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USA: Hinrichtung in Tennessee gescheitert -Augenzeugin schildert Schock-Moment


Autor: Alexander Milesevic, Agentur dpa

Nashville, Donnerstag, 01. Oktober 2026

Die Hinrichtung von Christa Pike endet im Chaos: Augenzeugen berichten von einer beispiellosen gescheiterten Hinrichtung. Weitere Hinrichtungen sind im US-Bundesstaat Tennessee vorerst gestoppt.
Dieses vom Strafvollzugsamt von Tennessee zur Verfügung gestellte Foto zeigt Christa Pike am 12. Januar 2023. Pike sollte am 31. September 2026 (Ortszeit) als erste Frau seit 200 Jahren in Tennessee hingerichtet werden. Dabei kam es jedoch zu Komplikationen.


Update vom 1.10.2026: Entsetzen nach gescheiterter Hinrichtung in Tennessee

Der Schock über die gescheiterte Hinrichtung der wegen Mordes verurteilten Christa Pike in den USA ist bei der Augenzeugin Tori Gessner groß. "Ich habe in Tennessee fünf Hinrichtungen miterlebt. Nichts an dem heutigen Tag war normal, typisch - überhaupt nichts", sagte die Reporterin des Lokalsenders WKRN in Nashville später vor laufenden Kameras.

Bei der ersten geplanten Exekution einer Frau in Tennessee seit über 200 Jahren war es zuvor zu Komplikationen gekommen. Gessner und andere Journalisten waren als Zeugen akkreditiert, einer Vollstreckung beizuwohnen, die von Rechtsexperten bereits jetzt als beispiellos beschrieben wird. Am Donnerstagmorgen (1. Oktober 2026, Ortszeit) befand sich Pike in einem Krankenhaus, berichtet der US-Sender NBC. Um 19:26 Uhr (Ortszeit) des Vorabends seien die Jalousien zum Hinrichtungsraum für die Zeugen geöffnet worden. Man habe die auf einer Liege fixierte Pike gesehen.

Die 50-Jährige habe im Verlauf der Prozedur, während der Pike zwei Injektionen mit dem Wirkstoff Pentobarbital verabreicht wurden, mehrere vollständige Sätze gesprochen, angestrengt geatmet und geschnarcht, erinnern sich Augenzeugen später. "Mein Arm fühlt sich an, als würde er gleich aufplatzen. Eine Stelle pocht wirklich stark", soll Pike laut der Medienzeugin Gessner gesagt haben.

Kritik an Behörden nach gescheiterter Hinrichtung

Während der Prozedur seien laut den Zeugen die Jalousien mehrmals geschlossen und geöffnet worden. Gefängnisbeamte hätten die Zeugen um 20:53 Uhr aus dem Raum entfernt. Zu dem Zeitpunkt habe man Pike immer noch atmen hören.

"Dieses Ereignis ist das Schlimmste, das wir je gesehen haben, und unterscheidet sich von jeder anderen fehlgeschlagenen Hinrichtung in der modernen Ära", sagt Robin Maher, die geschäftsführende Direktorin der gemeinnützigen Organisation Death Penalty Information Center (DPI). "Es gibt keinen Präzedenzfall."

Pike werde in einem nahegelegenen Krankenhaus behandelt, sagen ihre Anwälte später in einem Statement, aus dem mehrere US-Medien übereinstimmend zitieren. "Wir wurden nicht über ihren Zustand informiert," heißt es weiter. Aber vonseiten des mehrköpfigen Rechtsteams kommt scharfe Kritik an dem Vorgehen der Behörden.

Bereits zweite fehlgeschlagene Hinrichtung

"Wir empfinden keine Freude darüber, Recht zu haben, aber die von Frau Pike vorgebrachten Bedenken haben sich als wahr erwiesen: schwieriger Zugang zu den Venen, geplatzte Venen, abgebautes Pentobarbital, keine verfügbare medizinische Notfallversorgung, wenn die Dinge zwangsläufig schiefgehen, und all das unter einem Protokoll, das weiterhin von Geheimhaltung umgeben ist," heißt es in dem Statement.

