Druckartikel: Nach gescheiterter Hinrichtung von Pike: Rücktritt und Kritik an Personal

Nach gescheiterter Hinrichtung von Pike: Rücktritt und Kritik an Personal


Autor: Alexander Milesevic, Agentur dpa

Nashville, Samstag, 03. Oktober 2026

Christa Pike hat zwei Giftspritzen qualvoll überlebt. Nun tritt der Behördenchef zurück und Gerichtsdokumente werfen Fragen zu Erfahrung, Ausbildung und Training der Beteiligten auf.
Dieses vom Strafvollzugsamt von Tennessee zur Verfügung gestellte Foto zeigt Christa Pike am 12. Januar 2023. Pike sollte am 31. September 2026 (Ortszeit) als erste Frau seit 200 Jahren in Tennessee hingerichtet werden. Dabei kam es jedoch zu Komplikationen.


Update vom 03.10.2026, 18.50 Uhr: Gescheiterte Hinrichtung in Tennessee kein Einzelfall

Nach der gescheiterten Hinrichtung der US-Amerikanerin Christa Pike per Giftspritze tritt der Leiter der Strafvollzugsbehörde von Tennessee zurück. Frank Strada werde das Amt in diesem Monat niederlegen, gab der Gouverneur Bill Lee am Samstag bekannt. Strada erklärte, sein Rückzug sei "im besten Interesse der Bevölkerung von Tennessee". 

Pike sollte am Mittwoch (Ortszeit) hingerichtet werden, überlebte allerdings zwei Giftspritzen. Die 50-Jährige war nach Angaben ihrer Anwälte zuletzt weiter bewusstlos und an ein Beatmungsgerät angeschlossen. 

Warum Pike trotz zweier Dosen des Medikaments Pentobarbital überlebte, ist weiterhin unklar. Der Schritt folgt auf Tage wachsender Kritik an der Qualifikation und Ausbildung des beteiligten Personals. US-Medien warfen Fragen sowohl zu Stradas Rolle als auch zu dem an der Hinrichtung beteiligten Arzt auf. Gouverneur Lee ordnete zudem eine unabhängige Untersuchung an. 

Zwei gescheiterte Hinrichtungen in vier Monaten

Der zuständige Arzt war nach Berichten unter anderem der New York Times und des lokalen Fernsehsenders WSMV auch an einem anderen gescheiterten Hinrichtungsversuch in Tennessee beteiligt. Im Mai hatten Mitarbeiter bei einem anderen verurteilten Straftäter zwar zunächst einen intravenösen Zugang gelegt, scheiterten aber an einem vorgeschriebenen zweiten. Auch dem Arzt gelang es anschließend nicht, einen zentralen Venenkatheter zu legen. Die Hinrichtung wurde abgebrochen. 

Schon danach gab es Zweifel an dessen Erfahrung mit solchen Eingriffen. In einer eidesstattlichen Aussage sagte der Allgemeinmediziner, er habe in seiner Laufbahn etwa ein Dutzend oder mehr zentrale Zugänge gelegt - den letzten allerdings ungefähr 2013. Bei einem früheren Eingriff sei ein Führungsdraht versehentlich in einer Halsschlagader gelandet. Ein von Pikes Verteidigung beauftragter Anästhesiologe kam vor ihrer Hinrichtung zu dem Schluss, er verfüge nicht über die fortlaufende praktische Erfahrung, die medizinische Einrichtungen üblicherweise für solche Eingriffe verlangen.

Pikes Anwälte vermuten, dass zumindest ein Teil des genutzten Pentobarbitals nicht in die Blutbahn gelangte. Bei Pike ist bislang allerdings nicht geklärt, ob der Arzt selbst für die problematischen intravenösen Zugänge verantwortlich war. 

