Attacke ohne Beweise - doch Moskau droht mit harter Reaktion
Autor: Friedemann Kohler, dpa
, Dienstag, 30. Dezember 2025
Hat die Ukraine eine Residenz von Kremlchef Putin angegriffen? Hat Selenskyj das zu Weihnachten angedroht? Neue russische Vorwürfe sollen einen mächtigen Mann beeinflussen.
Der Kreml verbreitet mit Hochdruck die Geschichte von einem ukrainischen Drohnenangriff auf eine Residenz von Staatschef Wladimir Putin und droht mit einer härteren Haltung in Friedensgesprächen. Auf Gehör stießen die Moskauer Vorwürfe vor allem bei US-Präsident Donald Trump. «Das ist nicht gut», sagte Trump. Er bestätigte, dass Putin ihn am Telefon informiert habe. Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj wies die Anschuldigungen zurück. Moskau suche einen Vorwand, um den Krieg fortzusetzen und erneut Regierungsgebäude in Kiew anzugreifen.
Der ukrainische Außenminister Andrij Sybiha schrieb im Netzwerk X, Russland habe seit Montag keine Belege für den angeblichen Angriff vorgelegt. «Denn es gibt sie nicht. Es gab keinen solchen Angriff», erklärte der Minister. Er kritisierte, dass Staaten wie Indien, Pakistan oder die Vereinigten Arabischen Emirate sich wegen der angeblichen Attacke besorgt gezeigt hätten. Putin ließ sich nach Kreml-Angaben auch von seinen Kollegen aus Kasachstan, Usbekistan und Turkmenistan Solidarität zusichern.
Kreml spricht von Terror der Ukraine
Kremlsprecher Dmitri Peskow trieb am Dienstag die Vorwürfe weiter voran und sprach von Terror. «Das ist ein terroristischer Akt, der auf einen Abbruch des Gesprächsprozesses zielt», sagte er der staatlichen Nachrichtenagentur Tass zufolge. Der Angriff richte sich nicht nur gegen Putin, sondern auch gegen Trumps Friedensbemühungen.
Der Kreml macht sich bei seiner Argumentation zunutze, dass die Ukraine in ihrem Abwehrkampf gegen den russischen Angriffskrieg täglich Ziele in dem Land angreift. Es gibt schwere Schäden, Tote und Verletzte. Auch bei Bombenattentaten des ukrainischen Geheimdienstes in Russland wurden schon Generäle und Propagandisten getötet. Zudem lässt sich Selenskyj gern vor einem Gemälde in seinem Amtssitz fotografieren, das einen Kreml in Flammen zeigt.
Wie zuvor Putins außenpolitischer Berater Juri Uschakow drohte auch Peskow damit, dass Russland nun eine härtere Haltung bei den laufenden Gesprächen über ein Kriegsende einnehmen werde. Es sei aber nicht zielführend, Details dazu zu nennen. Der Kremlsprecher verneinte, dass Moskau ganz aus dem Prozess aussteigen wolle. «Russland wird natürlich den Gesprächsprozess fortsetzen und den Dialog, vor allem mit den Amerikanern», sagte er.
Hinweise auf Abwehr eines Drohnenangriffs fehlen
Der angebliche Angriff hatte nach russischen Angaben eine Residenz Putins im Waldai zum Ziel. Das ist eine waldige Hügelkette zwischen Moskau und St. Petersburg im Verwaltungsgebiet Nowgorod. Der russische Staatschef hat in seinem Riesenreich mehrere Residenzen, aber speziell im Waldai soll er sich nach inoffiziellen Berichten mit seiner Familie treffen. Nach Medienrecherchen ist die Flugabwehr um das große Anwesen im Sommer verstärkt worden.
Aus bisherigen Mitteilungen des russischen Militärs ließ sich der Angriff nicht genau herauslesen. Das Verteidigungsministerium in Moskau sprach am Montagmorgen erst von 89 ukrainischen Drohnen, die über verschiedenen Regionen abgefangen worden seien - davon 18 über dem Gebiet Nowgorod. Später wurde der Abschuss von 23 weiteren Drohnen über dem Gebiet ergänzt.