Druckartikel: USA bombardieren Autobahnbrücke im Iran - Trump droht weiter

USA bombardieren Autobahnbrücke im Iran - Trump droht weiter


Autor: dpa

, Freitag, 03. April 2026

Es ist die höchste Brücke des Landes und eine wichtige Verbindung für Pendler in der Metropolregion Teheran. Sie wird bombardiert. Und US-Präsident Trump droht mit weiteren Angriffen.
Man werde den Iran zurück in die Steinzeit versetzen, sagte Trump in einer Rede an die Nation.


US-Präsident Donald Trump hat dem Iran nach der Bombardierung einer Autobahnbrücke bei Teheran mit weiterer Zerstörung gedroht. «Die größte Brücke im Iran stürzt ein und wird nie wieder genutzt werden – es wird noch viel mehr folgen!», schrieb er auf der Plattform Truth Social. Dazu postete Trump ein kurzes Video, das die einbrechende Brücke vor einem Bergmassiv zeigt, dichte Rauchschwaden steigen auf. 

Der Iran sollte sich auf einen Deal einlassen, bevor es zu spät sei und nichts mehr übrig bleibe von dem Land, drohte Trump. Einige Stunden später legte Trump auf seiner Plattform nach: Das US-Militär habe noch nicht einmal damit begonnen, das zu zerstören, was es im Iran noch gebe. «Brücken als Nächstes, dann Kraftwerke!», drohte er. «Die neue Führung des Regimes weiß, was getan werden muss.» Und das müsse schnell geschehen, schrieb er - wohl mit Blick auf eine erhoffte Verhandlungslösung zur Beendigung des Kriegs. 

Trump setzt die iranische Führung mit seinen Drohungen unter Zeitdruck, gleichzeitig kündigte er aber bereits an, den seit gut einem Monat andauernden Krieg in zwei bis drei Wochen beenden zu wollen. Ein mögliches Kriegsende ohne Verhandlungslösung und Zugeständnisse dürfte die Führung der Islamischen Republik - ungeachtet massiver Schäden und vieler Opfer im Land - als großen Sieg feiern.

Brücke für Pendler westlich von Teheran 

Die als «B1» bekannte Autobahnbrücke war am Donnerstag zweimal innerhalb kurzer Zeit bombardiert worden. Sie war Teil der Pendlerroute zwischen der Großstadt Karadsch und der überfüllten Millionenmetropole und Hauptstadt Teheran. Zudem liegt sie an einem Verkehrsknoten in Richtung Kaspisches Meer, einem beliebten Reiseziel. Mit einer Höhe von 132 Metern war sie die höchste Brücke im Iran. Ein Teilabschnitt befand sich noch im Bau.

Der zweite Angriff auf die Brücke westlich der Hauptstadt Teheran ereignete sich iranischen Medien zufolge, als Rettungskräfte vor Ort im Einsatz waren. Videos in sozialen Medien zeigten ebenfalls dunkelgraue Rauchwolken nach den Raketeneinschlägen und Brückenelemente, die in sich zusammenstürzten. Bei den Luftangriffen kamen laut der Nachrichtenagentur Isna mindestens acht Menschen ums Leben, 97 weitere wurden verletzt. Der Strom an der Landstraße Richtung Norden fiel infolge der Attacken aus.

US-Quellen sprechen von Brücke als angeblicher Nachschubroute

Trumps Post ließ kaum Zweifel, dass das US-Militär die Brücke - ein Teil der zivilen Infrastruktur des Landes - gezielt angegriffen hat. Die «New York Times» berichtete unter Berufung auf einen Militärvertreter, dass US-Streitkräfte damit einen geplanten militärischen Nachschubweg unterbunden hätten. Das «Wall Street Journal» zitierte einen hochrangigen US-Beamten damit, dass der Angriff Teil umfassenderer Bemühungen der USA gewesen sei, militärische Nachschubrouten zu unterbrechen. So solle der Iran daran gehindert werden, Teile für ballistische Raketen und Drohnen an Einheiten im ganzen Land zu verteilen. Die US-Angaben ließen sich nicht unabhängig überprüfen. 

