EU-Erweiterung bis 2028? Merz und Macron wollen Tempo machen
Autor: Michael Fischer, Ansgar Haase und Gregor Mayer, dpa
, Freitag, 05. Juni 2026
Seit 13 Jahren hat die EU keine Mitglieder mehr aufgenommen. Das soll sich bald ändern, wenn es nach Merz und Macron geht. Für Albaniens Regierungschef hat die EU eine Gemeinsamkeit mit Gott und Sex.
Westbalkanstaaten wie Montenegro und Albanien können nach einer Initiative von Bundeskanzler Friedrich Merz und dem französischen Präsidenten Emmanuel Macron auf eine schnellere Einbindung in die EU hoffen. Merz (CDU) sagte nach einem Gipfeltreffen in Montenegro, es gebe eine große Zustimmung für den deutsch-französischen Vorstoß für eine schrittweise Heranführung der EU-Kandidatenländer. Es werde dazu auch Beschlüsse geben müssen, aber die informellen Gespräche ließen ihn hoffen, dass man sehr bald zu einer wirklich guten Lösung kommen könne.
An die Menschen in den Westbalkanstaaten solle es die klare Botschaft geben, dass sie in der EU erwünscht seien, erklärte Merz. Um dies zu zeigen, könnten die Länder zum Beispiel bereits vorab in den Euro-Zahlungsraum oder das Mobilfunk-Roaming zu Inlandspreisen integriert werden.
Merz: «Keine Ausreden mehr»
Der Kanzler und Macron hatten den deutsch-französischen Vorschlag zum EU-Erweiterungsprozess kurz vor dem EU-Westbalkan-Gipfel vorgelegt. Er sieht nach Angaben von Merz vor allem vor, dass die EU-Kandidatenstaaten als Beobachter an den Sitzungen von EU-Gremien zugelassen werden können. Zudem sollen sie nach Zustimmung des Europäischen Parlaments auch an Sitzungen dort teilnehmen können. «Wir werden jetzt einen schrittweisen Prozess einleiten», sagte Merz. Es gehe um ein klares politisches Signal, dass die Prozesse beschleunigt werden. Es werde da jetzt «keine Ausreden mehr geben».
Zu den EU-Kandidatenländern aus dem Westbalkan zählen Montenegro, Albanien, Serbien, Bosnien-Herzegowina und Nordmazedonien. Das Kosovo ist potenzieller Beitrittskandidat. Macron betonte die Bedeutung der Region für die EU. Sie sei geopolitisch sehr wichtig, denn auf dem Westbalkan entscheide sich auch die Unabhängigkeit Europas, sagte er mit Blick auf Energie- und Sicherheitsfragen sowie Migrationsrouten.
«Drei Dinge, die man nicht vorhersagen kann: Gott, Sex und die EU»
Aus den Reihen der Balkan-Länder gab es unterschiedliche Reaktionen. Montenegros Präsident Jakov Milatovic nannte den Gipfel einen «Wendepunkt». «Unser Treffen bringt neue Hoffnung, frische Energie für alle Westbalkan-Länder», sagte er.
Albaniens Ministerpräsident Edi Rama äußerte sich vorsichtiger. Mit der Initiative habe «sich das Gespräch weiterentwickelt». Merz und Macron ermutigte er aber, noch mehr für eine schnelle Erweiterung zu tun. «Ich hoffe nur, dass meine beiden großen Freunde, die Staats- und Regierungschefs von Frankreich und Deutschland, noch mehr Mut fassen – so wie einst Kohl und Mitterrand.»
Eine Prognose über den Zeitpunkt einer Aufnahme Albaniens mochte Rama nicht abgeben. «Wann Albanien der EU beitreten wird? Es gibt drei Dinge, die man nicht vorhersagen kann: Gott, Sex und die EU», sagte er.