Nato-Gipfel mit Trump: Was in Ankara auf dem Spiel steht
Autor: Ansgar Haase, Mirjam Schmitt und Franziska Spiecker, dpa
, Montag, 06. Juli 2026
Welche Zukunft hat die Nato? In der türkischen Hauptstadt Ankara soll in dieser Woche eine klare Antwort gegeben werden. Die Frage ist allerdings, ob der mächtigste Mann der Welt mitspielt.
Die Nato will bei ihrem Gipfel in Ankara Stärke zeigen - doch vor dem Spitzentreffen stellen sich unbequeme Fragen: Wie verlässlich sind die USA unter Donald Trump noch? Wie viel Verantwortung kann Europa selbst übernehmen? Und reicht ein neues Milliardenversprechen, um die Ukraine dauerhaft gegen Russland zu stützen? Das Spitzentreffen in der Türkei wird damit zum Bewährungstest für ein Bündnis. Die Lage im Überblick:
Warum ist der Gipfel besonders spannend?
Das Spitzentreffen an diesem Dienstag und Mittwoch findet in einer äußerst angespannten Lage statt. US-Präsident Donald Trump übt massiven Druck auf die europäischen Verbündeten aus, und von Russland gibt es keinerlei Signale, dass es seinen Angriffskrieg gegen die Ukraine und Bedrohungen gegen andere europäische Staaten bald einstellen will. Darauf muss reagiert werden.
Was soll für die Ukraine beschlossen werden?
Nach Informationen der Deutschen Presse-Agentur soll die Ukraine ein neues Versprechen für milliardenschwere Militärhilfen erhalten. Vorgesehen ist über zwei Jahre hinweg eine Mindestfinanzierung von 70 Milliarden Euro pro Jahr für militärische Ausrüstung, Unterstützung und Ausbildung. Insgesamt wären das 140 Milliarden Euro. Ein EU-Hilfspaket von rund 60 Milliarden Euro bis Ende 2027 soll dabei mitgerechnet werden. Damit blieben etwa 80 Milliarden Euro, die Nato-Staaten national stemmen müssten.
Politisch heikel ist dabei die Lastenteilung. Eine feste Quote gemessen am Bruttoinlandsprodukt soll es nicht geben, nachdem unter anderem Frankreich dagegen war. Stattdessen setzt die Nato auf Freiwilligkeit und politischen Druck. Damit bleibt offen, ob künftig breiter gezahlt wird - oder ob am Ende wieder vor allem wenige große Unterstützer die Hauptlast tragen.
Welche Rolle spielt Deutschland dabei?
Deutschland dürfte einen besonders großen Anteil tragen, weil die USA die Finanzierung von Ukraine-Hilfen unter Trump weitgehend gestoppt haben. Für dieses Jahr hat die Bundesregierung bereits 11,5 Milliarden Euro für Artillerie, Drohnen, gepanzerte Fahrzeuge und andere Ausrüstung eingeplant.
Was wollen die USA von den Europäern?
Washington fordert, dass Europa künftig die Hauptverantwortung für die konventionelle Verteidigung des Kontinents übernehmen muss. US-Verteidigungsminister Pete Hegseth hat in dem Zusammenhang die US-Truppenpräsenz in Europa auf den Prüfstand gestellt. Die Untersuchung soll in sechs Monaten, möglicherweise früher, abgeschlossen sein. Außerdem wollen die USA ihre Nato-Beiträge künftig daran knüpfen, ob andere Länder ihre Ausgabenziele erfüllen.
Ziehen sich die USA aus der Nato zurück?
Offiziell wird das bestritten. US-Nato-Botschafter Matthew Whitaker sagte vor dem Gipfel, die Vereinigten Staaten seien ein «stolzes Nato-Mitglied». Zugleich machen Äußerungen Trumps und seiner Regierung den Europäern Sorgen. Die USA haben bereits angekündigt, künftig weniger militärische Fähigkeiten für Abschreckung und Verteidigung unter Nato-Kommando bereitzuhalten. Nato-Generalsekretär Mark Rutte betont, dies sei kein Rückzug, sondern Ausdruck einer gerechteren Arbeitsteilung.