Frühere Probleme in Tennessee und Arizona

Eine vom Staat in Tennessee veranlasste unabhängige Untersuchung kam bereits 2022 zu dem Ergebnis, dass die damals eingesetzte, mit Hinrichtungen betraute Person keine formale medizinische Ausbildung hatte und ihre Aufgabe vor allem während der Arbeit gelernt hatte. Auch die Ausbildung des Teams für die intravenösen Zugänge steht in der Kritik. Seit 2025 wird bei monatlichen Probehinrichtungen kein intravenöser Zugang mehr gelegt, vorgesehen ist aber weiterhin eine jährliche externe Schulung.

Kritik richtet sich zudem gegen den nun zurückgetretenen Gefängnisdirektor Strada selbst, der für die Zusammenstellung der Hinrichtungsteams mitverantwortlich war und deren Training und Einsatz überwachte. Bevor er 2023 nach Tennessee wechselte, war er in leitender Position im Strafvollzug von Arizona für Hinrichtungen mitverantwortlich. Bei allen drei dort 2022 vollstreckten Todesurteilen gab es Schwierigkeiten beim Legen der intravenösen Zugänge, wie unter anderem die "New York Times" und der "Guardian" berichten.

Nach dem Regierungswechsel in Arizona benannte dessen Nachfolger 2023 nach Prüfung mehrere "kritische Probleme" für die Durchführung von Hinrichtungen, darunter unzureichendes Wissen und Fachkenntnis.

Update vom 03.10.2026, 6.55 Uhr: Gerichtsantrag offenbart neue Details zu gescheiterter Hinrichtung

Die im US-Bundesstaat Tennessee zum Tode verurteilte Mörderin Christa Pike ist Angaben ihrer Anwälte zufolge nach ihrer gescheiterten Hinrichtung bewusstlos und an ein Beatmungsgerät angeschlossen. Pike sei intubiert und werde in einem Krankenhaus in Nashville künstlich beatmet, schrieben Pikes Anwälte in einem Gerichtsantrag vom Freitag (2. Oktober 2026).

Die 50-Jährige sollte am Mittwochabend (Ortszeit) mittels einer Giftspritze hingerichtet werden. Doch nachdem ihr nach Angaben der Behörden die im Protokoll vorgesehenen zwei Dosen des Mittels Pentobarbital verabreicht worden waren, überlebte sie.

Pike befindet sich demnach seit der gescheiterten Hinrichtung in einem kritischen Zustand. Das Krankenhauspersonal arbeite daran, ihr Leben zu retten und das verabreichte Pentobarbital aus ihrem Körper zu entfernen, schrieben die Anwälte.

 Pike soll während gescheiterter Hinrichtung geweint haben

Am Donnerstag hatte Pikes Anwalt Randy Spivey erklärt, das Personal habe bei der versuchten Hinrichtung etwa eine Stunde lang erfolglos versucht, einen intravenösen Zugang zu legen. "Ich zählte allein in ihrem linken Arm mindestens sieben Nadeln", sagte Spivey. Laut Gerichtsantrag war eine davon beim Herausziehen um 90 Grad verbogen.

Während der Prozedur habe man Pike weinen gehört. Sie habe laut geatmet und gesagt: "Mein Arm fühlt sich an, als würde er gleich aufplatzen". Ein anderes Mal habe sie gefragt, ob das normal sei.

Bei der Einlieferung ins Krankenhaus seien beide Arme der 50-Jährigen "geschwollen, verbrannt und mit Blasen übersät" gewesen. Sachverständige werden in dem Antrag zitiert, wonach das injizierte Pentobarbital stark alkalisch sei und bei Kontakt Verbrennungen an Haut, Gewebe und Venen verursache. Während der Hinrichtung habe sich ihr rechter Arm laut ihren Anwälten violett verfärbt.

Gouverneur ordnet externe Untersuchung an

Mit der Hinrichtung betraute Personen bemerkten laut Angaben der Anwälte offenbar nicht, dass das Gift "ganz oder teilweise" in das umliegende Gewebe statt in Pikes Venen gelangte. So wurde entschieden, der verurteilten Mörderin eine weitere Dosis Pentobarbital zu verabreichen.

