Merz will Neustart mit USA: «Zusammen sind wir stärker»
Autor: Michael Fischer, Ansgar Haase, Marco Hadem, Carsten Hoffmann und Jörg Blank, dpa
, Freitag, 13. Februar 2026
Grönland-Krise, Zollstreit, Kontroversen über Meinungsfreiheit: Europa und die USA sind in der Ära Trump dramatisch auseinandergedriftet. Der Kanzler glaubt aber weiter an das Bündnis.
Bundeskanzler Friedrich Merz hat für einen Neustart der transatlantischen Beziehungen zu den USA mit einem starken und weitgehend eigenständigen europäischen Pfeiler geworben. «Wenn unsere Partnerschaft eine Zukunft haben soll, dann müssen wir sie im doppelten Sinn neu begründen», sagte der CDU-Chef in seiner Rede zur Eröffnung der Münchner Sicherheitskonferenz. «Diese Begründung muss handfest sein, nicht esoterisch. Wir müssen diesseits und jenseits des Atlantiks zu dem Schluss kommen: Zusammen sind wir stärker.»
Um militärische Eigenständigkeit Europas zu erreichen, kann sich Merz eine stärkere europäische Zusammenarbeit bei der nuklearen Abschreckung der Nato vorstellen. Dazu habe er mit dem französischen Präsidenten Emmanuel Macron erste Gespräche aufgenommen, sagte er. Der CDU-Chef betonte aber auch, dass Deutschland sich an seine rechtlichen Verpflichtungen halten werde. Dazu gehört, dass es keine eigenen Atomwaffen besitzen darf.
Die nukleare Abschreckung der Nato basiert derzeit größtenteils auf den in Europa - auch in Deutschland - stationierten US-Atomwaffen. Die beiden einzigen europäischen Atommächte sind Frankreich und Großbritannien.
In der Koalition ist die Idee eines europäischen Nuklearschiirms umstritten. SPD-Verteidigungsminister Boris Pistorius äußerte sich in München skeptisch dazu: «Warum sollten wir als Europäer ein Interesse haben, diese nukleare Abschreckung, die durch die Amerikaner gewährleistet ist und zu bleiben scheint, dass wir die infrage stellen durch andere Aktivitäten», sagte er.
«Ein Programm der Freiheit»
Die Merz-Rede war der Auftakt zu einer Sicherheitskonferenz, die eine der wichtigsten der letzten Jahrzehnte werden könnte. Mit mehr als 60 Staats- und Regierungschefs und etwa 100 Außen- und Verteidigungsministern ist das weltweit wichtigste Spitzentreffen zur Sicherheitspolitik so prominent besetzt wie noch nie.
Für die Bundesregierung von Union und SPD ist es die erste Sicherheitskonferenz. Merz hatte seine programmatische Rede seit der Weihnachtspause mit seinem Team vorbereitet und ihr den Titel «Ein Programm der Freiheit» gegeben. Sie ist eine Reaktion auf die Verwerfungen in den Beziehungen zu den USA im ersten Jahr der zweiten Amtszeit von US-Präsident Donald Trump. Der Konflikt um die dänische Insel Grönland brachte die Nato ins Wanken. Hinzu kamen wiederholte Zolldrohungen Trumps, tiefgreifende Differenzen bei Demokratieverständnis und Meinungsfreiheit und die Missachtung internationaler Institutionen und Verträge durch die USA.
Europäische Antwort auf US-Vizepräsident JD Vance
Die Rede ist auch eine Antwort auf US-Vizepräsident JD Vance, der die europäischen Verbündeten vor einem Jahr mit heftiger Kritik am Zustand der Demokratie in Europa verstört hatte. Die transatlantische Partnerschaft habe ihre Selbstverständlichkeit verloren, sagte Merz. «Zwischen Europa und den Vereinigten Staaten hat sich eine Kluft aufgetan.» Dies habe Vance «sehr offen gesagt» und er habe damit recht.