Freispruch nach Mord an Journalistin in Malta
Autor: dpa
, Mittwoch, 02. Sept. 2026
Der Anschlag auf die Bloggerin Daphne Caruana Galizia gilt als der spektakulärste Mordfall Maltas. Ein prominenter Geschäftsmann galt als mutmaßlicher Drahtzieher. Nun wird er freigesprochen.
Knapp neun Jahre nach dem Autobomben-Mord an der Journalistin Daphne Caruana Galizia in Malta ist der Geschäftsmann Yorgen Fenech von dem Vorwurf freigesprochen worden, Drahtzieher der Tat gewesen zu sein. Eine Jury sprach den 44 Jahre alten Unternehmer in Valletta sowohl vom Vorwurf der Beihilfe zum Mord als auch der kriminellen Verschwörung frei.
Das Abstimmungsergebnis der Jury fiel mit 8 zu 1 deutlich aus. Am Vormittag hatten sich die Geschworenen für ihre Beratungen und die Entscheidungsfindung zurückgezogen. Fenech ist einer der wohlhabendsten Männer Maltas.
Bekannteste Investigativ-Reporterin Maltas
Caruana Galizia war am 16. Oktober 2017 in ihrem Auto in der Nähe ihres Hauses in die Luft gesprengt worden. Die 53-Jährige galt als eine der bekanntesten investigativen Reporterinnen des Landes. Sie hatte über Korruption in Politik und Wirtschaft in ihrem Land recherchiert. Ihr Mord gilt als einer der spektakulärsten Mordfälle in der Geschichte des kleinen EU-Staates.
Insgesamt drei Auftragsmörder - darunter zwei Brüder - bekannten sich bereits vor einigen Jahren schuldig und verbüßen inzwischen Haftstrafen zwischen 15 und 40 Jahren. Zwei weitere Männer, die wegen der Lieferung der Bombe für den tödlichen Anschlag verurteilt wurden, erhielten lebenslange Haftstrafen.
Fenech wurde im November 2019 festgenommen, als er mit seiner Jacht aus einem Jachthafen auslief, der ihm im gehobenen Stadtteil St. Julian's auf Malta gehört. Die Anklage stützte sich auf Beweise seines Chauffeurs Melvin Theuma. Dieser hatte gestanden, als Vermittler bei dem Mord fungiert zu haben, und im Gegenzug für seine Aussage eine Begnadigung erhalten.
Die Festnahme sowie der Verdacht, dass auch hochrangige Regierungsvertreter beteiligt waren, lösten im Dezember 2019 landesweite Proteste aus, die den damaligen Ministerpräsidenten Joseph Muscat zum Rücktritt zwangen.
Caruana Galizia recherchierte zu Fenechs Geschäften
Fenech, der Spross einer der einflussreichsten Unternehmerfamilien des Inselstaates südlich von Sizilien, war Direktor des Kraftwerkskonsortiums, zu dem Caruana Galizia intensiv recherchierte, bevor sie ermordet wurde. Wegen dieser Verbindung geriet Fenech nach dem Mord ins Visier der Ermittler.