Der Gouverneur von Tennessee, Bill Lee, setzte nach dem gescheiterten Versuch alle weiteren Hinrichtungen für den Rest des Jahres aus und ordnete eine umfassende Untersuchung durch eine externe Stelle an. Ob und unter welchen Bedingungen der Staat noch einmal versuchen könnte, das Todesurteil zu vollstrecken, war zunächst unklar.

Für Tennessee ist es bereits der zweite gescheiterte Hinrichtungsversuch innerhalb weniger Monate. Im Mai hatte der Staat die Hinrichtung des Gefangenen Tony Carruthers abbrechen müssen, nachdem es nicht gelungen war, die erforderlichen intravenösen Zugänge zu legen. Anders als bei Pike wurde ihm das tödliche Medikament damals jedoch nicht verabreicht.

UN lehnt Todesstrafe ab

Mehrere Kampagnen hatten versucht, den geplanten Vollzug vom 30. September aufzuhalten. Die Menschenrechtsorganisation Amnesty International betonte, dass Pike während ihrer Kindheit Vergewaltigung, sexuelle und körperliche Gewalt, Misshandlung und Vernachlässigung erlitten hatte. Auch Experten der Vereinten Nationen hatten einen Stopp der Hinrichtung gefordert.

Auch der Sprecher von UN-Generalsekretär António Guterres äußerte sich zu den Entwicklungen in dem Fall. "Wir vertreten den Standpunkt, dass es die Todesstrafe nicht geben sollte", sagte der Sprecher auf eine entsprechende Frage von Journalisten. Dazu hätten sich die Vereinten Nationen stets sehr offen geäußert, "unabhängig davon, in welchem Land sie noch besteht." 

Auch der Vatikan lehnt die Todesstrafe ab. Leo - der erste Papst aus den USA - forderte schon in der Vergangenheit die weltweite Abschaffung der Todesstrafe. Anlässlich des 15. Jahrestages der Abschaffung der Todesstrafe im US-Bundesstaat Illinois erklärte das katholische Kirchenoberhaupt im April, die Würde des Menschen gehe auch nach dem Begehen sehr schwerer Verbrechen nicht verloren. Menschliches Leben müsse geschützt werden.

Pike 1996 wegen Mord zum Tode verurteilt

Bischöfe aus dem US-Bundesstaat Tennessee, in dem Pike hingerichtet werden sollte, hatten sich ebenfalls im Vorfeld für die Aussetzung der Hinrichtung eingesetzt. Die Bischöfe von Nashville, Memphis und Knoxville hätten den Gouverneur von Tennessee, Bill Lee, dazu aufgefordert, hieß es in einer Erklärung. Sie erklärten, "weiter in allen Belangen für das Leben einzutreten und die Menschenwürde zu verteidigen, die jeder Mensch als Kind Gottes besitzt".

Die Todesstrafe ist in mehr als zwei Dutzend der 50 US-Bundesstaaten zugelassen, allerdings wird sie vielerorts de facto nicht mehr vollstreckt. Laut Death Penalty Information Center wurden in den USA im laufenden Jahr bis zum 24. September 28 Straftäter hingerichtet. Neben Hinrichtungen mit der Giftspritze sind in den Vereinigten Staaten auch Vollstreckungen der Todesstrafe durch den elektrischen Stuhl oder - seltener -per Erschießungskommando üblich.

Pike war 1996 für den Mord an der 19 Jahre alten Colleen Slemmer zum Tode verurteilt worden. Sie selbst war zum Tatzeitpunkt 18 Jahre alt. 1995 hatten drei Teenager das Opfer in einem abgelegenen Gebiet nahe der University of Tennessee in Knoxville gefoltert und getötet. 

Pike als Einzige des Trios zum Tode verurteilt

Nach Angaben der gemeinnützigen Organisation Death Penalty Information Center ist Pike die Einzige der drei, die zum Tode verurteilt wurde. Ihr damaliger Freund war zum Zeitpunkt der Tat 17 Jahre alt und erhielt eine lebenslange Haftstrafe. Eine weitere 18-Jährige wurde zu einer Bewährungsstrafe verurteilt. In den vergangenen Jahren hatten Pikes Anwälte zunehmend ihre schwere Kindheit, psychische Erkrankungen und ihre Entwicklung während der mehr als drei Jahrzehnte in Haft in den Mittelpunkt gestellt.

