Drachen und U-Boote: Merz beim «Wunschpartner» Indien
Autor: Michael Fischer und Dirk Godder, dpa
, Montag, 12. Januar 2026
Anders als seine Vorgänger besucht Merz das bevölkerungsreichste Land der Welt vor China und Japan. Dafür wird ihm dort ein Empfang bereitet, wie er ihn als Kanzler noch nicht erlebt hat.
Deutschland und Indien reagieren auf den Umbruch der Weltordnung mit einem Ausbau ihrer strategischen Partnerschaft und wollen in den Bereichen Rüstung und Wirtschaft enger kooperieren. Beim Antrittsbesuch von Bundeskanzler Friedrich Merz beim indischen Ministerpräsidenten Narendra Modi wurden insgesamt 27 Vereinbarungen unterzeichnet, um die Zusammenarbeit zu stärken.
Merz zeigte sich zuversichtlich, dass die Wirtschaftsbeziehungen mit dem Abschluss eines Freihandelsabkommens zwischen Indien und der EU bald einen Schub bekommen. Im Rüstungsbereich soll ein Milliardengeschäft zum Bau von U-Booten im indischen Mumbai zum Prestigeprojekt werden.
«So wichtig Europa und die transatlantischen Beziehungen für uns Deutsche bleiben. Wir müssen heute ein weiteres, ein größeres Netz an Partnerschaften knüpfen, und zwar schnell und mit langem Atem zugleich», sagte der Kanzler nach dem Treffen mit Modi. «Indien ist dabei ein Wunschpartner für Deutschland.»
Modi lobt «Aufmerksamkeit und Entschlossenheit» des Kanzlers
Modi sagte, der Besuch des Kanzlers verleihe den Beziehungen «neuen Schwung und Vertrauen». Er dankte Merz für seine «Aufmerksamkeit und Entschlossenheit».
Dem Kanzler wurde in Indien ein Empfang bereitet, wie er ihn noch bei keiner seiner Reisen erlebt hat. Modi lud ihn in die Millionenmetropole Ahmedabad in seiner Heimatregion ein - eine besondere Geste der Wertschätzung, die bisher nur wenigen Gästen zuteil wurde. Seit seinem Amtsantritt 2014 waren US-Präsident Donald Trump, der chinesische Präsident Xi Jinping, Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu und der frühere japanische Regierungschef Shinzo Abe dort.
«Welt hat Gandhis Lehre heute wohl nötiger denn je»
Schon vor der Ankunft des Kanzlers waren die Straßen der Stadt mit ihren acht Millionen Einwohnern gesäumt von großformatigen Plakatwänden mit den Bildern von Merz und Modi. Der indische Ministerpräsident begrüßte ihn an einer frühen Wirkungsstätte des Nationalhelden Mahatma Gandhi, der zwischen 1918 und 1930 in einem Ashram - einer Meditationsstätte - in Ahmedabad lebte und wirkte. Von hier machte er sich auf, Indien durch gewaltlosen Widerstand gegen die britische Kolonialherrschaft zur Unabhängigkeit zu führen. «Dieses Menschheitserbe verbindet Inder und Deutsche als Freunde in einer Welt, die Gandhis Lehre heute wohl nötiger hat denn je», schrieb er ins Gästebuch.
Modi und Merz fuhren anschließend im selben Wagen zum traditionellen Drachenfestival, das den Übergang vom Winter- zum Sommerhalbjahr markiert und bei dem Tausende Papierdrachen in die Luft steigen. Die beiden versuchten aus einem offenen Wagen gemeinsam mehrere Drachen zu lenken. Die Bilder, wie beide an einem Strang ziehen, dürften zum Symbol dieses Besuchs werden.