Wadephul in New York - Werbetour bei den Vereinten Nationen
Autor: Jörg Blank und Anne Pollmann, dpa
, Dienstag, 28. April 2026
Der deutsche Außenminister führt angesichts der Kriege im Iran und der Ukraine Gespräche bei den Vereinten Nationen. In New York geht es aber auch um eine für Deutschland wichtige Wahl Anfang Juni.
Viel Zeit bleibt nicht mehr: Am 3. Juni will sich Deutschland zum siebten Mal als nichtständiges Mitglied in den mächtigen UN-Sicherheitsrat wählen lassen. Doch ein Erfolg der Kandidatur gilt keineswegs als ausgemacht. Mit Österreich und Portugal hat Deutschland zwei andere europäische Länder als Gegenkandidaten, denen bei den Vereinten Nationen ebenfalls gute Chancen eingeräumt werden - wenn nicht sogar bessere. Außenminister Johann Wadephul (CDU) will deshalb am Rande seines Besuchs bei den UN in New York die Werbetrommel rühren.
Schon zum Frühstück will sich Wadephul heute mit Botschaftern von UN-Mitgliedsstaaten treffen und mit ihnen über aktuelle Herausforderungen für den Multilateralismus diskutieren. Später am Vormittag (Ortszeit) will er die deutsche Sicherheitsrats-Kandidatur vor UN-Vertretern Afrikas präsentieren.
Wahlkampf bis zur Abstimmung am 3. Juni
Die afrikanische Gruppe umfasst 54 Länder. Derzeit sitzen Somalia, die Demokratische Republik Kongo und Liberia im Sicherheitsrat. Deutschland unterstützt Afrika bei seinen Reformplänen für den Sicherheitsrat. Die Gruppe fordert mindestens zwei ständige Sitze mit Veto-Recht und zwei zusätzliche nichtständige Sitze für sich.
Dem Sicherheitsrat gehören 15 der 193 UN-Mitgliedstaaten an. Fünf sind ständig dabei und haben ein Veto-Recht: die USA, China, Russland, Großbritannien und Frankreich. Jedes Jahr werden je fünf der nichtständigen Sitze neu besetzt.
Die insgesamt zehn Sitze werden nach Ländergruppen verteilt: Fünf an afrikanische und asiatische Staaten, einer an osteuropäische Staaten, zwei an Lateinamerika und zwei an westeuropäische und andere Staaten. Sie werden mit Zweidrittelmehrheit gewählt.
Sitz birgt Aussicht auf mehr Einfluss in globalen Krisen
Abgestimmt wird in der UN-Generalversammlung geheim. Deutschland kandidiert für die Jahre 2027/2028, das Leitmotiv lautet «Respekt – Gerechtigkeit – Frieden». Schon sechs Mal war die Bundesrepublik gewähltes Mitglied im Sicherheitsrat, seit der Wiedervereinigung 1990 kandidiert Deutschland alle acht Jahre.
Die Bundesregierung dürfte sich vom Engagement im Sicherheitsrat mehr Einfluss bei wichtigen Entscheidungen versprechen - wohl auch im Zusammenhang mit Verhandlungen um Frieden und eine Nachkriegsordnung in der Ukraine oder im Gazastreifen. Doch etliche Länder sowohl in Europa wie in anderen Teilen der Welt sollen bereits Unterstützung für die europäischen Gegenkandidaten signalisiert haben.