Trumps Nato-Drohungen: Können die USA einfach Goodbye sagen?
Autor: Ansgar Haase, dpa
, Freitag, 03. April 2026
Frustriert über ausbleibende Unterstützung Alliierter für seinen Iran-Krieg stellt Donald Trump die US-Mitgliedschaft in der Nato infrage. Nun wird diskutiert, wird ernst er es meint.
Führt Donald Trump die USA aus Verärgerung über mangelnde Unterstützung für seinen Iran-Krieg aus der Nato? Jüngste Äußerungen des US-Präsidenten lassen in Europa die Alarmglocken schrillen und könnten einen für die nächste Woche geplanten Washington-Besuch von Nato-Generalsekretär Mark Rutte zu einer Krisenmission machen. Für das Bündnis steht viel auf dem Spiel - auch wenn es einige Dinge gibt, die gegen ganz große Panik sprechen. Ein Überblick in Fragen und Antworten:
Warum gibt es Sorgen?
Grund sind Äußerungen Trumps aus den vergangenen Wochen und Tagen. So sagte der Republikaner der «Financial Times», die Nato werde vor einer düsteren Zukunft stehen, sollten die Partner der USA nicht bei der Sicherung von Öltransporten in der wichtigen Straße von Hormus helfen. Sollte es «keine Reaktion geben oder sollte die Reaktion negativ ausfallen, wird dies, denke ich, sehr schlecht für die Zukunft der Nato sein», wurde Trump zitiert. Dem «Telegraph» sagte er, es stehe kaum noch zur Debatte, dass die Mitgliedschaft der USA nach dem Ende des Krieges überdacht werden müsse. Die Nato sei ein «Papiertiger».
Kann Donald Trump die USA überhaupt aus der Nato führen?
Theoretisch wäre das möglich. Das Verfahren für einen Austritt aus dem Verteidigungsbündnis ist in Artikel 13 des Gründungsvertrags geregelt. Dort heißt es: «Nach zwanzigjähriger Geltungsdauer des Vertrags kann jede Partei aus dem Vertrag ausscheiden, und zwar ein Jahr, nachdem sie der Regierung der Vereinigten Staaten von Amerika die Kündigung mitgeteilt hat; diese unterrichtet die Regierungen der anderen Parteien von der Hinterlegung jeder Kündigungsmitteilung.»
Dass die Regierung der Vereinigten Staaten sich die Kündigung selbst mitteilen müsste, hat damit zu tun, dass die USA als sogenannter Depositarstaat für die Entgegennahme aller Dokumente zum Nordatlantikvertrag zuständig sind. Diese Aufgabe müsste nach dem Nato-Austritt der USA ein anderer Staat übernehmen.
Kann Trump alleine über den Nato-Austritt der USA entscheiden?
Aus Sicht des Parlaments nicht. Der Kongress beschloss Ende 2023 ein Gesetz, das es US-Präsidenten verbieten soll, eigenmächtig einen Rückzug aus der Nato anzuordnen. Demnach müssten zwei Drittel der Mitglieder des Senats im US-Parlament zustimmen. Oder es bräuchte ein Bundesgesetz. Letzteres würde neben der Mitwirkung des Senats auch noch die des Repräsentantenhauses erfordern. Die Hürden wurden als Reaktion auf Trumps frühere Austrittsdrohungen eingeführt - unter anderem auf Initiative von Trumps Parteifreund und derzeitigem Außenminister Marco Rubio hin.
Ob Trump sich an das Gesetz gebunden fühlt, ist allerdings eine andere Frage. So könnte er nach Einschätzung der Rechtsexpertin Ilaria Di Gioia von der Universität Birmingham versuchen, sich auf die präsidialen Befugnisse in der Außenpolitik zu berufen. Diesen Ansatz habe er bereits zuvor verfolgt, um den Kongress beim Rückzug aus Verträgen zu umgehen, sagte sie dem «Time»-Magazin. Eine andere Option wäre es, anzukündigen, der Nato künftig keine US-Streitkräfte mehr zur Verfügung zu stellen. Das hätte militärisch ähnliche Konsequenzen wie ein Austritt.
Wäre Trump im Parlament eine ausreichend große Mehrheit sicher?
Das Gegenteil ist der Fall. Trumps Republikaner haben zwar in beiden Parlamentskammern eine knappe Mehrheit, allerdings gilt es als äußerst fraglich, ob sie den Präsidenten bei diesem Thema unterstützen würden. In den Reihen der Republikaner gibt es viele Anhänger der Nato.