Irans Außenminister: US-Ansehen wird sich davon nicht erholen

Irans Außenminister Abbas Araghtschi kritisierte den Angriff scharf. Derartige Attacken seien Ausdruck eines «moralischen Zusammenbruchs», schrieb er auf X. Das Ansehen der USA werde sich niemals davon erholen. «Angriffe auf zivile Strukturen, einschließlich unfertiger Brücken, werden die Iraner nicht zur Kapitulation zwingen.»

Trump hatte zuvor weitere heftige Angriffe gegen den Iran angekündigt. «Wir werden sie in den nächsten zwei bis drei Wochen extrem hart treffen. Wir werden sie zurück in die Steinzeit versetzen, wo sie hingehören», sagte er am Mittwoch in einer Rede an die Nation. 

Große Empörung bei Iranerinnen und Iranern

Bei vielen Iranerinnen und Iranern, auch Regierungsgegnern, löste dies große Empörung aus. Schahin, ein 40 Jahre alter Immobilienmakler, schimpfte über Trump. «Nicht einmal (Israels Regierungschef Benjamin) Netanjahu hat uns dermaßen beleidigt!», sagte der Mann im Norden Teherans. «Aber noch dümmer als er sind wir Iraner, die Hoffnung hatten, dass dieser zurückgebliebene Verrückte uns helfen könnte. Wir sollten uns heute alle schämen.» Anfang Januar, als Irans Sicherheitsapparat die Massenproteste im Land niederschlug, hatte Trump der Protestbewegung Unterstützung in Aussicht gestellt. 

Auch ein Ehepaar im Ruhestand konnte seine Wut nicht mehr verbergen. «Steinzeit, Mr. President, da waren die Iraner auch 47 Jahre unter diesem islamischen Regime nicht», sagte Dschamal, der früher als Ingenieur in der Landwirtschaft gearbeitet hat. «Jetzt hat er über 80 Millionen Feinde mehr in der Welt», sagte er mit Blick auf Irans Bevölkerung. Seine Ehefrau Scholeh äußerte sich noch drastischer gegen Trump. «Dummheit hat wirklich keine Grenzen», sagte sie. «Ich bin wütend und würde ihn am liebsten erwürgen.» 

Israel meldet Tötung von iranischem Öl-Kommandeur

Israel griff unterdessen nach Angaben eines Militärsprechers Dutzende Ziele des Raketenprogramms im Iran sowie im Libanon an. Zudem sei der Kommandeur der ballistischen Raketeneinheit in der Region Kermanschah gezielt getötet worden.  

Im nunmehr fast fünf Wochen langen amerikanisch-israelischen Krieg stellte Medienberichten zufolge nach neuen Luftangriffen ein Stahlwerk bei Isfahan seinen Betrieb ein. Die Stahlindustrie zählt zu den Schlüsselbranchen im Iran und spielt eine zentrale Rolle etwa in der Autoherstellung oder dem Rüstungsbereich. 

Medien: Geschoss reißt Krater in Industriegebiet nahe Tel Aviv

Auch die Raketenangriffe des Irans und seiner Verbündeten im Libanon und im Jemen auf Israel dauerten an. Am Donnerstagabend heulten in der Küstenmetropole Tel Aviv und anderen Städten des Landes mehrmals die Warnsirenen, Menschen eilten in Schutzräume. Auf dramatischen Videoaufnahmen in sozialen Medien war zu sehen, wie ein Geschoss in der Stadt Petach Tikva bei Tel Aviv einschlug. Nach Medienberichten riss es einen Krater in einem Industriegebiet, es sei jedoch niemand verletzt worden.

Auch arabische Länder meldeten weiter Angriffe. Aus Kuwait, Bahrain, den Vereinigten Arabischen Emiraten, Saudi-Arabien, Katar und Jordanien gab es zunächst keine Berichte über Opfer oder Schäden. 

In der Nacht auf Karfreitag heulten unter anderem in Bahrain erneut die Sirenen. Auch das Militär in Kuwait meldete neue Angriffe.