USA: Hinrichtung in Tennessee abgebrochen - Verurteilte überlebt Giftspritzen
Autor: Alexander Milesevic, Agentur dpa
Nashville, Donnerstag, 01. Oktober 2026
Zunächst stoppt ein Gericht die erste Hinrichtung einer Frau seit mehr als 200 Jahren im US-Südstaat Tennessee. Die Vollstreckung folgt - und scheitert. Die Verurteilte lebt nach zwei Gift-Injektionen weiter.
"Um 20.26 Uhr berichteten Zeugen der Hinrichtung, dass die Vollstrecker beide Spritzen mit den tödlichen Chemikalien injiziert hätten und Pike noch am Leben sei und schnarche", heißt es in einem Gerichtsdokument. Auch nach Angaben des Richters Kyle Hixson habe der Staat die 50-Jährige zunächst nicht für tot erklärt. Die Justizvollzugsbehörde habe die medizinische Notfallversorgung und ihren Transport in ein Krankenhaus angeordnet, teilte Hixson den Anwälten aller Beteiligten in einer Telefonkonferenz mit.
Hinrichtung in Tennessee abgebrochen - Supreme Court kippt Vollstreckungsstopp
Pike war 1996 für den Mord an einer damals 19-jährigen Bekannten zum Tode verurteilt worden. Sie selbst war zum Tatzeitpunkt 18 Jahre alt. 1995 hatten drei Teenager das Opfer in einem abgelegenen Gebiet nahe der University of Tennessee in Knoxville gefoltert und getötet.
Nach Angaben der offiziellen Webseite der Regierung von Tennessee war Pike die einzige Frau, die derzeit im Todestrakt des Bundesstaates im Südosten der USA eine Strafe verbüßte. Laut der Forschungseinrichtung Cornell Center on the Death Penalty Worldwide ist sie auch die erste Frau seit 1819, die in Tennessee überhaupt hingerichtet werden sollte.
Der Vollstreckung am Mittwochabend (30. September 2026, Ortszeit) war ein juristisches Tauziehen vorausgegangen. Zunächst war die Hinrichtung per Giftspritze kurz vor dem Vollzug gestoppt worden. Dann gab der Supreme Court, das oberste US-Gericht, einem Eilantrag der für die Gefängnisse zuständigen Behörde des Bundesstaates statt und setzte damit den von einer unteren Instanz verhängten Vollstreckungsstopp außer Kraft.
Kritik von Richterinnen am Entscheid
Die drei liberalen Richterinnen am Supreme Court hatten die Mehrheitsentscheidung des Gerichts kritisiert. In ihrer abweichenden Meinung argumentierte Sonia Sotomayor, die Entscheidung ebne dem Bundesstaat den Weg, Pike hinzurichten, bevor die Zweifel an der Rechtmäßigkeit des vorherigen Verfahrens ordnungsgemäß geprüft werden könnten. Die Richterinnen Elena Kagan und Ketanji Brown Jackson schlossen sich dem an.
Sotomayor schrieb weiter, sie sehe keinen Grund dafür, den üblichen Weg dieser Überprüfung zu umgehen, "insbesondere angesichts der schwerwiegenden Folgen einer fehlerhaften Entscheidung". Sie bezeichnete das Vorgehen als "außergewöhnlich".