Empörungswelle nach Schröders Besuch zu Putins Geburtstag
Autor: dpa
, Freitag, 09. Oktober 2026
Der Altkanzler feiert in Moskau den Geburtstag des Kremlchefs, der vom Strafgerichtshof in Den Haag mit Haftbefehl gesucht wird. Die Visite sorgt für Ärger, doch es gibt auch Fürsprecher.
Der Besuch von Altkanzler Gerhard Schröder beim russischen Präsidenten Wladimir Putin zu dessen Geburtstag sorgt quer durch die Parteien für Entrüstung. Kanzler Friedrich Merz (CDU) reagierte «zutiefst empört», wie der stellvertretende Regierungssprecher Steffen Meyer sagte. Putins Befehle im Angriffskrieg gegen die Ukraine sorgten jeden Tag «für unermessliches Leid, für zivile Opfer, für Familien, die auseinandergerissen werden, für Tote und Verwundete». Auch SPD-Chef Lars Klingbeil kritisierte den Auftritt Schröders in Moskau als «völlig inakzeptabel».
Kreml: «Präsident lud seinen alten Freund ein»
Schröder hatte bei Putin am Mittwoch dessen 74. Geburtstag gefeiert, wie der Kreml berichtete. «Der Präsident lud seinen alten Freund zu sich nach Hause ein.» Gezeigt wurden auch Fotos, auf denen die beiden lächelnd ihre Hände fest umeinander verschließen.
Schröder war von 1998 bis 2005 Bundeskanzler. Der 82-Jährige ist mit Putin eng befreundet und steht unter anderem wegen dieser engen Verbindung und seines geschäftlichen Engagements für russische Energieunternehmen seit Jahren in der Kritik.
Ukraines Botschafter nennt Treffen «widerlich»
Auch seit Beginn des russischen Angriffskriegs gegen die Ukraine hat sich Schröder wiederholt mit Putin getroffen, gegen den seit 2023 ein Haftbefehl des Internationalen Strafgerichtshofs in Den Haag wegen mutmaßlicher Kriegsverbrechen vorliegt. Der ukrainische Botschafter in Deutschland, Oleksii Makeiev, sagte dem «Tagesspiegel» (Samstag): «Es ist widerlich, dass ein Altkanzler den Kriegsverbrecher so herzlich umarmt.»
Auch SPD-Chef Klingbeil reagiert mit Unverständnis und sagte der «Süddeutschen Zeitung»: «Russland führt einen brutalen Angriffskrieg gegen die Ukraine und hat unermessliches Leid über die Menschen dort gebracht.»
Die stellvertretende SPD-Fraktionsvorsitzende Siemtje Möller reagierte verärgert: «Es macht mich fassungslos, dass Altbundeskanzler Gerhard Schröder fröhlich mit Kriegsverbrecher Wladimir Putin die Sektkorken knallen lässt, während Russland die Ukraine zeitgleich und unerbittlich mit Angriffen überzieht», sagte sie der «Funke»-Mediengruppe.
Stegner: Schröder kann Türen zu Putin öffnen
Der SPD-Außenpolitiker Ralf Stegner sagte hingegen dem «Tagesspiegel», man müsse «in Russland mit denen reden, die da sind. Schröder kann Türen zu Putin öffnen.» Stegner fügte hinzu: «Wenn Schröders Besuch dem Frieden nur einen Millimeter gedient hat, war dieser Besuch ein Erfolg.» Der Altkanzler sei einer der wenigen Menschen, die Zugang zu Putin hätten, und den müsse man nutzen, sagte der Bundestagsabgeordnete. «Gerhard Schröder ist gegen den Krieg. Er wird Putin bestimmt nicht ermuntert haben: "Mach weiter mit dem Krieg!'», sagte Stegner weiter.