Israels Armee rückt im Süden Gazas vor
Autor: dpa
, Montag, 04. Dezember 2023
Israel rückt in den Süden des Gazastreifens vor. Hilfsorganisationen beschreiben die humanitäre Lage als desolat. Außenministerin Baerbock richtet einen Appell an Israel. Der Überblick.
Nach der Ausweitung des israelischen Militäreinsatzes auf den Süden des Gazastreifens wächst angesichts des Leids der Zivilbevölkerung die Kritik am Vorgehen der Armee. Bundesaußenministerin Annalena Baerbock ermahnte Israel, es gebe auch bei der Ausübung des Rechts auf Selbstverteidigung eine «Verantwortung, ziviles Leid zu lindern». Hilfsorganisationen beschreiben die Lage im Gazastreifen als desolat und sprechen von «Horror» und «unerträglichem Leid der Zivilbevölkerung». Auch im Norden geht der Einsatz gegen die islamistische Hamas weiter.
Kein sicherer Ort im Gazastreifen
Keiner fühle sich sicher, wenn alle zehn Minuten Bomben fallen würden, sagte der Sprecher des UN-Kinderhilfswerks Unicef, James Elder, der britischen BBC. Er bezeichnete die Lage als «Horror». «Wenn ich sehe, wie ein Kind nach dem anderen hereingerollt wird, wie Eltern mit schrecklichen Kriegsverletzungen auf Bahren schreien - dann sind sie weder in Krankenhäusern noch in Unterkünften sicher», sagte Elder. Für die Menschen im Süden des Gazastreifens komme neben der Gefahr vor Angriffen erschwerend hinzu, dass sie schon von der Flucht aus dem Norden erschöpft seien.
Rotes Kreuz: Keine angemessene humanitäre Hilfe möglich
Das israelische Militär wirft der islamistischen Hamas vor, Angriffe aus Wohngebieten und Krankenhäusern heraus zu verüben und Zivilisten als menschliche Schutzschilde zu missbrauchen.
Die Präsidentin des Internationalen Komitees vom Roten Kreuz (IKRK), Mirjana Spoljaric, beklagte, dass derzeit keine angemessene humanitäre Hilfe möglich sei. «Das Ausmaß des menschlichen Leids ist unerträglich», sagte sie bei einem Besuch in dem umkämpften Palästinensergebiet.
UNRWA: fast 1,9 Millionen Binnenflüchtlinge in Gaza
Hunderttausende Palästinenser waren aus dem umkämpften Norden in den Süden geflohen, wo es nun auch verstärkt Kämpfe am Boden geben dürfte. Nach Angaben des Palästinenserhilfswerkes UNRWA sind inzwischen fast 1,9 Millionen Menschen auf der Flucht. Dies seien mehr als 80 Prozent der Bevölkerung. Fast eine Million Binnenflüchtlinge würden sich in 99 Einrichtungen im Zentrum des Küstengebietes sowie in Chan Junis und Rafah im Süden aufhalten. Im Gazastreifen leben mehr als 2,2 Millionen Menschen - auf einer Fläche, die nur etwas größer als jene der Stadt München ist.
Auslöser des Kriegs war das schlimmste Massaker in der Geschichte Israels, das Terroristen der Hamas sowie anderer extremistischer Gruppen am 7. Oktober in Israel nahe der Grenze zum Gazastreifen verübt haben. Auf israelischer Seite sind mehr als 1200 Menschen getötet worden, darunter mindestens 850 Zivilisten.
Hamas: Zahl der Toten in Gaza steigt auf fast 15.900
Bei den israelischen Gegenangriffen sind nach Angaben des von der Hamas kontrollierten Gesundheitsministeriums inzwischen fast 15.900 Menschen getötet worden. Mehr als 42.000 Menschen wurden demnach verletzt. Die Opferzahlen lassen sich gegenwärtig nicht unabhängig überprüfen, die Vereinten Nationen und andere Beobachter weisen aber darauf hin, dass sich die Zahlen der Behörde in der Vergangenheit als insgesamt glaubwürdig herausgestellt hätten.