Papst mahnt in Frankreich zu «neuer Brüderlichkeit»
Autor: Christoph Sator und Rachel Sommer, dpa
, Freitag, 25. Sept. 2026
Eigentlich gilt Frankreich als «älteste Tochter» der Kirche. Aber beim ersten Besuch von Leo XIV. in Paris geht es auch um Konfliktthemen wie Sterbehilfe und Abtreibung. Und um seine Wurzeln.
Papst Leo XIV. hat Frankreich als Land der Menschenrechte gewürdigt - zum Auftakt eines viertägigen Besuchs aber auch kritische Worte gefunden. Bei einem Empfang im Élysée-Palast in Paris mahnte das Oberhaupt von weltweit 1,4 Milliarden Katholiken zu einer «neuen Brüderlichkeit». Dazu gehöre die Achtung des Lebens in allen Phasen des menschlichen Daseins von der Zeugung bis zum Tod.
Damit bezog sich Leo auf ein neues Gesetz für Sterbehilfe, das die Nationalversammlung im Sommer beschlossen hatte, sowie auf das Recht auf Abtreibung, das unter Präsident Emmanuel Macron in der französischen Verfassung verankert wurde. Im Beisein Macrons betonte er: «Der Schutz des Rechts auf Leben bildet die unverzichtbare Grundlage für alle anderen Menschenrechte.» Dazu gehöre, «dass man lernt, das Leben bedingungslos anzunehmen».
US-Papst mit Wurzeln in der Normandie
Der seit vergangenem Jahr amtierende Papst aus den USA - mit bürgerlichem Namen Robert Prevost - hält sich bis Montag erstmals in Frankreich auf. Die Familie des 71-Jährigen hat auch französische Wurzeln. Seine Großmutter ist aus der Normandie. Mit seiner Forderung nach «neuer Brüderlichkeit» spielte er auf den Dreiklang Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit aus den Zeiten der Revolution von 1789 an. Heute ist dies offizieller Leitspruch des Landes.
Macron sagte bei dem Empfang im Élysée-Palast, es sei eine Ehre und eine Freude, den Papst zu empfangen. «Oft mit dem Schauspiel des Unglücks der Welt konfrontiert, verspüren viele unserer Mitbürger mit Ihrem Besuch in Frankreich Hoffnung.» Macron stellte sich hinter die Friedensbotschaft des Papstes und betonte: «Die Suche nach Frieden an allen Fronten ist eine essenzielle Notwendigkeit.»
An den Papst gerichtet sagte Macron auch, man sei stolz auf dessen normannische Wurzeln. «Und Sie werden sehen, wir haben selbst Wurzeln aus Béarn und Bigorre gefunden.» Beide Gegenden liegen im Südwesten Frankreichs.
Strenge Trennung von Kirche und Staat
In Frankreich gilt - bis auf einige Regionen im Osten des Landes - seit mehr als einem Jahrhundert eine strikte Trennung von Kirche und Staat, auch Laizität genannt. Beispielsweise muss dort keine Kirchensteuer gezahlt werden. In staatlichen Schulen gibt es keinen Religionsunterricht. In dem 69-Millionen-Einwohner-Land geht die Zahl der Katholiken seit Jahrzehnten zurück. Heute bekennt sich weniger als ein Drittel der Bevölkerung zum katholischen Glauben.
Hingegen gibt es durch Einwanderung mehr Muslime. Dabei gilt Frankreich als «älteste Tochter der Kirche»: Als einer von Europas ersten Herrschern ließ sich der fränkische König Chlodwig schon im fünften Jahrhundert taufen. Zeitweise hatten die Päpste ihren Sitz in Avignon. Zu den verschiedenen Papstmessen werden in den nächsten Tagen Hunderttausende erwartet, Staatschef Macron wird ihnen aber fernbleiben. Die Laizität, so versicherte Macron beim Empfang des Papstes, sei keinesfalls als Negierung von Religion zu verstehen.