Erdogan inszeniert Trumps Teilnahme am Nato-Gipfel mit Pomp
Autor: Franziska Spiecker und Mirjam Schmitt, dpa
, Dienstag, 07. Juli 2026
Die Türkei als Gastgeberin des Nato-Gipfels ist umstritten. Ihr Staatschef Erdogan bereitet US-Präsident Trump einen glänzenden Empfang. Für Kritiker sind die Aussichten dagegen düster.
Kanonenschüsse, eine Reiterstaffel und Kampfjets, die über den Präsidialpalast donnern und die Farben der US-Flagge in die Luft malen: Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan bereitet US-Präsident Donald Trump beim Nato-Gipfel in Ankara einen pompösen Empfang. Und nur ihm: Für die anderen Gipfelgäste ist eine solche Begrüßung nicht vorgesehen.
Erdogan lässt damit keinen Zweifel daran, wie wichtig ihm dieser Gast ist. Die Begrüßung wirkt herzlich, Trump legt Erdogan freundschaftlich die Hand auf die Schulter. Der Besuch des US-Präsidenten verleihe der Türkei zusätzliche Stärke, sagt Erdogan später, bevor sich die beiden Staatschefs zum Zweiergespräch zurückziehen.
Nur wegen Erdogan beim Gipfel?
Der Schauplatz des Gipfeltreffens auf dem Gelände des prunkvollen Präsidentenpalastes in Ankara und der spektakuläre Empfang könnten ganz nach Trumps Geschmack sein. Der betonte ebenfalls die engen Beziehungen: «Wir sind gute Freunde», sagt er und lobt das Gastgeberland einmal mehr für dessen Loyalität, die es von anderen Verbündeten der USA unterscheide. Schon im Vorfeld des Gipfels hatte Trump suggeriert, er würde nur wegen Erdogan zum Nato-Treffen in der Türkei kommen.
Diese Aussage wirft nicht nur ein Licht auf das belastete Verhältnis des US-Präsidenten zu anderen europäischen Nato-Partnern. Sie liefert dem wegen seines restriktiven Vorgehens gegen die Opposition kritisierten türkischen Staatschef Erdogan auch schon jetzt einen Prestigeerfolg.
Hübsche Fassaden und Demonstrationsverbot
Der Gastgeber hatte sich schon im Vorfeld ins Zeug, damit die Bilder stimmen. Er hat die Hauptstadt verschönern lassen, Fassaden wurden gestrichen - und sichergestellt, dass keine Kritiker das harmonische Bild stören. In Ankara gilt ein umfassendes Demonstrationsverbot. Dennoch protestieren einige Menschen gegen den Nato-Gipfel - die Polizei griff hart durch und nahm Medienberichten zufolge mehr als 70 Menschen fest.
Dass Widerspruch in Erdogans Türkei nicht geduldet wird, haben bereits die Schlagzeilen der vergangenen Tage gezeigt. Zahlreiche Menschen wurden verhaftet, darunter Gewerkschaftler und Aktivisten - und ein bekannter Stand-Up-Comedian. Außerdem erhielten zahlreiche türkische Journalisten, darunter viele oppositionelle Medienvertreter, keine Akkreditierung für den Gipfel.
Erdogan-Rivale in Haft
Das alles reiht sich ein in das harte Vorgehen gegen die Opposition, das seit der Verhaftung des profiliertesten Erdogan-Rivalen Ekrem Imamoglu vor mehr als einem Jahr einen neuen Höhepunkt erreicht hatte. Gegen Imamoglu laufen mehrere Verfahren, die die Opposition als politisch motiviert kritisiert.