Doch keine Zölle: Trump und «das große, schöne Stück Eis»
Autor: Khang Mischke, Anna Ringle, Benedikt von Imhoff, Theresa Münch und Franziska Spiecker, dpa
, Mittwoch, 21. Januar 2026
US-Präsident Trump will Grönland den Vereinigten Staaten einverleiben. Daran lässt er in Davos keinen Zweifel. Dann kommt eine überraschende Wendung.
Erst hält Donald Trump eine Rede voller Feindseligkeiten gegenüber Europa - dann scheint es plötzlich eine Annäherung im Grönland-Konflikt zu geben. Auf dem Weltwirtschaftsforum in Davos überschlagen sich am Abend die Ereignisse zu Trumps Ansinnen, Grönland den USA einzuverleiben.
Der US-Präsident will seine Zollandrohung gegen Deutschland und andere europäische Länder zum 1. Februar in Höhe von 10 Prozent auf Warenimporte in die USA nun doch nicht wahr machen. Der Grund: Es gab ein Treffen mit Nato-Generalsekretär Mark Rutte. Was genau besprochen wurde, ist kurz danach ziemlich unklar. Trump verkündet auf seinem Sprachrohr Truth Social lediglich, es sei ein Rahmen für eine zukünftige Vereinbarung über Grönland und die gesamte Arktisregion entstanden - daher sollen doch keine Zusatzzölle kommen. Rutte bestätigte Trumps Angaben zu einem Rahmen für ein mögliches Grönland-Abkommen.
Nur wenige Stunden zuvor hatte das EU-Parlament im Gegenzug zu Trumps Zollandrohung die Ratifizierung des Handelsdeals mit den USA gestoppt.
Damit hatte Trump gedroht
Es ist nicht einmal eine Woche her, dass der US-Präsident in einem beispiellosen Schritt unter Verweis auf den Grönland-Konflikt die Zölle ausgesprochen hatte - es sollten acht Nato-Länder damit bestraft werden, die Widerstand gegen Trumps Besitzansprüche auf die Arktisinsel geäußert haben. Darunter ist Deutschland. Nach den ersten 10 Prozent sollten die Zölle zum 1. Juni auf 25 Prozent steigen - auf alle Waren, die in die USA gesendet werden. Aktuell gilt seit Sommer für die meisten EU-Exporte nach Amerika ein Zollsatz von 15 Prozent.
Was haben Trump und Rutte vereinbart?
Konkrete Details dazu, wie der Rahmen für eine zukünftige Vereinbarung aussehen soll, ließ Trump zunächst offen. Auf die Frage, ob es um einen Deal zum Besitz Grönlands gehe, sagte Trump dem US-Sender CNBC nur, es sei «etwas komplex». Er betonte allerdings, die Vereinbarung wäre «für immer». Dabei gehe es unter anderem um Sicherheitsfragen.
«Der Tag endet besser, als er begonnen hat», sagte der dänische Außenminister Lars Løkke Rasmussen dem dänischen Rundfunk. «Zwei Dinge nehme ich aus Davos mit: Dass Trump sagt, dass er Grönland nicht angreift (...) und dass der Zoll-Krieg auf Standby ist. Das ist positiv.»
Angaben aus informierten Kreisen in Davos deuteten darauf hin, dass es bei der Übereinkunft zwischen Trump und Rutte nicht um den Besitz der ganzen Insel zu gehen scheint. Demnach soll ein zwischen den USA und Dänemark 1951 geschlossenes Verteidigungsabkommen für Grönland neu ausgearbeitet werden. Zudem soll es um das Thema Investitionskontrolle gehen - die Amerikaner wollen mit entscheiden, wer auf Grönland investiert und zum Beispiel Rohstoffe abbaut. Teil der Übereinkunft soll den Angaben nach auch ein stärkeres Engagement der europäischen Nato-Staaten im arktischen Raum sein.