Update vom 02.10.2026, 18.03 Uhr: Papst setzt sich für Christa Pike ein

Papst Leo XIV. hat sich einem italienischen Medienbericht zufolge für die Aussetzung der Hinrichtung der zum Tode verurteilten Christa Pike aus den USA eingesetzt. Der Vatikan habe darum bereits vor dem gescheiterten Hinrichtungsversuch gebeten, berichtete die Zeitung La Repubblica. Eine Antwort habe der Heilige Stuhl allerdings nicht erhalten, hieß es weiter. Eine Bestätigung des Berichts aus dem Vatikan gab es zunächst nicht.

Die 50 Jahre alte Pike sollte am Mittwochabend mit einer Giftspritze hingerichtet werden. Doch nachdem ihr nach Angaben der Behörden die im Protokoll vorgesehenen zwei Dosen des Mittels Pentobarbital verabreicht worden waren, lebte sie weiter. Sie wurde anschließend in eine medizinische Einrichtung außerhalb des Gefängnisses gebracht.

Der Vatikan lehnt die Todesstrafe ab. Leo - der erste Papst aus den USA - forderte schon in der Vergangenheit die weltweite Abschaffung der Todesstrafe. Anlässlich des 15. Jahrestages der Abschaffung der Todesstrafe im US-Bundesstaat Illinois erklärte das katholische Kirchenoberhaupt im April, die Würde des Menschen gehe auch nach dem Begehen sehr schwerer Verbrechen nicht verloren. Menschliches Leben müsse geschützt werden.

Auch Bischöfe aus Tennessee setzten sich für Aussetzung der Hinrichtung ein

Bischöfe aus dem US-Bundesstaat Tennessee, in dem Pike hingerichtet werden sollte, hatten sich ebenfalls im Vorfeld für die Aussetzung der Hinrichtung eingesetzt. Die Bischöfe von Nashville, Memphis und Knoxville hätten den Gouverneur von Tennessee, Bill Lee, dazu aufgefordert, hieß es in einer Erklärung. Sie erklärten, "weiter in allen Belangen für das Leben einzutreten und die Menschenwürde zu verteidigen, die jeder Mensch als Kind Gottes besitzt".

Update vom 02.10.2026, 14.29 Uhr: Christa Pike nach gescheiterter Hinrichtung in kritischem Zustand

Die zum Tode verurteilte Christa Pike befindet sich nach der gescheiterten Hinrichtung in Tennessee laut ihren Anwälten in einem kritischen Zustand. Ihnen sei mitgeteilt worden, dass Pike lebensrettende medizinische Versorgung erhalten, wie sie in einer Pressekonferenz bekanntgaben. Gouverneur Bill Lee setzte nach dem Vorfall alle weiteren Hinrichtungen für den Rest des Jahres aus und ordnete eine umfassende Untersuchung durch eine externe Stelle an. Wie Pikes Prognose ist und welche gesundheitlichen Folgen sie möglicherweise davontragen könnte, war zunächst unklar.

Die 50-Jährige sollte am Mittwochabend (30. September 2026, Ortszeit) mit einer tödlichen Injektion hingerichtet werden. Doch nachdem ihr laut Behördenangaben die im Protokoll vorgesehenen zwei Dosen des Mittels Pentobarbital verabreicht worden waren, lebte sie weiter. Zeugen berichteten, sie hätten Pike noch lange atmen und nach Luft ringen gehört. Einer ihrer Anwälte sagte später, er habe sie nach der ersten Dosis noch sprechen und singen gehört. Schließlich wurde Pike in eine medizinische Einrichtung außerhalb des Gefängnisses gebracht.

