Urteil gefällt: Kann Le Pen noch Präsidentin werden?
Autor: Rachel Sommer, dpa
, Dienstag, 07. Juli 2026
Die französische Rechtsnationale Marine Le Pen hatte auf einen Freispruch gehofft und wurde enttäuscht. Die Schlappe vor Gericht könnte für sie folgenschwer werden: Es geht um ihre politische Zukunft.
Ein Schuldspruch, ein Jahr mit Fußfessel und ein zeitweiser Entzug des passiven Wahlrechts: Frankreichs Rechtsnationale Marine Le Pen hat vor Gericht eine herbe Niederlage eingefahren. Doch was heißt das komplizierte Urteil in einem Verfahren um mögliche Scheinbeschäftigung und EU-Gelder für Frankreichs Präsidentschaftswahl im kommenden Jahr? Noch am Abend will die 57-jährige Le Pen verkünden, ob sie für das Rassemblement National (RN) antritt oder Parteichef Jordan Bardella. Was man dazu wissen sollte:
Ist eine Kandidatur Le Pens überhaupt möglich?
Ja, theoretisch kann sich Le Pen zur Kandidatin ihres radikalen Rassemblement National erklären. Denn das Gericht hat ihr das Recht, bei Wahlen anzutreten, nur für 15 Monate entzogen und 30 Monate sind auf Bewährung ausgesetzt. Weil ebendiese Strafe aus erster Instanz bereits angewendet wird, sind die 15 Monate schon abgebüßt. Das Urteil fiel für Le Pen damit weniger gravierend aus als befürchtet. Praktisch wäre eine Kandidatur dennoch nur schwer umsetzbar.
Welches Risiko wäre mit einer Kandidatur verbunden?
Ein zentrales Problem für Le Pen ist, dass von drei Jahren Haftstrafe nur zwei zur Bewährung ausgesetzt sind. Eines soll sie zu Hause mit Fußfessel verbringen. Le Pen wäre damit an strikte Ausgangszeiten gebunden. Ein Wahlkampf mit zahlreichen Terminen im ganzen Land ist da kaum vorstellbar. Bereits mehrfach hatte Le Pen gesagt, nicht mit einer Fußfessel kandidieren zu wollen.
Und für Le Pen könnte es ein weiteres Risiko geben. Wenn die Anklage in Revision gehen sollte, wäre das Berufungsurteil nicht rechtskräftig. In Juristenkreisen ist umstritten, ob der fünfjährige mit vorläufiger Anwendung verhängte Entzug des passiven Wahlrechts aus erster Instanz dann wieder greifen würde.
Wird statt Le Pen jetzt Bardella kandidieren?
Das ist durchaus wahrscheinlich, aber nicht sicher. Rein juristisch gesehen wäre es für die Rechtsnationalen die sicherere Lösung. Ob Bardella aber der Kandidat mit den besseren Erfolgsaussichten ist, ist strittig. Und Le Pen möchte eigentlich unbedingt Präsidentin werden.
Wie stehen die Chancen der Rechtsnationalen?
Die Aussichten, zumindest in die entscheidende Stichwahl einzuziehen, stehen Stand jetzt ziemlich gut. Sowohl Le Pen als auch Bardella liegen in Umfragen seit Monaten mit mehr als 30 Prozent deutlich vor allen möglichen Kandidatinnen und Kandidaten anderer Parteien. Allerdings sind die anderen Lager noch nicht vollständig sortiert. Wer genau gegen die Rechtsnationalen antreten wird, ist unklar, aber entscheidend für ihre Chancen, tatsächlich Präsidentin oder Präsident zu werden.
Unklar ist zudem, wie der blutjunge Bardella mit seinen 30 Jahren sich im Wahlkampf schlagen würde. Für das RN ist das ein Risiko, das die Partei ohne die Vorwürfe gegen Le Pen sicherlich nicht eingehen würde. Bei Le Pen, die bereits dreimal kandidiert hat, gibt es weniger Fragezeichen.