Trump brüskiert Nato-Partner mit Äußerungen zu Afghanistan
Autor: Martina Herzog, Christoph Meyer und Jan Mies, dpa
, Sonntag, 25. Januar 2026
Für seine neueste Provokation erntet US-Präsident Donald Trump harsche Reaktionen. Zumindest mit Blick auf ein betroffenes Land ist er nun zurückgerudert.
US-Präsident Donald Trump hat mit abfälligen Kommentaren über den Einsatz der Nato-Partner in Afghanistan die Risse im transatlantischen Bündnis vertieft - und sich danach um Schadensbegrenzung bemüht. Zumindest das britische Militär lobt er nun in den höchsten Tönen.
Nur für die USA wurde die Nato-Beistandsklausel aktiviert
«Die GROSSARTIGEN und sehr MUTIGEN Soldaten des Vereinigten Königreichs werden immer an der Seite der Vereinigten Staaten von Amerika stehen!», schrieb er auf seiner Plattform Truth Social. In Afghanistan seien 457 von ihnen gefallen und viele schwer verwundet worden, «sie gehörten zu den großartigsten Kämpfern».
Trump hatte zuvor in einem Interview mit dem Sender Fox News behauptet, dass die USA die Nato nie gebraucht hätten. Mehrere andere Nato-Staaten hätten zwar Truppen nach Afghanistan geschickt, diese seien jedoch «ein wenig» zurück geblieben, «etwas abseits der Frontlinien».
Nach den islamistischen Terroranschlägen am 11. September 2001 hatten die USA Artikel Fünf des Nato-Vertrags aktiviert, um Beistand ihrer Verbündeten zu bekommen. Dies führte dazu, dass Deutschland und andere Nato-Staaten wie Großbritannien sich am Krieg gegen die Taliban und die Terrororganisation Al-Kaida beteiligten. Es war das erste und einzige Mal in der Nato-Geschichte, dass ein solcher Bündnisfall ausgerufen wurde.
Empörung beim Premier und Prinz Harry
Nicht nur aus Großbritannien war als Reaktion auf Trumps ursprüngliche Äußerungen Protest gekommen. Premierminister Keir Starmer kritisierte die Äußerungen als «beleidigend» und «entsetzlich». Es sei nicht überraschend, «dass sie den Angehörigen der Getöteten und Verletzten und tatsächlich im ganzen Land so viel Schmerz bereitet haben», sagte Starmer. Wenn er selbst sich derart falsch ausgedrückt hätte, würde er sich entschuldigen.
Prinz Harry, selbst Afghanistan-Veteran, verlangte Respekt für die Opfer der amerikanischen Nato-Verbündeten in Afghanistan. «Ich habe dort gedient, ich habe Freunde fürs Leben gemacht. Und ich habe Freunde verloren», sagte Harry, der in den USA lebt. «Das Vereinigte Königreich allein hat 457 Militärangehörige verloren.» Tausende Leben seien für immer verändert worden, Eltern hätten ihre Kinder begraben müssen und Kinder ihre Eltern verloren.
Pistorius betont: Deutsche in Afghanistan verwundet und gestorben
Auch Vertreter anderer beteiligter Länder reagierten kühl bis empört. Die deutschen Soldatinnen und Soldaten hätten «ihren Auftrag unter höchsten Gefahren für Leib und Leben und unter extremen Bedingungen erfüllt», sagte Verteidigungsminister Boris Pistorius (SPD) der «Bild». «Für diesen Mut und den hochprofessionellen Einsatz ist Deutschland unserer Bundeswehr sehr dankbar.»