Nato-Abschreckung an der Ostflanke: neues Hauptquartier
Autor: Carsten Hoffmann und Alexander Welscher, dpa
, Dienstag, 30. Juni 2026
Macht Europa genug für seine militärische Sicherheit? Deutschland und Niederlande wollen im Baltikum ein Zeichen für mehr eigenständige Verteidigung setzen.
Deutschland und die Niederlande stellen eine Woche vor dem Nato-Gipfel ein neues Hauptquartier für eine verstärkte Abschreckung an der Nato-Ostflanke. Das Deutsch-Niederländische Korps übernahm dazu mit seinem Stab die Führung über Landstreitkräfte des Bündnisses, die Estland und Lettland gegen Bedrohungen oder einen militärischen Angriff verteidigen sollen.
«Dies zeigt: Wir sind bereit, größere Verantwortung für Europas Sicherheit zu übernehmen», sagte Verteidigungsminister Boris Pistorius (SPD) bei der Kommandoübergabe in der estnisch-lettischen Grenzstadt Valga. Das Korps stehe für militärische Integration in Europa. Er sprach von einer «Erfolgsgeschichte» und sagte: «Das Korps ist ein Vorbild für die europäische Verteidigungszusammenarbeit und beweist, dass multinationale Integration uns stärker, leistungsfähiger und effektiver macht.»
US-Präsident Donald Trump und seine Regierung haben die europäischen Nato-Verbündeten wiederholt kritisiert, sie unternähmen zu wenig für die eigene Verteidigung und verließen sich weiter auf die USA. Mehrfach gab es aus Washington den Vorwurf einer europäischen Trittbrettfahrerei.
US-Verteidigungsminister Pete Hegseth hatte eine umfassende Untersuchung der US-Truppenpräsenz in Europa während einer sechsmonatigen Überprüfungsphase angekündigt. Er kritisierte dabei, es gebe Rückschläge bei der Stärkung der Nato, auch wenn einige Staaten ihr Engagement und ihre Militärausgaben deutlich gesteigert hätten.
«Und deshalb verstärken wir unsere Bemühungen, die Nato zu dem zu machen, was sie immer sein sollte: ein ausgewogenes Bündnis, in dem Europa die Führung für seine eigene Verteidigung übernimmt: Nato 3.0», sagte er. Dies könnte auch den Ton für das Gipfeltreffen kommende Woche in Ankara setzen.
Der Stab des Korps sitzt im westfälischen Münster
Das Deutsch-Niederländische Korps wird den Angaben zufolge nun verantwortlich sein für militärische Übungen sowie im Ernstfall für die Verteidigung der Ostflanke. Es stellt dazu mit seinem Stab ein zweites taktisches Hauptquartier für die Region.
Bisher ist dafür das Nato-Hauptquartier in Polen zuständig. Die Kommandoübergabe erfolgt am Dienstag in der Stadt Valga an der estnisch-lettischen Grenze. Die Einrichtung und Leitung eines Hauptquartiers für die baltischen Staaten war seit dem Nato-Gipfel 2023 im Gespräch.