Druckartikel: Sturzflut in Nepal: Zahl der Toten steigt - Deutsche aus Pilgergruppe vermisst

Sturzflut in Nepal: Zahl der Toten steigt - Deutsche aus Pilgergruppe vermisst


Autor: Alexander Milesevic, Agentur dpa

Kathmandu, Mittwoch, 26. August 2026

Eine Sturzflut zwischen Nepal und Tibet reißt Menschen in den Tod. Die Zahl der Opfer steigt immer weiter. Das Schicksal von vier Deutschen in einer Pilgergruppe ist unklar.
Einsatzkräfte suchen in den Schlammassen nach Überlebenden. Mit allen Mitteln werden die Menschen in Sicherheit gebracht.


Update 28.08.2026: Drohende neue Sturzflut - Rettungsarbeiten müssen unterbrochen werden

Die Zahl der Toten nach der Flutkatastrophe in Nepal ist auf mindestens 469 gestiegen. Wie die nepalesische Polizei mitteilte, wurden 1545 Menschen gerettet, darunter viele Verletzte. Damit liegt die Gesamtzahl der bestätigten Todesopfer in China und Nepal bei 472, nachdem die Volksrepublik bislang drei Leichenfunde vermeldet hatte. Rund 1400 Menschen gelten weiterhin als vermisst.

Die Helfer im Katastrophengebiet zwischen Nepal und China wollten mit Hochdruck nach Vermissten suchen. Doch dann geschieht das, wovor die Behörden bereits gewarnt hatten. "Wir haben Informationen erhalten, dass auf der tibetischen Seite ein Damm gebrochen ist", teilte die nepalesische Polizei mit. 

Neu entstandener See droht weitere Sturzflut auszulösen

Das Sicherheitspersonal, Rettungskräfte und die Bevölkerung in der betroffenen Gegend seien gebeten worden, wachsam zu bleiben und sich unverzüglich an einen sicheren Ort zu begeben, hieß es weiter. Laut Berichten unter Berufung auf die Armee stellten die nepalesischen Rettungskräfte vorübergehend die Arbeit ein. Auch die chinesischen Rettungskräfte hatten in Tibet ihre Such- und Bergungsarbeiten am schwer verwüsteten Grenzposten Gyirong aus Sicherheitsgründen zuvor schon unterbrochen.

Der neu entstandene See hatte bereits am Donnerstag für Bedenken seitens der chinesischen Behörden gesorgt, weil sich darin bereits zwei Millionen Kubikmeter Wasser gesammelt hatten und weiteres Wasser eindrang. Er drohte deshalb, überzulaufen und eine neue Sturzflut auszulösen.

Ob es zu Schäden oder weiteren Verletzten und Toten kam, war zunächst unklar. Das chinesische Staatsfernsehen hatte zuvor berichtet, dass an einem See in der Region, der sich nach der Sturzflut am Mittwoch neu gebildet hatte, das Wasser "natürlich abgeflossen" und der Wasserstand deutlich gesunken sei. Die Gefahr nehme ab, hieß es weiter.

Vier von acht vermissten Deutschen gehören zu einer Pilgergruppe

Derweil gelten weiterhin hunderte Menschen in der Region als vermisst. Vier der acht im Grenzgebiet zwischen Nepal und Tibet vermissten Deutschen gehörten zu einer Gruppe von ausländischen Pilgern. Sie waren auf dem Rückweg von einer Pilgerreise zum heiligen Berg Kailash und zum Manasarovar-See in Tibet, als der Kontakt zu ihnen abriss, wie die nepalesische Reiseagentur Trekkers’ Society mitteilte. Von den insgesamt 77 Reisenden und den 15 nepalesischen Begleitern der Gruppe fehlt seit der verheerenden Sturzflut am Mittwoch jede Spur. 

Den Angaben zufolge sollte die Gruppe am Morgen des 26. August die Grenze nach Nepal überqueren. Zu dem Zeitpunkt raste eine Flut aus Wasser, Geröll und Eis durch die Region. Seitdem ist unklar, wo sich die Pilger befinden und ob sie die Katastrophe überlebt haben.

Bei den vier Deutschen handele es sich um zwei Männer und zwei Frauen, sagte Anish Bhujel, Manager der in Kathmandu ansässigen Trekkers’ Society. Begleitet wurde die Gruppe zudem von 15 nepalesischen Guides und Fahrern.

Seit der Sturzflut keine Informationen über die Pilger in Nepal

Laut Bhujel war die Gruppe am 16. August von der nepalesischen Hauptstadt Katmandu in Richtung Timure aufgebrochen. Der Ort, der Augenzeugen zufolge bei der Sturzflut fast völlig zerstört wurde, liegt nahe der Grenze zu China und ist ein wichtiger Ausgangspunkt für Reisen nach Tibet. Die Pilgerreise wurde von der Isha Foundation des indischen spirituellen Lehrers Jaggi Vasudev, weltweit bekannt als Sadhguru, organisiert.