Im Bundesstaat Tennessee ist es bereits die zweite gescheiterte Hinrichtung in diesem Jahr. Im Mai musste in letzter Sekunde eine geplante Exekution per Todesspritze gestoppt werden, weil das medizinische Personal keine Vene finden konnte. Einer der Ärzte, der an der gescheiterten Hinrichtung im Mai beteiligt war, sollte auch an der Hinrichtung von Pike teilnehmen, berichtet der US-Sender NBC. Der Mediziner habe seit 13 Jahren keinen Zentralvenenkatheter mehr gelegt, berichtet der US-Radiosender NPR.

Von 2022 bis 2025 herrschte in Tennessee ein Hinrichtungsstopp, nachdem bekannt geworden war, dass der US-Bundesstaat zwischen 2018 und 2022 wiederholt gegen die eigenen Vorgaben verstoßen und die für tödliche Injektionen verwendeten Medikamente nicht ordnungsgemäß geprüft hatte, berichtet der US-Sender NBC.

Für 2026 geplante Hinrichtungen in Tennessee gestoppt

Der republikanische Gouverneur Bill Lee habe nach der gescheiterten Hinrichtung am späten Mittwoch entschieden, alle für den Rest des Jahres 2026 geplanten Exekutionen zu stoppen und eine "umfassende Überprüfung durch eine unabhängige dritte Partei" angeordnet, um genau festzustellen, was vorgefallen sei, berichten US-Medien übereinstimmend unter Berufung auf eine Stellungnahme des Gouverneurs.

"Die Vollstreckung eines rechtmäßig verhängten Urteils gehört zu den wichtigsten Verantwortlichkeiten des Staates, und die Menschen in Tennessee erwarten, dass dies auf eine Weise geschieht, die nicht nur rechtmäßig und verfassungsgemäß ist, sondern auch wirksam," so Lee in der Stellungnahme.

Neben der im Mai in Tennessee gescheiterten Hinrichtung kam es in der Vergangenheit immer wieder zu Vollstreckungen, die entweder gescheitert oder qualvoll verlaufen sind. Oft scheitern Exekutionen daran, dass es dem Gesundheitspersonal nicht gelingt, die nötige Kanüle zu legen oder eine Vene zu finden, wie beispielsweise 2022 in Alabama oder 2024 in Idaho.

Giftspritze als gängigste Hinrichtungsmethode

Die Todesspritze ist in den USA die häufigste Hinrichtungsmethode. Seit 2024 ist in mehreren Bundesstaaten auch eine Hinrichtung mit Stickstoff erlaubt, was in der Praxis zu einem qualvollen Todeskampf der Verurteilten führt.

Pike war 1996 für den Mord an einer damals 19-jährigen Bekannten zum Tode verurteilt worden. Sie selbst war zum Tatzeitpunkt 18 Jahre alt. 1995 hatten drei Teenager das Opfer in einem abgelegenen Gebiet nahe der University of Tennessee in Knoxville gefoltert und getötet.

Ursprungsmeldung vom 1.10.2026:

Bei der ersten geplanten Hinrichtung einer Frau in Tennessee seit mehr als 200 Jahren ist es zu einem gerichtlichen Tauziehen und Komplikationen gekommen. Die wegen Mordes verurteilte Christa Pike lebte nach Angaben ihrer Verteidiger auch nach der Verabreichung zweier tödlicher Injektionen weiter. Zuvor hatte das Oberste US-Gericht einen Vollstreckungsstopp außer Kraft gesetzt.

"Um 20.26 Uhr berichteten Zeugen der Hinrichtung, dass die Vollstrecker beide Spritzen mit den tödlichen Chemikalien injiziert hätten und Pike noch am Leben sei und schnarche", heißt es in einem Gerichtsdokument. Auch nach Angaben des Richters Kyle Hixson habe der Staat die 50-Jährige zunächst nicht für tot erklärt. Die Justizvollzugsbehörde habe die medizinische Notfallversorgung und ihren Transport in ein Krankenhaus angeordnet, teilte Hixson den Anwälten aller Beteiligten in einer Telefonkonferenz mit.