Pikes Anwalt Randy Spivey erklärte am Donnerstag, das Personal habe etwa eine Stunde lang erfolglos versucht, einen intravenösen Zugang zu legen. "Ich zählte allein in ihrem linken Arm mindestens sieben Nadeln, von denen eine verbogen zu sein schien, als sie nach einem erfolglosen Versuch aus ihrem Arm gezogen wurde", sagte Spivey. Während der Exekution habe sich zudem ihr rechter Arm violett verfärbt; inzwischen gebe es laut der Verteidigung Blasen und Verbrennungen rund um die Einstichstellen.

Gericht stoppte ersten Hinrichtungstermin kurz vor knapp

Von der New York Times befragte Mediziner halten es für möglich, dass das Pentobarbital zumindest teilweise nicht in Pikes Blutbahn, sondern in das umliegende Gewebe gelangte. Das könnte erklären, warum die verabreichte Menge nicht ausreichte, um Atmung und Kreislauf vollständig zum Stillstand zu bringen.

Die Strafvollzugsbehörde von Tennessee betonte anschließend, jeder Schritt der geltenden Richtlinie sei eingehalten worden. Diese sehe nach der zweiten Dosis keine weiteren Maßnahmen mehr vor. Nach Angaben des unabhängigen Death Penalty Information Center ist aus der modernen Ära der Todesstrafe in den USA kein anderer Fall bekannt, in dem ein Gefangener die Medikamente zur Hinrichtung erhielt und anschließend weiterlebte. Bei früheren gescheiterten Hinrichtungen war die Vollstreckung demnach meist schon zuvor abgebrochen worden, etwa weil kein geeigneter Venenzugang gelegt werden konnte.

Ein Berufungsgericht hatte die geplante Hinrichtung am Mittwoch zunächst gestoppt. Pikes Anwälte wollten erreichen, dass sich die Gerichte noch einmal mit der Frage beschäftigen, ob schwerer sexueller Missbrauch und andere traumatische Erlebnisse aus ihrer Kindheit sowie psychische Erkrankungen bei früheren Entscheidungen über ihr Todesurteil angemessen berücksichtigt worden waren.

Anwälte warnten vor schwer zugänglichen Venen

Tennessee zog daraufhin vor den Supreme Court. Das höchste US-Gericht hob den Aufschub am Abend wieder auf und machte damit den Weg für die Exekution frei. Bereits einen Tag zuvor hatte der Supreme Court einen anderen Antrag Pikes abgelehnt, die Exekution zu stoppen.

Unabhängig von diesem juristischen Tauziehen hatten Pikes Verteidiger schon seit Monaten auch vor möglichen Problemen bei der Exekution selbst gewarnt. Nach ihren Angaben hat Pike kleine und schwer zugängliche Venen. Sie hatten zudem Bedenken gegen die Richtlinie zur Exekution und die medizinische Versorgung für den Fall von Komplikationen erhoben und waren gerichtlich gegen Tennessees Verfahren mit der tödlichen Injektion vorgegangen. Ein Gericht hatte die Einwände letztlich zurückgewiesen.

Nach dem gescheiterten Versuch erklärten Pikes Anwälte, einige der zuvor beschriebenen Befürchtungen hätten sich nun bewahrheitet. Sie warfen dem Staat mangelnde Transparenz vor. Anwalt Spivey sagte, die Vorhänge zum Zeugenraum seien über längere Zeit geschlossen gewesen; zudem habe es Minuten gedauert, telefonisch Kontakt zu weiteren Anwälten aufzunehmen.

Zweiter gescheiterter Versuch binnen Monaten

Für Tennessee ist es bereits der zweite gescheiterte Hinrichtungsversuch innerhalb weniger Monate. Im Mai hatte der Staat die Exekution des Gefangenen Tony Carruthers abbrechen müssen, nachdem es nicht gelungen war, die erforderlichen intravenösen Zugänge zu legen. Anders als bei Pike wurde ihm das tödliche Medikament damals jedoch nicht verabreicht.

