Russische Anti-Kriegspartei kämpft ums politische Überleben
Autor: Ulf Mauder, dpa
, Montag, 17. August 2026
Russlands Oberstes Gericht befasst sich erneut mit dem Ausschluss der Anti-Kriegspartei Jabloko von der Parlamentswahl. In Moskau gibt es viele Festnahmen. Dem Parteivize droht derweil Straflager.
In Russland kämpft die Anti-Kriegspartei Jabloko unter dem Eindruck Dutzender Festnahmen ihrer Unterstützer um die Teilnahme an der Parlamentswahl und damit um ihr politisches Überleben. Der Oberste Gerichtshof verhandelte in einem Berufungsverfahren erneut über den Ausschluss der liberalen Oppositionspartei von der Duma-Wahl im September. Vor dem Gerichtsgebäude seien nicht weniger als 35 Menschen abgeführt worden, teilte Jabloko-Chef Nikolai Rybakow im Gerichtssaal mit.
Die Partei veröffentlichte auch Videos von Festnahmen. Medien berichteten, dass die Polizei weder Jabloko-Unterstützer noch Journalisten in die Nähe des Gerichts gelassen habe. Rybakow forderte vor Gericht die Freilassung der Menschen und ein Ende der Einschüchterungsversuche. Er verlangte in einer langen Rede, dass das Oberste Gericht unter dem Vorsitzenden Wladimir Saizew die von der Wahlkommission zunächst erteilte Zulassung von Jabloko zur Abstimmung vom 18. bis 20. September wieder in Kraft setzt.
Die Partei hatte Berufung eingelegt gegen den vor einer Woche vom Gericht beschlossenen Wahl-Ausschluss. Die Aussichten, dass Jabloko doch noch zugelassen wird, gelten als düster. Kämpfen will die Partei notfalls auch vor dem Verfassungsgericht.
Das Oberste Gericht hatte einer Klage der kremltreuen ultranationalistischen Partei Rodina stattgegeben, die Jabloko Verstöße gegen Russlands Wahlgesetze vorgeworfen hatte. Über die Berufung entscheidet ein dreiköpfiges Richterkollegium.
Jabloko-Chef warnt vor Zerstörung Russlands
Rybakow bezeichnete die von Rodina vorgebrachte Beschwerde, darunter Vorwürfe der Finanzierung aus dem Ausland und angebliche Verstöße gegen das russische Urheberrecht, als haltlose und absurde Lügen. Alle Parteien könnten mit solchen nicht bewiesenen Anschuldigungen konfrontiert und nach der bisherigen Logik des Gerichts von dem Urnengang ausgeschlossen werden, sagte Rybakow. Jabloko wolle aber das Oberste Gericht nicht zu einem Zirkus machen.
Der Parteichef warnte vor einer «endgültigen, offiziellen Demontage» des Wahlsystems. «Das würde zu einer Zerstörung des russischen Staates führen.» Die Entscheidung des Obersten Gerichts über den Ausschluss der Partei vor einer Woche habe klar eine politische Motivation, Millionen Wählern in Russland eine Alternative zu nehmen. Die Gegner von Jabloko merkten, dass sie die für Frieden eintretende Partei in einem ehrlichen Wahlkampf nicht besiegen könnten, argumentierte Rybakow.
Die Partei trete unter der Losung «Für Frieden und für Freiheit» auf, für einen Waffenstillstand in dem Krieg und ein Leben ohne Angst. «Unser Ziel ist es, keinen Atomkrieg zuzulassen», meinte Rybakow mit Blick auf Forderungen radikaler Kriegsbefürworter in Russland, einen solchen nuklearen Schlag gegen die Ukraine zu verüben.