Neapel: Junge (2) nach fatalem Spenderherz-Fehler tot - "Jemand muss dafür bezahlen"
Autor: Agentur dpa, Redaktion, Nadine Wüste
Neapel, Montag, 23. Februar 2026
Nach Wochen im Koma stirbt der zweijährige Domenico. Ein Spenderherz sollte sein Leben retten - nicht beenden.
Update vom 23.02.2026: "Mein Sohn ist jetzt ein Engelchen" - Zweijähriger stirbt wegen Spenderherz
Alle Hoffnung vergebens: Nach einem wochenlangen Drama ist ein herzkranker kleiner Junge in Italien verstorben. Das Leben des nicht einmal zweieinhalb Jahre alten Domenico endete auf der Intensivstation eines Krankenhauses in Neapel. Seine Mutter Patrizia Mercolino äußerte anschließend unter Tränen: "Mein Sohn ist jetzt ein Engelchen." Gleichzeitig forderte sie vollständige Aufklärung über die Umstände, wie ein bereitstehendes Spenderherz beschädigt und dennoch transplantiert wurde.
Der Fall sorgt seit Wochen für Schlagzeilen, auch über die Grenzen Italiens hinaus. Der Junge war 2023 bereits mit einem Herzfehler geboren worden. Kurz vor Weihnachten wurde für ihn endlich ein Spenderherz gefunden. Beim Transport wurde das Ersatzorgan jedoch fehlerhaft gekühlt und dadurch schwer beschädigt. Die Ärzte setzten es dennoch ein. Seither wurde Domenico von einer Maschine am Leben gehalten.
Dann entschied ein Ärzteteam am Mittwoch (18. Februar 2026), dass eine erneute Transplantation aussichtslos sei - auch, weil andere Organe wie die Nieren nicht mehr richtig funktionierten. Seither war klar, dass Domenico nicht überleben würde. Am Samstagvormittag (21. Februar 2026) teilte das Monaldi-Krankenhaus in Neapel mit, dass er "infolge einer plötzlichen und irreversiblen Verschlechterung seines klinischen Zustands" gegen 9.20 Uhr verstorben sei. Der Leichnam wird nun obduziert. Am Donnerstag (26. Februar 2026) oder Freitag (27. Februar 2026) soll er beerdigt werden.
Mutter: "Jemand muss dafür bezahlen"
In den letzten Minuten war seine Mutter bei ihm. Die 44-Jährige aus einem Vorort von Neapel, die zwei weitere Kinder hat, berichtete: "Ich bin bis zum Schluss geblieben, bis die Maschine abgeschaltet werden musste - und dann war alles vorbei." Auf die Frage, wer Schuld am Tod ihres Sohnes habe, antwortete sie: "Ich werde niemandem die Schuld geben, solange ich nicht die Wahrheit kenne. Aber jemand muss dafür bezahlen."
Zum Verhalten der Ärzte sagte sie: "Ich habe ein reines Gewissen, sie nicht. Sie sind es, die sich schämen müssen, mir in die Augen gesehen zu haben. Nicht ich." Mercolino kündigte an, eine Stiftung im Namen ihres Sohnes zu gründen, "damit Domenico nicht vergessen wird und um anderen Kindern zu helfen". Auf ihrer linken Hand trägt sie nun ein Tattoo: "Mio guerriero" ("Mein Krieger") und den Buchstaben D. Bislang hatte sie ihren Sohn in der Öffentlichkeit stets "kleinen Krieger" genannt, nie beim Namen.
Domenico lag zuletzt fast zwei Monate im Krankenhaus, die meiste Zeit im Koma. Dort war er an eine ECMO-Maschine angeschlossen, eine Art künstliche Lunge und künstliches Herz. Seither hoffte man, baldmöglichst ein weiteres Spenderherz zu finden - was nicht gelang. Zudem verschlechterte sich sein Zustand. Am Mittwoch wurde sein Name von der Warteliste der Patienten genommen, die auf ein Spenderherz warten.
Spenderherz falsch gekühlt - und trotzdem verwendet
Wegen des schweren Herzfehlers war schon lange klar, dass das Kind ein Ersatzorgan benötigt. Im Dezember wurde ein Spenderherz gefunden: In Südtirol war ein Vierjähriger mit gleicher Blutgruppe ertrunken. Beim Transport aus Bozen nach Neapel wurde das Herz jedoch nicht wie üblich in herkömmlichem Eis gekühlt, sondern kam mit deutlich kälterem Trockeneis in Kontakt: 80 Grad minus statt 4 Grad plus. Dadurch erfror es buchstäblich. Weil die Ärzte dem Jungen jedoch das eigene Herz schon entnommen hatten, wurde das irreparabel beschädigte Organ dennoch verpflanzt.