Scharfes Schießen: Luftverteidigung nimmt «Meilensteine»
Autor: Carsten Hoffmann, dpa
, Mittwoch, 14. Oktober 2026
Die Lage der Ukraine zeigt, wie wichtig die Fähigkeit zur Verteidigung gegen Angriffe mit Raketen und Drohnen ist. Auf Kreta wird deutlich, wie die deutsche Luftverteidigung aussieht.
Verteidigungsminister Boris Pistorius sieht den gemeinsamen Ausbau der Nato-Luftverteidigung als zentralen Schritt zur Stärkung der Verteidigungsbereitschaft. Die Notwendigkeit dazu zeige der Krieg Russlands gegen die Ukraine, sagte der SPD-Politiker beim Besuch der Militärübung Spartan Arrow 2026 auf Kreta, wo deutsche und schwedische Soldaten die Flugabwehr im scharfen Schuss übten.
«Eine wirksame Luftabwehr ist unerlässlich für den Schutz unserer Streitkräfte, unserer kritischen Infrastruktur – und natürlich auch der Zivilbevölkerung», sagte Pistorius. Der Verlauf des Krieges in der Ukraine zeige, dass die Luftverteidigung unverzichtbar sei für Kampfkraft, die Aufrechterhaltung eigener Militäroperationen und letztendlich für die eigene Durchsetzungsfähigkeit.
Scharfer Schuss auf Drohnen und Raketen
Deutsche und schwedische Soldaten trainierten auf dem griechischen Nato-Raketenschießplatz NAMFI («Nato Missile Firing Installation») den Einsatz ihrer bodengebundenen Luftverteidigungssysteme. Das Militär sprach von realitätsnahen Bedingungen. Dabei werden Luftziele wie Drohnen und ballistische Raketen bekämpft. Die Übung begann 60 Tage vorher mit einer Alarmierung in Deutschland und der Verlegung.
Ein scharfer Schuss mit den teuren Lenkflugkörpern ist ein seltenes Ereignis. Militärisch sind sie ein knappes Gut, zudem sind dafür Beschränkungen im Luftraum und im Seegebiet nötig. Der Raketenschießplatz ist die einzige Einrichtung dieser Art im europäischen Nato-Gebiet.
Die Bundeswehrsoldaten feuerten dort heute auch erstmals mit ihrem neuen Waffensystem Iris-T SLM, das sich in der Ukraine bewährt hat. Es wurde vom deutschen Rüstungsunternehmen Diehl Defence entwickelt.
Wie «Pfeil mit einem Pfeil abschießen»
Luftwaffeninspekteur Holger Neumann betonte auf Kreta die technische Herausforderung. «Um einen Vergleich zu bemühen: Eine taktische ballistische Rakete abzufangen, ist so, als würden Sie einen Pfeil mit einem Pfeil abschießen wollen», sagte der Generalleutnant.
«Unsere neuen Systeme haben eine Hit-to-Kill-Fähigkeit. Das bedeutet, sie haben keinen Annäherungszünder und explodieren in der Nähe des gegnerischen Flugkörpers, sondern sie treffen genau den Gefechtskopf der Rakete: Hit-to-Kill. Das ist schon Hightech», so der Luftwaffenchef weiter. Auf Deutsch bedeutet das ungefähr «Treffer zum Abschuss».