Merz: Nordkorea bedroht Freiheit in Europa
Autor: dpa
, Donnerstag, 29. Oktober 2026
Zum Abschluss seiner Asienreise besucht Kanzler Merz am Freitag die Grenze zwischen Süd- und Nordkorea. Schon vorher sendet er eine Botschaft von Seoul in den Norden.
Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) hat Nordkorea vorgeworfen, mit der Entsendung von Soldaten in den Ukraine-Krieg «die Freiheit in ganz Europa» zu bedrohen. Nach einem Treffen mit Südkoreas Präsident Lee Jae Myung in Seoul verwies er darauf, dass Russland gleichzeitig Waffen an Nordkorea liefere. Dies zeige: «Koreas Sicherheit berührt Europas Sicherheit. Und Europas Sicherheit berührt auch die Sicherheit Koreas. (...) Die Welt ist eben klein – auch im Krieg.»
Mit Lee vereinbarte der Kanzler eine Vertiefung der strategischen Partnerschaft, die auch den Sicherheitsbereich betrifft. Sie beinhaltet einen regelmäßigen militärischen Austausch, gemeinsame Übungen und den Austausch von Informationen. Die Rüstungsunternehmen beider Länder werden in der Vereinbarung zu einer engeren Kooperation ermutigt.
Nordkorea hat seine militärische Zusammenarbeit mit Russland seit Beginn des russischen Angriffskriegs gegen die Ukraine erheblich ausgeweitet. Pjöngjang lieferte große Mengen an Artilleriemunition und Raketen und entsandte nach Schätzungen des südkoreanischen Geheimdienstes rund 15.000 Soldaten zur Unterstützung Moskaus. Im Gegenzug wird vermutet, dass Nordkorea finanzielle Unterstützung, Militärtechnik und Sicherheitsgarantien aus Russland erhält.
Raketentest kurz vor der Ankunft des Kanzlers
Seit dem Koreakrieg (1950 bis 1953) ist die koreanische Halbinsel in eine kommunistische Diktatur im Norden und eine Demokratie im Süden geteilt. Es gibt weiterhin keinen Friedensvertrag, die Spannungen zwischen beiden Staaten sind nach wie vor groß. Kurz vor der Ankunft des Kanzlers feuerte Nordkorea nach Angaben des südkoreanischen Militärs rund zehn ballistische Kurzstreckenraketen in Richtung des Japanischen Meeres.
Erst vor einer Woche hatte die südkoreanische Regierung erneut vorgeschlagen, Gespräche mit Nordkorea aufzunehmen. Nordkoreas Machthaber Kim Jong Un hat dazu bisher aber keine Bereitschaft signalisiert.
Merz wünscht Koreanern Wiedervereinigung
Laut Lee hat Deutschland Unterstützung für die Dialogbemühungen zugesichert. Dabei verwies er auf Deutschlands Erfahrung mit der Teilung des eigenen Landes.
Merz wünschte den Koreanern in beiden Landesteilen die Wiedervereinigung. «Korea und Deutschland verbindet die leidvolle Erfahrung der Teilung», schrieb er bei seinem Treffen mit dem Präsidenten in das Gästebuch. «Ich wünsche auch den Menschen in Korea, was wir in Deutschland erleben dürfen: Einheit in Freiheit.»