Tödliche Schüsse: US-Stadt zweifelt an fairen Ermittlungen
Autor: Johanna Hänsel, Franziska Spiecker und Anna Ringle, dpa
, Donnerstag, 08. Januar 2026
Bei einem Einsatz der US-Einwanderungsbehörde ICE in Minneapolis fallen Schüsse, eine Frau stirbt. Die Regierung spricht von Selbstverteidigung. Lokale Behörden widersprechen.
Nach den tödlichen Schüssen auf eine Frau durch einen Beamten der US-Einwanderungsbehörde ICE in Minneapolis ist die Stimmung angespannt. Hunderte Menschen protestierten am Donnerstag nach dem Tod der 37-Jährigen in der Großstadt im Bundesstaat Minnesota im Norden der USA und forderten den Abzug von ICE. Aber auch in vielen anderen Städten und US-Bundesstaaten kam es zu Protesten und Kundgebungen.
Die US-Regierung von Präsident Donald Trump spricht bei dem Vorfall von gerechtfertigter Notwehr. Lokale Behörden äußerten jedoch Zweifel an dieser Darstellung.
Trump verschärft in seiner zweiten Amtszeit, die bald ein Jahr andauert, seine Abschiebepolitik. ICE-Razzien gegen Migranten führen regelmäßig in vielen demokratisch regierten Städten zu Protesten.
Das ist bislang über den Vorfall bekannt
Nach Angaben der Polizei befand sich die 37-Jährige am Mittwoch in ihrem Auto und blockierte eine Straße in Minneapolis, als sich ein ICE-Beamter zu Fuß näherte. Der Wagen setzte sich demnach in Bewegung, woraufhin mindestens zwei Schüsse fielen. Die Frau habe eine Kopfverletzung erlitten und sei im Krankenhaus für tot erklärt worden. Ermittlungen zu dem Vorfall laufen.
Die 37-jährige weiße US-Staatsbürgerin war laut «Washington Post» eine preisgekrönte Dichterin und Mutter dreier Kindern im Alter von 6, 12 und 15 Jahren. Laut Polizei soll sie nicht im Fokus der Behörden gestanden haben.
Das Heimatschutzministerium sprach von einem «defensiven» Schusswaffeneinsatz zum Schutz der Beamten und Unbeteiligter. Die Frau habe versucht, einen ICE-Beamten zu überfahren, hieß bereits direkt nach dem Vorfall von Heimatschutzministerin Kristi Noem.
Trump schrieb auf seiner Onlineplattform Truth Social, die Frau habe mit ihrem Fahrzeug einen ICE-Beamten «gewaltsam und vorsätzlich» angegriffen. Der Beamte habe in einer lebensbedrohlichen Situation gehandelt und befinde sich inzwischen zur Erholung im Krankenhaus. Zugleich machte er eine «radikale linke Gewalt- und Hass-Bewegung» für die Eskalation verantwortlich, die Sicherheitskräfte und ICE-Beamte täglich bedrohe und angreife.