Polizeiaufgebot und neue Schikanen vor Nawalny-Beerdigung
Autor: dpa
, Donnerstag, 29. Februar 2024
Morgen soll der im Straflager gestorbene Kremlgegner Nawalny in Moskau beerdigt werden. Seine Unterstützer warnen vor Polizeigewalt. Und tatsächlich bringt die sich am Friedhof schon in Stellung.
Das Team des in Haft gestorbenen Kremlgegners Alexej Nawalny hat die Menschen aufgerufen, morgen trotz erwarteter Polizeipräsenz zur Trauerfeier und zur Beerdigung des Oppositionellen in Moskau zu kommen.
Die Trauerfeier in der Kirche sei für 14.00 Uhr Ortszeit (12.00 Uhr MEZ) geplant, die Beerdigung auf dem Friedhof Borissowskoje dann zwei Stunden später angesetzt, teilte Nawalnys Sprecherin Kira Jarmysch mit. Kommen sollten alle, denen Nawalnys politische Arbeit etwas bedeutet habe. Der Fußweg von der Kirche zu Ehren der Gottesmutterikone «Lindere meine Trauer» bis zum Friedhof beträgt demnach 28 Minuten.
Kritik an russischen Behörden
Nawalnys Team will live im Internet berichten über die Trauerfeier im südöstlichen Bezirk Marjino sowie über die Beerdigung und empfahl Gästen, früh da zu sein. Es wird ein großes Sicherheitsaufgebot erwartet - und befürchtet, dass Uniformierte Nawalnys Anhängern den Zugang versperren könnten. Auch die Witwe Julia Nawalnaja verbreitete den Aufruf, zur Trauerfeier zu kommen.
Schon einen Tag vor der geplanten Beerdigung von Kremlgegner Alexej Nawalny hat sich die Polizei in Moskau in Stellung gebracht. Rund um den Borissowskoje-Friedhof im Südosten der russischen Hauptstadt wurden Polizeipatrouillen gesichtet. Unabhängigen Medien zufolge kontrollierten die Beamten auch die Ausweise und Taschen von Passanten. Zudem wurden zahlreiche Absperrgitter zum Friedhofsgelände gebracht.
Nawalnys Mutter Ljudmila Nawalnaja hatte den Körper ihres Sohnes nach tagelanger Forderung an die Behörden, ihn ihr auszuhändigen, am Samstag erhalten. Eine von den Behörden zunächst geforderte heimliche Beerdigung lehnte sie ab.
In den vergangenen Tagen hatte Nawalnys Team nach einem Ort für die Trauerfeier gesucht und beklagt, dass sie dabei von den russischen Behörden behindert wurden. Nach russisch-orthodoxem Brauch ist es eigentlich üblich, Tote nach drei Tagen zu beerdigen und ihren Leichnam vorher im offenen Sarg aufzubahren, damit Trauernde sich verabschieden können.
Ein Saal für ein solches Abschiedsritual sei aber nicht zur Verfügung gestellt worden, schrieb Iwan Schdanow, der Direktor des von Nawalny gegründeten Anti-Korruptions-Fonds.