Druckartikel: USA: Hinrichtung in Tennessee abgebrochen - Verurteilte überlebt Giftspritzen

USA: Hinrichtung in Tennessee abgebrochen - Verurteilte überlebt Giftspritzen


Autor: Alexander Milesevic, Agentur dpa

Nashville, Donnerstag, 01. Oktober 2026

Zunächst stoppt ein Gericht die erste Hinrichtung einer Frau seit mehr als 200 Jahren im US-Südstaat Tennessee. Die Vollstreckung folgt - und scheitert. Die Verurteilte lebt nach zwei Gift-Injektionen weiter.
Dieses vom Strafvollzugsamt von Tennessee zur Verfügung gestellte Foto zeigt Christa Pike am 12. Januar 2023. Pike sollte am 31. September 2026 (Ortszeit) als erste Frau seit 200 Jahren in Tennessee hingerichtet werden. Dabei kam es jedoch zu Komplikationen.


Bei der ersten geplanten Hinrichtung einer Frau in Tennessee seit mehr als 200 Jahren ist es zu einem gerichtlichen Tauziehen und Komplikationen gekommen. Die wegen Mordes verurteilte Christa Pike lebte nach Angaben ihrer Verteidiger auch nach der Verabreichung zweier tödlicher Injektionen weiter. Zuvor hatte das Oberste US-Gericht einen Vollstreckungsstopp außer Kraft gesetzt.

"Um 20.26 Uhr berichteten Zeugen der Hinrichtung, dass die Vollstrecker beide Spritzen mit den tödlichen Chemikalien injiziert hätten und Pike noch am Leben sei und schnarche", heißt es in einem Gerichtsdokument. Auch nach Angaben des Richters Kyle Hixson habe der Staat die 50-Jährige zunächst nicht für tot erklärt. Die Justizvollzugsbehörde habe die medizinische Notfallversorgung und ihren Transport in ein Krankenhaus angeordnet, teilte Hixson den Anwälten aller Beteiligten in einer Telefonkonferenz mit.

Hinrichtung in Tennessee abgebrochen - Supreme Court kippt Vollstreckungsstopp

Pike war 1996 für den Mord an einer damals 19-jährigen Bekannten zum Tode verurteilt worden. Sie selbst war zum Tatzeitpunkt 18 Jahre alt. 1995 hatten drei Teenager das Opfer in einem abgelegenen Gebiet nahe der University of Tennessee in Knoxville gefoltert und getötet.

Nach Angaben der offiziellen Webseite der Regierung von Tennessee war Pike die einzige Frau, die derzeit im Todestrakt des Bundesstaates im Südosten der USA eine Strafe verbüßte. Laut der Forschungseinrichtung Cornell Center on the Death Penalty Worldwide ist sie auch die erste Frau seit 1819, die in Tennessee überhaupt hingerichtet werden sollte.

Der Vollstreckung am Mittwochabend (30. September 2026, Ortszeit) war ein juristisches Tauziehen vorausgegangen. Zunächst war die Hinrichtung per Giftspritze kurz vor dem Vollzug gestoppt worden. Dann gab der Supreme Court, das oberste US-Gericht, einem Eilantrag der für die Gefängnisse zuständigen Behörde des Bundesstaates statt und setzte damit den von einer unteren Instanz verhängten Vollstreckungsstopp außer Kraft.

Kritik von Richterinnen am Entscheid

Die drei liberalen Richterinnen am Supreme Court hatten die Mehrheitsentscheidung des Gerichts kritisiert. In ihrer abweichenden Meinung argumentierte Sonia Sotomayor, die Entscheidung ebne dem Bundesstaat den Weg, Pike hinzurichten, bevor die Zweifel an der Rechtmäßigkeit des vorherigen Verfahrens ordnungsgemäß geprüft werden könnten. Die Richterinnen Elena Kagan und Ketanji Brown Jackson schlossen sich dem an.

Sotomayor schrieb weiter, sie sehe keinen Grund dafür, den üblichen Weg dieser Überprüfung zu umgehen, "insbesondere angesichts der schwerwiegenden Folgen einer fehlerhaften Entscheidung". Sie bezeichnete das Vorgehen als "außergewöhnlich".

Die zum Tode verurteilte Pike habe Zweifel an der Rechtmäßigkeit des vorigen Verfahrens dargelegt, die nun geprüft werden müssten, hatte ein Berufungsgericht am Mittwoch noch entschieden. Ein zentraler Punkt dabei war die gerichtliche Würdigung von Traumata, die Pike eigenen Angaben zufolge als Kind erlitten habe.

Wie Pike vor dem Supreme Court argumentierte

Die Verurteilte machte vor Gericht geltend, der Bundesstaat Tennessee habe sie als Lügnerin abgetan und ihre Angaben zu erlittenem Missbrauch für fabriziert gehalten. Dann habe der Bundesstaat den Missbrauch später jedoch doch als solchen anerkannt.

In seinem Eilantrag an das Oberste US-Gericht warf der Staat Tennessee der Verteidigung Pikes unter anderem eine bewusste Verzögerungstaktik in letzter Minute vor, um die Vollstreckung zu verhindern. Zudem sahen die Kläger geringe Erfolgsaussichten für die Verurteilte: Die Grausamkeit und Schwere des Mordes wogen rechtlich so schwer, dass selbst das vor Gericht geltend gemachte Kindheitstrauma die Todesstrafe nicht verhindert hätte.

Pike hingegen argumentierte in einer Antwort vor dem Supreme Court, dass dem Bundesstaat kein irreparabler Schaden entstehe, wenn der Eilantrag abgelehnt werde. Sollte ihm dagegen stattgegeben werden, würde Pike ihr Leben verlieren.

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