EU in Geiselhaft: Ungarn blockiert Ukraine-Unterstützung
Autor: Ansgar Haase und Niklas Treppner, dpa
, Montag, 23. Februar 2026
Zum vierten Jahrestag des russischen Angriffs auf die Ukraine will die EU eigentlich ein klares Zeichen setzen. Scheitert das an Ungarns Ministerpräsidenten Viktor Orban?
Ungarn hat bei einem EU-Außenministertreffen in Brüssel die geplante Verschärfung von Russland-Sanktionen blockiert. Zudem bekräftigte das Land kurz vor dem vierten Jahrestag der russischen Invasion in die Ukraine auch sein Veto gegen ein wichtiges milliardenschweres EU-Darlehen für die Ukraine. Die EU-Außenbeauftragte Kaja Kallas sagte nach dem Treffen: «Das ist ein Rückschlag und eine Botschaft, die wir heute nicht senden wollten.»
Wie der ungarische Außenminister Peter Szijjarto in Brüssel sagte, will sein Land den Entscheidungen für die Ukraine erst dann zustimmen, wenn die Regierung in Kiew eine Wiederaufnahme von russischen Öllieferungen durch die Druschba-Pipeline ermöglicht. Er warf der Führung in Kiew vor, die Nutzung der durch die Ukraine verlaufenden Leitung absichtlich und aus politischen Gründen zu blockieren. Nach ukrainischen Angaben sind Öllieferungen hingegen wegen russischer Bombardierungen seit Ende Januar unterbrochen.
Ob bis zu dem Jahrestag des russischen Kriegsbeginns an diesem Dienstag doch noch ein Kompromiss gefunden werden kann, war zunächst unklar.
Slowakei stellt Notstromlieferungen an die Ukraine ein
Unterstützt wird Ungarn bei der Blockade neuer Russland-Sanktionen von der Slowakei. Das Land bezieht wie Ungarn weiter in großem Stil russisches Rohöl und behauptet, ohne die Lieferungen seine Energiesicherheit nicht gewährleisten zu können. Der slowakische Ministerpräsident Robert Fico griff daher sogar zu einer «Gegenmaßnahme» gegenüber dem Nachbarland. Er kündigte etwa zeitgleich mit dem Treffen in Brüssel an, die slowakischen Notstromlieferungen an die Ukraine einzustellen.
In einem Facebook-Video teilte Fico mit, er habe zuvor noch den ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj um ein dringendes Telefongespräch gebeten. Da Selenskyj dazu aber frühestens am Mittwoch bereit gewesen wäre, habe er sich direkt für die Maßnahme entschieden. Sie werde «sofort zurückgenommen, sobald der Öltransit in die Slowakei wieder erneuert wird», sagte Fico.
Er kritisierte zudem die EU, weil sie der Slowakei im Streit mit der Ukraine nicht helfe. Die EU-Kommission stelle sich auf die Seite der Ukraine statt auf die des Mitgliedslands Slowakei.
Wadephul wirft Ungarn Verrat vor
Nach Ungarns deutlicher Positionierung gegenüber der Ukraine warf Bundesaußenminister Johann Wadephul dem Land vor, mit der Blockade des wichtigen EU-Darlehens seine eigenen Ideale und Interessen zu opfern. «Ich glaube nicht, dass es richtig ist, wenn Ungarn seinen eigenen Kampf für die Freiheit, für die europäische Souveränität, verrät», sagte der CDU-Politiker in Brüssel. Er spielte damit darauf an, dass Ungarns rechtspopulistischer Ministerpräsident Viktor Orban sein Land gerne für den Volksaufstand gegen das kommunistische Regime im Jahr 1956 und die Rolle beim Fall der Sowjetunion feiert.