Neue Eskalation überschattet Staatsbegräbnis im Iran
Autor: Arne Bänsch, Johannes Sadek und Lars Nicolaysen, dpa
, Donnerstag, 09. Juli 2026
Die USA bombardieren zwei Nächte in Folge Ziele im Iran. Das Land meldet seinerseits Angriffe auf US-Zerstörer. Unterdessen endet mit der Bestattung von Ajatollah Ali Chamenei eine politische Ära.
Nach den massiven Luftangriffen des US-Militärs wächst im Iran die Sorge vor einer Rückkehr zum offenen Krieg. Die USA bombardierten nach eigenen Angaben rund 90 militärische Ziele. Es war die zweite Nacht in Folge, in der es Angriffe gab. Der Iran reagierte mit eigenen Angriffen. Dabei gerieten auch Kuwait, Bahrain und Jordanien, die wichtige US-Militärbasen beherbergen, wieder unter Beschuss. Unterdessen endet mit der Bestattung des getöteten obersten Führers Ajatollah Ali Chamenei eine jahrzehntelange politische Ära in der Islamischen Republik.
Iranische Medien berichteten in der Nacht von Explosionen in mehreren Gebieten entlang der Küste des Landes. Auch zivile Infrastruktur wurde zerstört, wie Bilder von Staatsmedien zeigten. Mindestens 14 Menschen seien getötet und 78 weitere verletzt worden, teilte der Pressedienst der Regierung mit. Auf der wichtigen Bahnstrecke Teheran-Maschhad kam der Personenverkehr zum Erliegen.
Im Laufe des Tages griffen Irans Streitkräfte staatlichen Angaben zufolge unter anderem US-Zerstörer und US-Schiffe vor der Küste Bahrains mit Marschflugkörpern an. In der Nacht hatten die Revolutionsgarden mit Raketen auf US-Stützpunkte in Kuwait und Bahrain gezielt. Diese Länder liegen nur wenige Hundert Kilometer Luftlinie vom Iran entfernt. Die Streitkräfte Jordaniens, das erstmals seit Wochen wieder Ziel von Angriffen wurde, schossen nach eigenen Angaben acht Raketen ab.
Chamenei-Bestattung in Maschhad
Die militärische Konfrontation erfolgte inmitten der Trauerfeiern für Chamenei. Am Donnerstag sollte das frühere Staatsoberhaupt im Imam-Resa-Schrein seiner Heimatstadt Maschhad beerdigt werden. Das zog sich aber in den Freitag, nach Mitternacht (Ortszeit) zeigte das Staatsfernsehen, dass die Trauerzeremonie im Schrein weiter andauerte. Am Mittwoch waren im benachbarten Irak, wo mehrheitlich Schiiten leben, nach offiziellen Schätzungen drei Millionen Menschen zu Trauerfeiern zusammengekommen.
Chamenei war am 28. Februar durch einen israelischen Luftangriff auf seinen Amtssitz in Teheran getötet worden. Mehr als fünf Wochen führten die USA und Israel daraufhin Krieg gegen den Iran, bis Anfang April eine Waffenruhe vereinbart wurde. Es kam trotz der Waffenruhe und einem Rahmenabkommen zur Beendigung des Kriegs aber mehrfach zu gegenseitigen Angriffen.
Seine Anhänger verehren Chamenei als Märtyrer, der ihrer Ansicht nach im Widerstand gegen einen militärisch überlegenen Feind gefallen ist. Ein großer Teil der rund 86 Millionen Einwohner im Land dürfte der Staatstrauer jedoch gleichgültig oder ablehnend gegenüberstehen.
Spekulationen über Chamenei-Nachfolger und Sohn Modschtaba
Bereits vor der Bestattung wurde im Iran viel über den Verbleib von Chameneis Nachfolger und Sohn Modschtaba spekuliert. Er war eine Woche nach dem Tod seines Vaters zum neuen Staatsoberhaupt ernannt worden. Öffentlich trat er seither jedoch nicht auf. Das löste Gerüchte über seinen Gesundheitszustand aus, von schweren Verletzungen ist die Rede.