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Neapel: Hepatitis A grassiert – Verbot für rohe Meeresfrüchte


Autor: Julia Gebhardt

Neapel, Mittwoch, 01. April 2026

Seit Jahresbeginn 2026 melden Behörden in Kampanien 150 Hepatitis-A-Fälle – zehnmal mehr als üblich. Krankenhäuser sind ausgelastet.
In Süditalien breitet sich Hepatitis A aus. Besonders in Neapel gelten neue Regeln für den Verzehr von Meeresfrüchten. (Archivbild)


Die süditalienische Metropole Neapel kämpft seit Jahresbeginn 2026 mit einem der schwersten Hepatitis-A-Ausbrüche der vergangenen Dekade. Was zunächst als lokales Gesundheitsproblem begann, entwickelte sich rasch zu einer regionalen Krise, die nicht nur das Gesundheitssystem an seine Grenzen bringt, sondern auch massive Auswirkungen auf die Gastronomie und den Tourismus hat. Besonders betroffen ist die gesamte Region Kampanien, einschließlich beliebter Urlaubsziele wie Capri und Ischia.

Die drastischen Maßnahmen der lokalen Behörden – darunter ein striktes Verbot roher Meeresfrüchte in der Gastronomie – verdeutlichen die Ernsthaftigkeit der Lage. Während Gesundheitsexperten von einer zehnfachen Steigerung der Fallzahlen im Vergleich zum langjährigen Durchschnitt sprechen, stehen Krankenhäuser vor der Herausforderung, die stetig wachsende Zahl an Patienten zu versorgen. Für Reisende bedeutet dies erhöhte Vorsicht und die Notwendigkeit, sich über aktuelle Entwicklungen zu informieren.

Aktuelle Lage: Krankenhäuser am Limit, Behörden verschärfen Kontrollen

Die Situation in Neapels Gesundheitseinrichtungen bleibt angespannt. Das Cotugno-Krankenhaus, das federführend in der Behandlung infektiöser Erkrankungen ist, meldete Ende März 2026 zeitweise bis zu 60 Patienten gleichzeitig – 51 davon auf Stationen untergebracht, neun weitere wartend in der Notaufnahme. Innerhalb weniger Stunden wurden teilweise 14 Neuaufnahmen registriert, was die Kapazitäten der Einrichtung erheblich strapaziert. Trotz dieser alarmierenden Zahlen betonen behandelnde Ärzte, dass es sich nicht um eine unkontrollierbare Epidemie handle, sondern um einen handhabbaren, wenn auch ernsten Ausbruch.

Die regionalen Gesundheitsbehörden Kampaniens bestätigten offiziell 133 Infektionen seit Januar 2026, wobei nationale Überwachungsdaten des Istituto Superiore di Sanità zeigen, dass Kampanien einen unverhältnismäßig hohen Anteil der landesweiten Hepatitis-A-Fälle ausmacht. Der Ausbruch konzentriert sich primär auf die Provinzen Neapel und Capri, wobei kontaminierte Muschelzuchtanlagen als Hauptursache identifiziert wurden. In diese Anlagen sei offenbar verunreinigtes Abwasser gelangt, was die Muscheln zu gefährlichen Krankheitsüberträgern machte.

Als Reaktion auf die steigenden Zahlen haben die Behörden ihre Kontrollmaßnahmen massiv verschärft. Polizeieinheiten führen verstärkt Inspektionen auf Fischmärkten und in Restaurants durch, um die Einhaltung des Verbots roher Meeresfrüchte sicherzustellen. Gleichzeitig appellieren Gesundheitsämter eindringlich an die Bevölkerung und Touristen, sich gegen Hepatitis A impfen zu lassen. Das Auswärtige Amt hat ebenfalls Reisehinweise für die Region aktualisiert und warnt vor dem Verzehr unzureichend gegarter Meeresprodukte. Experten empfehlen generell, sich bereits vor Reisen in Mittelmeerregionen gegen Hepatitis A impfen zu lassen, da die Gefahr einer Ansteckung auch in anderen südeuropäischen Ländern besteht.

Ausbreitung von Hepatitis-A-Virus: Italienische Behörden ergreifen Maßnahmen

Zurück zu dem Virus-Ausbruch: Laut der tagesschau und italienischen Medienberichten zufolge meldeten lokale Behörden etwa 150 neue Fälle seit Jahresbeginn 2026 für die gesamte Region Kampanien. 84 davon wurden allein in Neapel gemeldet. Im Vergleich mit den Durchschnittswerten der vergangenen Jahre entspricht das einer zehnfach höheren Quote.

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Die zuständige Krankenhausstation in Neapel sei mit den schweren Krankheitsfällen ausgelastet, berichtet das Hamburger Abendblatt. Auch Betten der Notaufnahme müssten genutzt werden, um die Patienten unterzubringen.

Neapels Bürgermeister Gaetano Manfredi reagierte auf die Nachricht mit einer neuen Maßnahme: In sämtlichen öffentlichen Lokalen ist der Verzehr von rohen Meeresfrüchten nun streng untersagt. Die Polizei werde deshalb verstärkt Kontrollen auf Fischmärkten und in Restaurants durchführen. Wer gegen das Verbot verstößt, muss mit Bußgeldern von bis zu 20.000 Euro rechnen. Zudem wird von Gesundheitsbehörden zur Impfung gegen das ansteckende Virus aufgerufen.

Der Hepatitis-Ausbruch trifft Italien ausgerechnet in einem Jahr, in dem das Land einen beispiellosen Tourismus-Boom mit Rekordauslastungen erlebt. Während Millionen Urlauber die Region besuchen, müssen Reisende jetzt besondere Vorsichtsmaßnahmen beachten. Die Gesundheitskrise in Kampanien reiht sich ein in eine Liste von Herausforderungen, mit denen beliebte Urlaubsziele 2026 zunehmend als Risikoländer eingestuft werden.

Wie kommt es zu einer Infektion mit Hepatitis A?

Eine Infektion mit Hepatitis A entsteht in der Regel durch den Verzehr von kontaminierten Speisen oder Wasser. Besonders gefährdet sind Menschen, die rohe oder nicht ausreichend gegarte Nahrungsmittel zu sich nehmen, etwa Muscheln und Meeresfrüchte. Auch ältere oder vorerkrankte Menschen sind gefährdet.

Typische Anzeichen für eine Erkrankung sind Fieber, Übelkeit sowie das Auftreten von Gelbsucht. Die durch das Virus hervorgerufene Entzündung betrifft primär die Leber.