Pike war 1996 wegen des Mordes an der 19-jährigen Colleen Slemmer zum Tode verurteilt worden. Sie selbst war zur Tatzeit 18 Jahre alt. Slemmer war 1995 in Knoxville über längere Zeit misshandelt und schließlich getötet worden. In den vergangenen Jahren hatten Pikes Anwälte zunehmend ihre schwere Kindheit, psychische Erkrankungen und ihre Entwicklung während der mehr als drei Jahrzehnte in Haft in den Mittelpunkt gestellt. Gouverneur Lee lehnte ein Gnadengesuch kurz vor dem geplanten Exekutionstermin dennoch ab. Es ist offen, ob und unter welchen Bedingungen der Staat noch einmal versuchen könnte, das Todesurteil zu vollstrecken.

Update vom 01.10.2026, 14.35 Uhr: Entsetzen nach gescheiterter Hinrichtung in Tennessee

Der Schock über die gescheiterte Hinrichtung der wegen Mordes verurteilten Christa Pike in den USA ist bei der Augenzeugin Tori Gessner groß. "Ich habe in Tennessee fünf Hinrichtungen miterlebt. Nichts an dem heutigen Tag war normal, typisch - überhaupt nichts", sagte die Reporterin des Lokalsenders WKRN in Nashville später vor laufenden Kameras.

Bei der ersten geplanten Exekution einer Frau in Tennessee seit über 200 Jahren war es zuvor zu Komplikationen gekommen. Gessner und andere Journalisten waren als Zeugen akkreditiert, einer Vollstreckung beizuwohnen, die von Rechtsexperten bereits jetzt als beispiellos beschrieben wird. Am Donnerstagmorgen (1. Oktober 2026, Ortszeit) befand sich Pike in einem Krankenhaus, berichtet der US-Sender NBC. Um 19:26 Uhr (Ortszeit) des Vorabends seien die Jalousien zum Hinrichtungsraum für die Zeugen geöffnet worden. Man habe die auf einer Liege fixierte Pike gesehen.

Die 50-Jährige habe im Verlauf der Prozedur, während der Pike zwei Injektionen mit dem Wirkstoff Pentobarbital verabreicht wurden, mehrere vollständige Sätze gesprochen, angestrengt geatmet und geschnarcht, erinnern sich Augenzeugen später. "Mein Arm fühlt sich an, als würde er gleich aufplatzen. Eine Stelle pocht wirklich stark", soll Pike laut der Medienzeugin Gessner gesagt haben.

Kritik an Behörden nach gescheiterter Hinrichtung

Während der Prozedur seien laut den Zeugen die Jalousien mehrmals geschlossen und geöffnet worden. Gefängnisbeamte hätten die Zeugen um 20:53 Uhr aus dem Raum entfernt. Zu dem Zeitpunkt habe man Pike immer noch atmen hören.

"Dieses Ereignis ist das Schlimmste, das wir je gesehen haben, und unterscheidet sich von jeder anderen fehlgeschlagenen Hinrichtung in der modernen Ära", sagt Robin Maher, die geschäftsführende Direktorin der gemeinnützigen Organisation Death Penalty Information Center (DPI). "Es gibt keinen Präzedenzfall."

Pike werde in einem nahegelegenen Krankenhaus behandelt, sagen ihre Anwälte später in einem Statement, aus dem mehrere US-Medien übereinstimmend zitieren. "Wir wurden nicht über ihren Zustand informiert," heißt es weiter. Aber vonseiten des mehrköpfigen Rechtsteams kommt scharfe Kritik an dem Vorgehen der Behörden.

Bereits zweite fehlgeschlagene Hinrichtung

"Wir empfinden keine Freude darüber, Recht zu haben, aber die von Frau Pike vorgebrachten Bedenken haben sich als wahr erwiesen: schwieriger Zugang zu den Venen, geplatzte Venen, abgebautes Pentobarbital, keine verfügbare medizinische Notfallversorgung, wenn die Dinge zwangsläufig schiefgehen, und all das unter einem Protokoll, das weiterhin von Geheimhaltung umgeben ist," heißt es in dem Statement.

