Putin gibt sich siegesgewiss - Selenskyj bietet Treffen an
Autor: dpa
, Freitag, 05. Juni 2026
Putin zeigt sich beim Wirtschaftsforum in St. Petersburg weiter siegessicher und erneuert seine Forderungen für Frieden in der Ukraine. Selenskyj präsentiert eigene Vorschläge in einem offenen Brief.
Vor dem Hintergrund stockender US-Vermittlungsbemühungen hat der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj dem russischen Staatschef Wladimir Putin in einem offenen Brief direkte Friedensgespräche angeboten. Er schlage ein Treffen in einem Drittstaat vor, um «Schlüsselfragen» persönlich mit dem Kremlchef zu klären, hieß es in dem vom Präsidentenbüro in Kiew veröffentlichten Schreiben. Als Antwort erneuerte der Kreml nur sein - von Selenskyj schon mehrfach abgelehntes - Angebot für Verhandlungen in Moskau und die Forderung nach einer vollständigen Kontrolle der ukrainischen Donbass-Region als Voraussetzung für einen Frieden.
Beim Internationalen Wirtschaftsforum in St. Petersburg gab sich Putin siegesgewiss. Probleme habe vor allem die ukrainische Gegenseite, sagte er in einer Pressekonferenz für ausländische Nachrichtenagenturen.
Von seiner heutigen Rede vor großem Publikum erwarten viele Russen jedoch, dass Putin Lösungen aufzeigt für die aufgestauten Probleme im eigenen Land. Bei der Veranstaltung beantwortet er traditionell Fragen, die sich auch um den Ukraine-Krieg drehen dürften. Im fünften Kriegsjahr sieht sich Russland mit einem Wachstumseinbruch und andauernden westlichen Sanktionen konfrontiert. Dennoch will der Kreml auf dem Forum ökonomische Kraft demonstrieren.
Selenskyj pocht auf direkte Verhandlungen mit Putin
Klar ist, dass Putin für Friedensgespräche - wenn überhaupt - genauso wenig nach Kiew reisen wird wie Selenskyj nach Moskau. Deshalb nannte der Ukrainer als Alternativen die Schweiz, die Türkei oder einen der arabischen Staaten.
US-Präsident Donald Trump sagte vor Journalisten im Weißen Haus auf den Brief angesprochen, dass er es gut fände, wenn es zu einem Treffen zwischen Putin und Selenskyj käme.
Als ersten Schritt schlug der ukrainische Staatschef eine Waffenruhe entlang der jetzigen Frontlinie vor, die von den Vereinigten Staaten überwacht werden soll. Dem könne ein Gefangenenaustausch «aller gegen alle» und eine Rückkehr von Zivilisten und «während des Krieges verschleppten» Kindern folgen. An den Gesprächen sollten nach Ansicht Selenskyjs zudem Vertreter Europas und der USA auch als mögliche Garanten beteiligt werden.
Inhaltlich ging die russische Seite nicht auf den Brief ein. Putin hatte kurz vor der Veröffentlichung des Schreibens gesagt, «wir sind zweifellos dazu bereit, mit der Ukraine eine Vereinbarung zu treffen». Basis dafür seien jedoch die Abmachungen von Anchorage, betonte der Kremlchef. In der Stadt in Alaska hatte ihn US-Präsident Trump im vergangenen Sommer getroffen. Konkrete Ergebnisse oder Abmachungen wurden danach allerdings nicht bekannt.