auch seine Partei scheint ihn nicht zu kennen.
Nach Medienberichten über die angebliche Ausreise des unterlegenen brasilianischen Präsidentschaftskandidaten Flávio Bolsonaro haben die USA ihm und seiner Familie Visa zugesagt. Ein US-Regierungsbeamter bestätigte der Deutschen Presse-Agentur, dass ihnen die Einreise in die Vereinigten Staaten ermöglicht werde.
Wo genau sich der rechte Senator nach seiner Wahlniederlage gegen den linken Präsidenten Luiz Inácio Lula da Silva derzeit aufhält, ist unklar - jedoch mehren sich Medienberichte über eine Ausreise des Sohnes von Ex-Präsident Jair Bolsonaro über Argentinien in die USA. US-Präsident Donald Trump hatte zuvor Zweifel an der Legitimität des Wahlergebnisses angemeldet und sich damit auf Bolsonaros Seite geschlagen. Dessen Bruder lebt bereits in den Vereinigten Staaten, sein Vater gilt als ideologischer Verbündeter des US-Präsidenten.
Flucht trotz gerichtlichen Verbots?
Bolsonaro war einer Anordnung des Obersten Gerichts in Brasilien nicht nachgekommen, seine Reisepässe binnen 24 Stunden abzugeben. Der in rechten Kreisen geradezu verhasste Richter Alexandre de Moraes hatte Bolsonaros Reisepässe ungültig machen lassen und ihm untersagt, das Land zu verlassen.
Die Verfügung erging im Rahmen eines Ermittlungsverfahrens gegen Bolsonaro und den Anwalt Willer Tomaz. Dabei geht es um mutmaßliche Geldwäsche im Zusammenhang mit Unternehmen und Online-Sportwetten. Die Bundespolizei fand nach eigenen Angaben Hinweise auf eine Verbindung Bolsonaros zu einem Bankkonto der Firma eines ebenfalls beschuldigten Anwalts. Bolsonaro weist jegliches Fehlverhalten zurück.
Sein früherer Wahlkampfkoordinator Rogério Marinho sagte bei einer Pressekonferenz, er wisse nicht, wo Bolsonaro sei. «Wir haben noch keine Informationen über seinen Aufenthaltsort.» Am Montag hätten sie noch bis zum späten Nachmittag zusammengesessen. Am Dienstagmorgen habe er dann eine Textnachricht von ihm erhalten, in der ihm der Senator mitgeteilt habe, sich an diesem Tag eine Auszeit nehmen und später wieder mit seinen Parteikollegen sprechen zu wollen.
«Das war's. Das war die einzige Mitteilung, die ich von ihm erhalten habe», sagte Marinho. Auch Bolsonaros Anwalt Frederick Wassef hatte vor der Presse gesagt, dass er nichts zu den Berichten sagen könne.
Ausreise über Argentinien?
Die «New York Times» hatte zuvor unter Berufung auf drei US-Beamte berichtet, Bolsonaro sei in die USA ausgereist. Die Zeitung «Folha de S. Paulo» schrieb unter Berufung auf Personen aus dem Umfeld der Bolsonaro-Familie, diese hätten die Information erhalten, dass der Senator nach Argentinien ausgereist sei und von dort in die USA weiterreisen wolle. Der genaue Reiseweg und das Ziel waren zunächst nicht unabhängig bestätigt.