Im Bundesstaat Tennessee ist es bereits die zweite gescheiterte Hinrichtung in diesem Jahr. Im Mai musste in letzter Sekunde eine geplante Exekution per Todesspritze gestoppt werden, weil das medizinische Personal keine Vene finden konnte. Einer der Ärzte, der an der gescheiterten Hinrichtung im Mai beteiligt war, sollte auch an der Hinrichtung von Pike teilnehmen, berichtet der US-Sender NBC. Der Mediziner habe seit 13 Jahren keinen Zentralvenenkatheter mehr gelegt, berichtet der US-Radiosender NPR.

Von 2022 bis 2025 herrschte in Tennessee ein Hinrichtungsstopp, nachdem bekannt geworden war, dass der US-Bundesstaat zwischen 2018 und 2022 wiederholt gegen die eigenen Vorgaben verstoßen und die für tödliche Injektionen verwendeten Medikamente nicht ordnungsgemäß geprüft hatte, berichtet der US-Sender NBC.

Für 2026 geplante Hinrichtungen in Tennessee gestoppt

Der republikanische Gouverneur Bill Lee habe nach der gescheiterten Hinrichtung am späten Mittwoch entschieden, alle für den Rest des Jahres 2026 geplanten Exekutionen zu stoppen und eine "umfassende Überprüfung durch eine unabhängige dritte Partei" angeordnet, um genau festzustellen, was vorgefallen sei, berichten US-Medien übereinstimmend unter Berufung auf eine Stellungnahme des Gouverneurs.

"Die Vollstreckung eines rechtmäßig verhängten Urteils gehört zu den wichtigsten Verantwortlichkeiten des Staates, und die Menschen in Tennessee erwarten, dass dies auf eine Weise geschieht, die nicht nur rechtmäßig und verfassungsgemäß ist, sondern auch wirksam," so Lee in der Stellungnahme.

Neben der im Mai in Tennessee gescheiterten Hinrichtung kam es in der Vergangenheit immer wieder zu Vollstreckungen, die entweder gescheitert oder qualvoll verlaufen sind. Oft scheitern Exekutionen daran, dass es dem Gesundheitspersonal nicht gelingt, die nötige Kanüle zu legen oder eine Vene zu finden, wie beispielsweise 2022 in Alabama oder 2024 in Idaho.

Giftspritze als gängigste Hinrichtungsmethode

Die Todesspritze ist in den USA die häufigste Hinrichtungsmethode. Seit 2024 ist in mehreren Bundesstaaten auch eine Hinrichtung mit Stickstoff erlaubt, was in der Praxis zu einem qualvollen Todeskampf der Verurteilten führt.

Pike war 1996 für den Mord an einer damals 19-jährigen Bekannten zum Tode verurteilt worden. Sie selbst war zum Tatzeitpunkt 18 Jahre alt. 1995 hatten drei Teenager das Opfer in einem abgelegenen Gebiet nahe der University of Tennessee in Knoxville gefoltert und getötet.

Ursprungsmeldung vom 01.10.2026, 9.32 Uhr: Hinrichtung geht schief - zum Tode Verurteilte überlebt zwei Giftspritzen

Bei der ersten geplanten Hinrichtung einer Frau in Tennessee seit mehr als 200 Jahren ist es zu einem gerichtlichen Tauziehen und Komplikationen gekommen. Die wegen Mordes verurteilte Christa Pike lebte nach Angaben ihrer Verteidiger auch nach der Verabreichung zweier tödlicher Injektionen weiter. Zuvor hatte das Oberste US-Gericht einen Vollstreckungsstopp außer Kraft gesetzt.

"Um 20.26 Uhr berichteten Zeugen der Hinrichtung, dass die Vollstrecker beide Spritzen mit den tödlichen Chemikalien injiziert hätten und Pike noch am Leben sei und schnarche", heißt es in einem Gerichtsdokument. Auch nach Angaben des Richters Kyle Hixson habe der Staat die 50-Jährige zunächst nicht für tot erklärt. Die Justizvollzugsbehörde habe die medizinische Notfallversorgung und ihren Transport in ein Krankenhaus angeordnet, teilte Hixson den Anwälten aller Beteiligten in einer Telefonkonferenz mit.

