Sanktionen gegen Strafgerichtshof – heikle Mission für Hubig
Autor: Anne-Beatrice Clasmann, dpa
, Freitag, 06. Februar 2026
Nach US-Sanktionen bekräftigt Justizministerin Hubig die Einhaltung völkerrechtlicher Verpflichtungen. Von einer heiklen Einladung ist nicht mehr die Rede. Dafür von Software made in Germany.
Die beiden wichtigsten internationalen Gerichte in Den Haag – der Internationale Strafgerichtshof (IStGH) und der Internationale Gerichtshof (IGH) – stehen aktuell unter starkem politischem Druck. Das sieht auch die Bundesregierung als Problem an, was Justizministerin Stefanie Hubig (SPD) bei einem Besuch der beiden Institutionen verdeutlicht. Deutschland, das sich selbst gerne als kompromisslose Verfechterin des Völkerrechts präsentiert, hatte zuletzt auch kritische Fragen zu seiner eigenen Standfestigkeit in geopolitisch stürmischen Zeiten beantworten müssen.
Vielleicht deshalb betont Hubig in Den Haag mehrfach, Deutschland stehe auch in schwierigen Zeiten zum Völkerrecht und den sich daraus ergebenden Verpflichtungen. «Wir sehen natürlich, dass das Völkerrecht unter Druck steht», sagt die SPD-Politikerin.
Sanktionen gegen Richter und Ankläger
Zweifel an dieser Haltung hatten Äußerungen von CDU-Chef Friedrich Merz zum Haftbefehl des IStGH gegen den israelischen Ministerpräsidenten, Benjamin Netanjahu, ausgelöst. Auch hat Berlin nach Ansicht mancher Beobachter nicht stark genug gegen Sanktionen protestiert, die von der US-Regierung gegen acht Richter und drei Mitarbeiter der Anklagebehörde des IStGH verhängt wurden.
Der Internationale Strafgerichtshof verfolgt Einzelpersonen für Völkermord, Verbrechen gegen die Menschlichkeit und Kriegsverbrechen, wenn der Staat des Tatorts oder des Täters nicht willens oder fähig ist, zu ermitteln.
Haftbefehl gegen Netanjahu
Gegen Netanjahu und den früheren israelischen Verteidigungsminister Joav Galant waren vom Chefankläger des IStGH 2024 wegen mutmaßlicher Verbrechen im Gaza-Krieg Haftbefehle erlassen worden. Auch gegen den später getöteten Hamas-Militärchef Mohammed Deif der an der Planung des terroristischen Überfalls in Israel am 7. Oktober 2023 beteiligt gewesen sein soll, hatte die Anklagebehörde einen Haftbefehl ausgestellt.
Merz hatte vor seiner Wahl zum Kanzler gesagt, er wolle Mittel und Wege finden, um Netanjahu im Falle eines geplanten Deutschlandbesuchs eine Ein- und Ausreise ohne Festnahme zu ermöglichen. Trump verhängte im Februar 2025 Sanktionen gegen Chefankläger Karim Khan, dem er «illegale Aktionen gegen Amerika und unseren Verbündeten Israel» vorwarf.
Keine Kreditkarte und kein Zugang zum E-Mail-Account mehr
Die Sanktionen, die später weitere IStGH-Mitarbeiter und ihre Familien umfassten, behinderten das Gericht vorübergehend, unter anderem weil E-Mail- und Bankzugänge blockiert wurden. Der Strafgerichtshof entschied sich, auf alternative IT-Lösungen wie Open Desk zu setzen.