Sadhguru sprach in einer Mitteilung auf der Plattform X von "absolutem Schmerz" über das Unglück und das Schicksal der Gruppe. Er betonte, es gebe seit der Flut keine Informationen zu den Pilgern mehr.

Der Ursprungsartikel vom 27. 08.2026: Hohe Zahl an Toten und Vermissten bei Sturzflut in Nepal

Eine heftige Sturzflut in der Grenzregion zwischen Nepal und China hat eine tiefe Spur der Verwüstung hinterlassen und mehr als 100 Menschen in beiden Ländern das Leben gekostet. Allein in Nepal kamen nach Angaben der Polizei mindestens 359 Menschen ums Leben. Nach neuen Behördenangaben stieg die Zahl der Vermissten in Nepal inzwischen auf 826. Zusammen mit den Vermissten in China sind damit mehr als 1300 Menschen weiterhin unauffindbar. Die Behörden gaben für die flussabwärts gelegenen Gebiete in dem Himalaya-Staat eine Katastrophenwarnung aus.

Nach Berichten der Zeitung The Kathmandu Post und anderer nepalesischer Medien verursachten die Wasser- und Schlammmassen starke Zerstörungen in Ortschaften und an Infrastruktur entlang des Bhotekoshi, der im Hochland von Tibet entspringt und die nepalesische Provinz Bagmati durchfließt.

Hunderte Tote bei Sturzflut in Nepal - Bilder zeigen Ausmaß der Zerstörung

Bilder des nepalesischen Fernsehens und Videos in den sozialen Medien zeigten, wie zahlreiche Häuser, Wasserkraftwerke und Straßen zerstört, Brücken weggespült und ganze Dörfer überflutet wurden.

Unklar war zunächst, was die Sturzflut ausgelöst hat. Es wurde nicht ausgeschlossen, dass ein sogenannter Gletscherseeausbruch die Ursache gewesen sein könnte. Dabei entleert sich plötzlich ein Gletschersee in Form von Flutwellen.

China meldete 3 Tote und 265 Vermisste. Das berichteten chinesische Staatsmedien unter Berufung auf eine erste Erhebung der Behörden vor Ort im Kreis Gyirong im Südwesten Tibets. Die genaue Zahl werde noch ermittelt, hieß es. Die Rettungsmaßnahmen liefen weiter, berichteten die Staatsmedien.

Auswärtiges Amt in Kontakt mit Behörden 

Nach aktualisierten Zahlen der nepalesischen Regierung stieg die Zahl der Vermissten in Nepal auf 826. Darunter waren nach früheren Angaben 391 ausländische Touristen, 93 nepalesische Reisende sowie 44 Angehörige der nepalesischen Armee und 31 Polizeibeamte. Die Fluten zerstörten 19 fahrbare Brücken und 40 Kilometer befahrbare Straße. Die nationale Tourismusorganisation Nepal Tourism Board hatte zuvor berichtet, der Großteil der vermissten Reisenden stamme aus dem Nachbarland Indien. Die Organisation berief sich dabei auf vorläufige Zahlen von Reise- und Trekkingagenturen, die Touren durch die betroffene Region organisieren.

Regierungschef Shah kündigte den Einsatz der Armee und weiterer Sicherheitskräfte für die Rettungsmaßnahmen an.

Das Auswärtige Amt erklärte auf Anfrage, dass die deutsche Botschaft in Kathmandu mit den lokalen Behörden in engem Kontakt stehe. „Zum jetzigen Zeitpunkt hat das Auswärtige Amt keine Kenntnis von deutschen Staatsangehörigen unter den Betroffenen“, hieß es aus Berlin weiter.

Chinas Staatschef Xi Jinping mit Aufforderung

China entsandte demnach zahlreiche Rettungskräfte mit schwerem Gerät in das Gebiet, rief eine erhöhte Katastrophenwarnstufe aus und stellte der Region Hilfsgelder zur Verfügung.

Die Schlammlawine habe die Straßen zu dem Grenzübergang sowie die Stromzufuhr und Kommunikationsverbindungen abgeschnitten, berichtete Chinas staatliche Nachrichtenagentur Xinhua. Videoaufnahmen in sozialen Medien und Fotos zeigten, wie die braunen Schlammmassen das Flusstal überspülten.

Chinas Staats- und Parteichef Xi Jinping forderte, die Vermissten mit allen Mitteln zu suchen und Menschen in der Region in Sicherheit zu bringen, wie Xinhua meldete. Zudem mahnte er demnach, das Frühwarnsystem zu stärken. Xi gibt solche Anweisungen in der Regel nur bei besonders schweren Unglücken. Zudem schickte er mit Zhang Guoqing einen ranghohen Kader der Kommunistischen Partei in die betroffene Region, um die Rettungsmaßnahmen zu überwachen.

Wie wir künstliche Intelligenz einsetzen