Wahl-Patt in Israel: Netanjahu und Eisenkot suchen Partner
Autor: dpa
, Donnerstag, 29. Oktober 2026
Kein Lager hat eine Mehrheit, die Regierungsbildung in Israel dürfte schwierig werden. Während erste Gespräche laufen, erhebt Netanjahus Partei schwere Wahlbetrugsvorwürfe.
Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu und sein Herausforderer Gadi Eisenkot haben nach der Parlamentswahl erste Fühler nach möglichen Koalitionspartnern ausgestreckt. Zwar liegt Netanjahus rechtsreligiöses Lager nach Auszählung der meisten Stimmen vor dem Oppositionsblock. Eine klare Mehrheit für die Regierungsbildung zeichnet sich bislang jedoch nicht ab. Heute wird das vorläufige amtliche Endergebnis erwartet.
Netanjahu habe bereits mit dem Vorsitzenden der Partei Religiöser Zionismus, Bezalel Smotrich, und dem Vorsitzenden der rechtsextremen Partei Ozma Jehudit, Itamar Ben-Gvir, gesprochen, berichtete das israelische Nachrichtenportal «ynet». Beide sind schon jetzt Teil der Regierung, die so weit rechts steht wie keine zuvor in Israels Geschichte. Im weiteren Verlauf wolle Netanjahu - der schon jetzt am längsten amtierende Ministerpräsident des Landes - auch Gespräche mit den ultraorthodoxen Parteien führen, hieß es.
Obwohl die Wahl bereits am Dienstag stattfand, sind die Stimmen noch immer nicht komplett ausgezählt. Nach Auszählung von rund 90 Prozent der Stimmen kam Netanjahus Lager auf 53 der 120 Sitze im Parlament. Das ebenfalls mehrere Parteien vereinende Lager seines wichtigsten Rivalen, des früheren Militärchefs Gadi Eisenkot, holte demnach 48 Sitze.
Auch Eisenkot zu Regierungsbildung bereit
Obwohl sich auch für sein Lager keine klare Mehrheit abzeichnet, bekräftigte Eisenkot auf der Plattform X seinen Willen, einen politischen Wandel herbeizuführen. Er wolle eine «zionistische Regierung» bilden, die eine Wehrpflicht auch für ultraorthodoxe Männer anstrebe - ein seit langem heiß diskutiertes Streitthema in Israel. Dies sei der Wille der Wähler, die der für Wehrdienstverweigerung und das terroristische Massaker vom 7. Oktober 2023 verantwortlichen Regierung bei der Wahl ihr Misstrauen ausgesprochen hätten.
Er habe einen langen Tag mit zahlreichen Gesprächen hinter sich, schrieb Eisenkot. Und er spüre das Gewicht der Verantwortung und des Vertrauens, das Hunderttausende Bürger in ihn gesetzt hätten.
Arabische Parteien könnten Schlüsselrolle spielen
Netanjahus rechtskonservative Likud-Partei verlor im Vergleich zur vorherigen Parlamentswahl im November 2022 einige Sitze, wurde aber dennoch stärkste Kraft vor Eisenkots Mitte-Partei Jaschar. Eine entscheidende Rolle bei der Regierungsbildung könnten nun die arabischen Parteien spielen, die bei der Wahl stark abschnitten. Nach jüngstem Auszählungsstand kamen sie gemeinsam auf 19 Sitze.
Der frühere israelische Ministerpräsident Ehud Olmert sagte dem ZDF, die entscheidende Frage sei nun, ob die Mitglieder des Oppositionsbündnisses den Mut und die Führungsstärke aufbrächten, auf die arabischen Parteien zuzugehen. Er sei überzeugt, dass diese bereit wären, Teil einer israelischen Regierung zu werden.