Pike war 1996 für den Mord an einer damals 19-jährigen Bekannten zum Tode verurteilt worden. Sie selbst war zum Tatzeitpunkt 18 Jahre alt. 1995 hatten drei Teenager das Opfer in einem abgelegenen Gebiet nahe der University of Tennessee in Knoxville gefoltert und getötet.

Hinrichtung in Tennessee abgebrochen - Supreme Court kippt Vollstreckungsstopp

Nach Angaben der offiziellen Webseite der Regierung von Tennessee war Pike die einzige Frau, die derzeit im Todestrakt des Bundesstaates im Südosten der USA eine Strafe verbüßte. Laut der Forschungseinrichtung Cornell Center on the Death Penalty Worldwide ist sie auch die erste Frau seit 1819, die in Tennessee überhaupt hingerichtet werden sollte.

Der Vollstreckung am Mittwochabend (30. September 2026, Ortszeit) war ein juristisches Tauziehen vorausgegangen. Zunächst war die Hinrichtung per Giftspritze kurz vor dem Vollzug gestoppt worden. Dann gab der Supreme Court, das oberste US-Gericht, einem Eilantrag der für die Gefängnisse zuständigen Behörde des Bundesstaates statt und setzte damit den von einer unteren Instanz verhängten Vollstreckungsstopp außer Kraft.

Die drei liberalen Richterinnen am Supreme Court hatten die Mehrheitsentscheidung des Gerichts kritisiert. In ihrer abweichenden Meinung argumentierte Sonia Sotomayor, die Entscheidung ebne dem Bundesstaat den Weg, Pike hinzurichten, bevor die Zweifel an der Rechtmäßigkeit des vorherigen Verfahrens ordnungsgemäß geprüft werden könnten. Die Richterinnen Elena Kagan und Ketanji Brown Jackson schlossen sich dem an.

Wurde Pike als Kind missbraucht?

Sotomayor schrieb weiter, sie sehe keinen Grund dafür, den üblichen Weg dieser Überprüfung zu umgehen, "insbesondere angesichts der schwerwiegenden Folgen einer fehlerhaften Entscheidung". Sie bezeichnete das Vorgehen als "außergewöhnlich".

Die zum Tode verurteilte Pike habe Zweifel an der Rechtmäßigkeit des vorigen Verfahrens dargelegt, die nun geprüft werden müssten, hatte ein Berufungsgericht am Mittwoch noch entschieden. Ein zentraler Punkt dabei war die gerichtliche Würdigung von Traumata, die Pike eigenen Angaben zufolge als Kind erlitten habe.

Die Verurteilte machte vor Gericht geltend, der Bundesstaat Tennessee habe sie als Lügnerin abgetan und ihre Angaben zu erlittenem Missbrauch für fabriziert gehalten. Dann habe der Bundesstaat den Missbrauch später jedoch doch als solchen anerkannt.

Eilantrag erfolgreich

In seinem Eilantrag an das Oberste US-Gericht warf der Staat Tennessee der Verteidigung Pikes unter anderem eine bewusste Verzögerungstaktik in letzter Minute vor, um die Vollstreckung zu verhindern. Zudem sahen die Kläger geringe Erfolgsaussichten für die Verurteilte: Die Grausamkeit und Schwere des Mordes wogen rechtlich so schwer, dass selbst das vor Gericht geltend gemachte Kindheitstrauma die Todesstrafe nicht verhindert hätte.

Pike hingegen argumentierte in einer Antwort vor dem Supreme Court, dass dem Bundesstaat kein irreparabler Schaden entstehe, wenn der Eilantrag abgelehnt werde. Sollte ihm dagegen stattgegeben werden, würde Pike ihr Leben verlieren.

Wie wir künstliche Intelligenz einsetzen