Russland feuert ballistische Rakete auf Ukraine
Autor: dpa
, Freitag, 09. Januar 2026
Präsident Selenskyj hatte einen besonders schweren Luftangriff erwartet. Die Einschläge lagen gefährlich dicht an EU- und Nato-Gebiet. War Moskaus neue Mittelstreckenrakete im Einsatz?
Ungeachtet laufender Friedensbemühungen hat Russland eine schwere ballistische Rakete auf die Westukraine an der Grenze zu EU- und Nato-Gebiet abgefeuert. Die ukrainische Luftwaffe teilte mit, für das gesamte Land sei am Donnerstag gegen 23.30 Uhr Ortszeit (22.30 Uhr MEZ) Luftalarm ausgelöst worden. Es habe die Gefahr des Starts einer ballistischen Waffe vom russischen Testgelände Kapustin Jar bestanden. Wenig später seien Einschläge im Gebiet Lwiw verzeichnet worden.
Ein Objekt der kritischen Infrastruktur sei angegriffen worden, schrieb Gebietsgouverneur Maksym Kosyzkyj auf Telegram. Ukrainische Militärblogs veröffentlichten angebliche Videos aus der Region, die sechs Einschläge hintereinander zeigen. Dies ähnelt dem Trefferbild von sechs Gefechtsköpfen der neuen russischen Mittelstreckenrakete Oreschnik (Haselstrauch).
Spekulationen über Mittelstreckenrakete Oreschnik
Offizielle Bestätigungen für den Einsatz dieser Rakete gab es nicht. «Ob das eine Oreschnik war, ist nicht bekannt», teilte der Bürgermeister von Lwiw, Andrij Sadowyj, mit. Darüber müsse das Militär informieren. Bewohner der Region beschrieben die lauten Einschläge wie viele Erdbeben hintereinander. Angaben zum Ziel wurden nicht gemacht. Doch im Gebiet Lwiw liegt der unterirdische Gasspeicher von Stryj, der schon mehrfach Ziel russischer Angriffe war.
Die nach russischen Angaben neue Mittelstreckenrakete Oreschnik war erstmals im November 2024 auf die südukrainische Großstadt Dnipro abgefeuert worden. Auch dieser Start erfolgte aus Kapustin Jar bei Astrachan in Südrussland. Die sechs Gefechtsköpfe enthielten damals nach ukrainischen Angaben keinen Sprengstoff. Kremlchef Wladimir Putin sprach von einem Test und drohte an, dass weitere folgen sollten.
Westliche Militärs sehen die Oreschnik als Weiterentwicklung der russischen Interkontinentalrakete RS-26 Rubesch. Die Reichweite wird auf 2.000 bis 5.000 Kilometer geschätzt. Der belarussische Machthaber Alexander Lukaschenko sagt, Russland habe die Oreschnik mittlerweile auch in seinem Land stationiert.
Selenskyj warnte vor schwerem Angriff
Die Ukraine hatte einen schweren russischen Luftangriff erwartet. Präsident Wolodymyr Selenskyj warnte in seiner Abendansprache davor: «Es gibt Informationen, dass es heute Nacht einen neuen massiven russischen Angriff geben könnte.» Die Bürger sollten auf Luftalarm achten und sich in Schutzräume flüchten.
Die Hauptstadt Kiew wurde nachts von Drohnenschwärmen angegriffen. Bürgermeister Vitali Klitschko sprach von mindestens vier Toten und 19 Verletzten. Durch den massiven Angriff sei auch die kritische Infrastruktur beschädigt worden. Die Strom- und Wasserversorgung sei in einigen Stadtteilen unterbrochen. Herabfallende Trümmerteile hätten Schäden verursacht, Wohnhäuser gebrannt.