Der US-Multimillionär und Pädokriminelle Jeffrey Epstein verkehrte in höchsten Kreisen. Die nun veröffentlichten Akten bringen viele in Bedrängnis - dabei hatte nicht jeder direkt mit Epstein zu tun.
Royals, Regierungsmitglieder und Diplomaten: Das Netzwerk des US-Multimillionärs und Sexualstraftäters Jeffrey Epstein umspannte die Welt der Reichen und Mächtigen. Die vom US-Justizministerium veröffentlichten Dokumente sind für etliche der Genannten nicht nur peinlich, sondern könnten schwere Konsequenzen haben. Wer durch die Akten in Erklärungsnot geriet:
Britischer Ex-Botschafter Peter Mandelson
Den britischen Premierminister Keir Starmer hätten die jüngst ans Licht gekommenen Epstein-Akten fast seinen Job gekostet - und das, obwohl er selbst nicht mit dem Pädokriminellen in Verbindung gebracht wird. Sehr wohl aber der frühere britische Botschafter in den USA, Peter Mandelson. Dessen enge Kontakte zu dem verurteilten Sexualstraftäter lösten eine schwere Regierungskrise in Großbritannien aus, mehrere Vertraute des Premiers traten in kurzer Folge zurück.
Hintergrund ist, dass Starmer Mandelson erst vor gut einem Jahr zum Botschafter in den USA ernannt hatte. Kritiker des Premiers zweifeln nun an dessen Urteilsvermögen, weil Starmer nach eigener Aussage von Mandelsons Kontakt zu Epstein wusste, wenn auch nicht im Detail. Wegen des Epstein-Skandals musste Mandelson im September letzten Jahres abtreten. Wie eng Mandelsons Beziehung zu Epstein tatsächlich war, wurde erst in den vergangenen Tagen publik. In seiner früheren Rolle als Wirtschaftsminister soll er etwa während der Finanzkrise sensible Informationen an den Finanzier weitergegeben haben. Die Polizei ermittelt. Und der britische Premier versucht sich weiter mit aller Kraft in der Downing Street zu halten.
Britischer Ex-Prinz Andrew
Als wäre eine Regierungskrise noch nicht genug, zieht der Epstein-Skandal auch die Royals immer mehr in seinen Sog. Nachdem die Epstein-Akten neue Vorwürfe gegen den in Ungnade gefallenen Ex-Prinz Andrew ans Licht gebracht hatten, kündigte König Charles III. an, die Polizei bei etwaigen Ermittlungen gegen seinen jüngeren Bruder zu unterstützen.
Ähnlich wie bei Mandelson geht es auch bei ihm um vertrauliche Informationen, die an den US-Investor weitergegeben worden sein sollen. Sollte es tatsächlich zu strafrechtlichen Ermittlungen kommen, droht dem Ex-Prinzen, der bereits alle Titel und Ämter verloren hat, ein noch tieferer Fall.
US-Handelsminister Howard Lutnick
Widersprüchliche Aussagen bringen den US-Handelsminister in Bedrängnis. Howard Lutnick hatte im vergangenen Jahr angegeben, 2005 den Kontakt zu Epstein abgebrochen zu haben. Bei einer Anhörung im US-Kongress legte er nun dagegen mehrere Treffen mit Epstein offen - unter anderem einen Besuch mit seiner Familie auf Epsteins Privatinsel im Jahr 2012. Dort habe man gemeinsam zu Mittag gegessen.
Der republikanische Kongressabgeordnete Thomas Massie warf Lutnick vor, bewusst gelogen zu haben. Vor einem Senatsausschuss sagte der Minister, es gebe etwa zehn E-Mails, die ihn mit Epstein in Verbindung brächten. Die beiden hätten sich innerhalb von 14 Jahren nur wenige Male getroffen. «Ich habe kaum etwas mit dieser Person zu tun gehabt», sagte er weiter.