Pike war 1996 für den Mord an einer damals 19-jährigen Bekannten zum Tode verurteilt worden. Sie selbst war zum Tatzeitpunkt 18 Jahre alt. 1995 hatten drei Teenager das Opfer in einem abgelegenen Gebiet nahe der University of Tennessee in Knoxville gefoltert und getötet.

Hinrichtung in Tennessee abgebrochen - Supreme Court kippt Vollstreckungsstopp

Nach Angaben der offiziellen Webseite der Regierung von Tennessee war Pike die einzige Frau, die derzeit im Todestrakt des Bundesstaates im Südosten der USA eine Strafe verbüßte. Laut der Forschungseinrichtung Cornell Center on the Death Penalty Worldwide ist sie auch die erste Frau seit 1819, die in Tennessee überhaupt hingerichtet werden sollte.

Der Vollstreckung am Mittwochabend (30. September 2026, Ortszeit) war ein juristisches Tauziehen vorausgegangen. Zunächst war die Hinrichtung per Giftspritze kurz vor dem Vollzug gestoppt worden. Dann gab der Supreme Court, das oberste US-Gericht, einem Eilantrag der für die Gefängnisse zuständigen Behörde des Bundesstaates statt und setzte damit den von einer unteren Instanz verhängten Vollstreckungsstopp außer Kraft.

Die drei liberalen Richterinnen am Supreme Court hatten die Mehrheitsentscheidung des Gerichts kritisiert. In ihrer abweichenden Meinung argumentierte Sonia Sotomayor, die Entscheidung ebne dem Bundesstaat den Weg, Pike hinzurichten, bevor die Zweifel an der Rechtmäßigkeit des vorherigen Verfahrens ordnungsgemäß geprüft werden könnten. Die Richterinnen Elena Kagan und Ketanji Brown Jackson schlossen sich dem an.

Wurde Pike als Kind missbraucht?

Sotomayor schrieb weiter, sie sehe keinen Grund dafür, den üblichen Weg dieser Überprüfung zu umgehen, "insbesondere angesichts der schwerwiegenden Folgen einer fehlerhaften Entscheidung". Sie bezeichnete das Vorgehen als "außergewöhnlich".

Die zum Tode verurteilte Pike habe Zweifel an der Rechtmäßigkeit des vorigen Verfahrens dargelegt, die nun geprüft werden müssten, hatte ein Berufungsgericht am Mittwoch noch entschieden. Ein zentraler Punkt dabei war die gerichtliche Würdigung von Traumata, die Pike eigenen Angaben zufolge als Kind erlitten habe.

Die Verurteilte machte vor Gericht geltend, der Bundesstaat Tennessee habe sie als Lügnerin abgetan und ihre Angaben zu erlittenem Missbrauch für fabriziert gehalten. Dann habe der Bundesstaat den Missbrauch später jedoch doch als solchen anerkannt.

Eilantrag erfolgreich

In seinem Eilantrag an das Oberste US-Gericht warf der Staat Tennessee der Verteidigung Pikes unter anderem eine bewusste Verzögerungstaktik in letzter Minute vor, um die Vollstreckung zu verhindern. Zudem sahen die Kläger geringe Erfolgsaussichten für die Verurteilte: Die Grausamkeit und Schwere des Mordes wogen rechtlich so schwer, dass selbst das vor Gericht geltend gemachte Kindheitstrauma die Todesstrafe nicht verhindert hätte.

Pike hingegen argumentierte in einer Antwort vor dem Supreme Court, dass dem Bundesstaat kein irreparabler Schaden entstehe, wenn der Eilantrag abgelehnt werde. Sollte ihm dagegen stattgegeben werden, würde Pike ihr Leben verlieren.

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