Schulproteste in Frankreich: Regierung weiter unter Druck
Autor: Michael Evers, dpa
, Mittwoch, 07. Oktober 2026
Nach den jüngsten Schulprotesten in Frankreich bleibt die Lage angespannt. Macron mahnt zu Mäßigung und fordert Einfühlungsvermögen bei Polizeieinsätzen. Doch die Sorge vor einer Ausweitung wächst.
Die Schulproteste in Frankreich gehen unvermindert weiter und heizen sieben Monate vor der Präsidentschaftswahl die Sorge vor breiteren Sozialprotesten im Land an. Nach den Großkundgebungen vom Dienstag kam es am Mittwoch ebenfalls zu einzelnen Blockadeaktionen an Gymnasien und Universitäten. Bildungsgewerkschaften riefen zu erneuten Demonstrationen am Donnerstag auf. Die Gymnasialgewerkschaft USL mobilisiert für eine Kundgebung in Paris um 15.00 Uhr auf dem Place de la Bastille.
Premierminister Sébastien Lecornu sicherte den protestierenden Schülern bessere Lernbedingungen zu, stellte aber keine zusätzlichen Finanzhilfen im Bildungsbereich in Aussicht. «In den acht Monaten, die uns noch bis zur Präsidentschaftswahl verbleiben, wird die Regierung pragmatisch handeln, um den Erwartungen der Gymnasiasten gerecht zu werden», sagte Lecornu am Abend in einer Ansprache.
Im Bildungsbereich seien im kommenden Haushalt Mehrausgaben von 1,2 Milliarden Euro vorgesehen, das Ressort sei damit eines der wenigen mit einem wachsenden Budget, sagte Lecornu. Die Bildungsgewerkschaften hatten zehn Milliarden Euro Zusatzausgaben verlangt. Angesichts der hohen Staatsverschuldung ringt die Regierung mit einem Sparhaushalt.
Alle Versuche der Mitte-Regierung von Lecornu, einem Vertrauten von Präsident Emmanuel Macron, die vor über einer Woche begonnenen Proteste der jungen Leute zu kanalisieren, hatten bislang keinen Erfolg. Am Sonntag hatte er die Minister angewiesen, konkrete Maßnahmen zur Verbesserung der Lage an den Schulen zu finden und den berechtigten Sorgen der Gymnasiasten Gehör zu geben. Am Dienstag erklärte er dann im Parlament, von Mittwoch bis Freitag solle an den Schulen über die Probleme diskutiert und nicht unterrichtet werden. Statt in die Klassen zurückzukehren, zog es etliche Schüler aber erneut zu Protesten vor die Gebäude. 528 Schulen blieben vorsorglich komplett oder teilweise geschlossen.
Bisher keine Zusagen der Regierung
Die Forderungen der Schüler sind eigentlich simpel und verständlich: Sie wollen eine bessere Ausstattung der Schulen, mehr Lehrkräfte und bessere Lernbedingungen. Konkret geht es um fehlende Vertretungslehrer, heruntergekommene Schulen mit kaputten Fenstern und herabfallenden Decken und viel zu vollgestopfte Stundenpläne. Besonders in benachteiligten Stadtteilen fühlen sich die jungen Leute als Menschen zweiter Klasse und mit ihren Sorgen nicht ernst genommen.
Die Opposition wirft der Regierung Versagen vor und unterstützt vielfach die Forderungen der jungen Leute, insbesondere aber werden die Schülerproteste politisch instrumentalisiert. Die Regierung und das rechte Lager warfen zunächst der französischen Linkspartei La France Insoumise und ihrem Anführer Jean-Luc Mélenchon vor, die teils gewalttätigen Proteste gezielt anzufachen, um im Anlauf zur Präsidentschaftswahl Chaos im Land zu säen. Die linken Parteien wiederum bezichtigten die Regierung, die Proteste mit einem repressiven Einsatz der Polizei ersticken zu wollen.
Der bisherige Höhepunkt der Proteste waren am Dienstag landesweite Demonstrationszüge. Daran beteiligten sich in Paris und anderen Großstädten nach Angaben des Innenministeriums 266.000 Menschen. Die Bildungsgewerkschaften sprachen von 450.000 Teilnehmern.