Netanjahu bleibt bei Rafah-Offensive
Autor: Sara Lemel, dpa
, Sonntag, 18. Februar 2024
Die warnenden Stimmen werden immer lauter. Die Weltgemeinschaft ist gegen Israels geplanten Militäreinsatz in der Grenzstadt Rafah, die voller Flüchtlinge ist. Netanjahu sieht aber keine Alternative. Der Überblick:
Ungeachtet dringender Warnungen westlicher Partner will der israelische Ministerpräsident Benjamin Netanjahu die militärische Offensive auf die Grenzstadt Rafah im südlichen Gazastreifen ausweiten. Man werde sich in der Frage dem internationalen Druck nicht beugen, betonte er am Wochenende.
«Wer uns an dem Einsatz in Rafah hindern will, sagt uns letztlich «Verliert den Krieg».» Das werde er nicht zulassen. Vor dem Beginn einer Offensive werde den Zivilisten in den Kampfgebieten aber ermöglicht, sich in sichere Gegenden zu begeben, sagte er in Jerusalem.
Israels Verteidigungsminister Joav Galant ist davon überzeugt, dass der Kampfgeist der islamistischen Hamas-Milizen im Gazastreifen nach mehr als vier Monaten Krieg gebrochen ist. «200 Terroristen ergaben sich (in Chan Junis) im Nasser-Spital, Dutzende weitere im Amal-Spital», sagte Galant bei einer Besprechung mit Armeekommandeuren. «Das zeigt, dass die Hamas ihren Kampfgeist verloren hat», fügte er hinzu.
Ägypten wirft Israel illegale Praktiken vor
Die Beziehungen zwischen Israel und Ägypten sind angesichts des Gaza-Kriegs äußerst angespannt: Ägypten will Israel nun vor dem höchsten Gericht der Vereinten Nationen illegale Praktiken in den Palästinensergebieten vorwerfen. Das Land habe ein entsprechendes Memorandum beim Internationalen Gerichtshof (IGH) in Den Haag eingereicht, teilte der Leiter des ägyptischen Staatsinformationsdiensts (SIS), Diaa Raschwan, mit.
Israels Besatzung der palästinensischen Gebiete, der Siedlungsbau, die Vertreibung von Palästinensern und andere Praktiken der israelischen Politik verstoßen demnach gegen die Grundsätze des humanitären Völkerrechts. Raschwan kündigte an, Kairo werde am Mittwoch mündliche Beweise vor Gericht vorbringen. Am höchsten UN-Gericht beginnt am Montag bereits in einem anderen Verfahren eine Anhörung zu Israels Vorgehen in den besetzten palästinensischen Gebieten.
Brasiliens Präsident Luiz Inacio Lula da Silva vergleicht Israels Militäreinsatz im Gazastreifen indes mit dem von Adolf Hitler befohlenen Massenmord an den europäischen Juden. Israels Vorgehen komme einem Genozid an palästinensischen Zivilisten im Gazastreifen gleich, sagte der 78-Jährige während eines Gipfeltreffens der Afrikanischen Union am Wochenende in Äthiopiens Hauptstadt Addis Abeba.
«Was im Gazastreifen mit dem palästinensischen Volk geschieht, hat es zu keinem anderen Zeitpunkt in der Geschichte gegeben. Beziehungsweise hat es das schon gegeben: Als Hitler beschloss, die Juden zu töten», sagte Lula während einer Pressekonferenz.