Merz stellt fünf Leitlinien für China-Reise auf
Autor: Michael Fischer und Johannes Neudecker, dpa
, Dienstag, 24. Februar 2026
Es ist eine seiner bisher wichtigsten, aber auch schwierigsten Reisen: Der Kanzler bricht für zwei Tage nach China auf. Vorher sortiert er seine Ziele und wählt eine chinesische Weisheit als Motto.
Abhängigkeiten vermindern, auf eigene Stärke bauen und fairen Wettbewerb herstellen: Das sind drei von fünf Leitlinien, die Bundeskanzler Friedrich Merz für seinen ersten Besuch in Peking ausgegeben hat. Hinzu kommen die internationale Zusammenarbeit zur Lösung von Krisen und Konflikten ohne gegenseitige Belehrung und die europäische Einbettung der Beziehungen zu China.
In einer Stellungnahme kurz vor seinem Abflug am Abend gab er eine chinesische Weisheit als Motto seiner Reise aus - passend zum chinesischen Jahr des Feuerpferds, das gerade begonnen hat: «Seine Stärke spielt ein Pferd nicht alleine aus, sondern indem es den Wagen gemeinsam mit anderen zieht.»
Merz will an diesem Mittwoch zum Auftakt seines zweitägigen China-Besuchs Präsident Xi Jinping treffen. Am Donnerstag geht es weiter in die südchinesische Metropole Hangzhou, wo Unternehmensbesuche geplant sind. Merz wird von einer großen Delegation von Top-Managern begleitet.
Seine Leitlinien knüpfen an die China-Strategie der Vorgängerregierung an, die China als Partner, Wettbewerber und systemischen Rivalen definierte. Das sind die Leitlinien des Kanzlers im Einzelnen:
1. Europäische Stärke als Grundlage für die China-Politik
Schon bei der Münchner Sicherheitskonferenz hat der Kanzler europäische Selbstbehauptung in einem neuen Zeitalter der Großmachtpolitik zur Maxime gemacht. «Kluge China-Politik beginnt hier, zu Hause», sagte er daher auch vor seiner Abreise. «Nur wenn wir in Deutschland und Europa einig, stark und wettbewerbsfähig sind, können wir eine ausgewogene Partnerschaft mit China gestalten.»
2. Risiko-Minderung statt Entkopplung von China
Merz hat bereits in den vergangenen Wochen Zeichen gesetzt, die darauf hindeuten, dass er sich der zweitgrößten Wirtschaftsmacht bei seinem Antrittsbesuch in Peking nicht unbedingt anbiedern will. Im Januar besuchte er anders als seine Vorgänger Olaf Scholz und Angela Merkel Indien vor China. Dass er dort mit offenen Armen und viel Pomp empfangen wurde, dürfte bei der Führung in Peking aufmerksam registriert worden sein.
Damit war auch das Signal verbunden, dass sich Deutschland in einer von Großmachtpolitik bestimmten neuen Weltordnung breiter vernetzen und die Abhängigkeit von Ländern wie den USA und China verringern will. «De-Risking» wird das in der Diplomatensprache genannte - Risikominderung.