Massiver russischer Raketenangriff trifft Kiew schwer
Autor: Andreas Stein und Ulf Mauder, dpa
, Sonntag, 19. Juli 2026
Die Ukraine spricht vom bisher größten Einsatz russischer ballistischer Raketen gegen die Hauptstadt Kiew. Die Zerstörungen sind massiv. Aber das Land schlägt mit massiven Drohnenangriffen zurück.
Russland hat die ukrainische Hauptstadt Kiew mit Dutzenden ballistischen Raketen beschossen und damit erneut verheerende Zerstörungen angerichtet. Dutzende Explosionen, teils von Flugabwehrraketen, waren in der Nacht im Zentrum der Dreimillionenstadt zu hören, wie ein dpa-Reporter in der Stadt berichtete. Präsident Wolodymyr Selenskyj sprach von einem «der massivsten ballistischen Angriffe auf Kiew». Demnach gab es einen Toten und 16 Verletzte.
Außenminister Andrij Sybiha sprach auf X von «brutalem Terror» - Russland habe die bisher größte Zahl an ballistischen Raketen seit Kriegsbeginn gegen Kiew eingesetzt. Der Staatschef und der Minister forderten den Westen zur raschen Lieferung von Flugabwehrraketen auf.
Kiew: 40 Raketen und 120 Drohnen
«Der Feind hat über 40 Raketen verschiedener Typen abgefeuert, von denen die meisten auf die Hauptstadt gerichtet waren, sowie 120 Angriffsdrohnen», teilte Selenskyj bei Telegram mit. Mehrere Häuser und auch Autos seien zerstört worden, meldeten die Behörden. Eine Metro-Station musste demnach die Arbeit einstellen.
Ein Unternehmen für Schutzausrüstungen von Soldaten teilte in Kiew mit, dass seine Produktionsstätte komplett zerstört worden sei. Im Kiewer Gebiet sei zudem eines der größten Logistikzentren des Landes zerstört worden, hieß es. Bürgermeister Vitali Klitschko informierte über Einschläge und Schäden in mehreren Stadtteilen. Es sei zu Bränden gekommen.
Nach Angaben der ukrainischen Flugabwehr wurden 23 Einschläge von Raketen und 10 von Drohnen registriert. Demnach wurde ein großer Teil der Flugobjekte zerstört. In einem Vorort der ostukrainischen Stadt Charkiw meldeten offizielle Stellen drei Tote und 16 Verletzte nach russischen Angriffen.
Selenskyj: Raketenabwehr hat Priorität
«Wir brauchen einen vernichtenden Druck auf Moskau, um diesem Terror ein Ende zu setzen», sagte Minister Sybiha und appellierte an die EU-Staaten, das 21. Sanktionspaket gegen Russland zu beschließen, um das seit Wochen in Brüssel gerungen wird.
Die Ukraine wehrt sich seit mehr als vier Jahren gegen die russische Invasion. Mit westlicher Hilfe, besonders aus Deutschland, wurde die Flugabwehr modernisiert. Zuletzt klagte Kiew jedoch über einen Mangel an Lenkflugkörpern für das Flugabwehrsystem Patriot zur Abwehr ballistischer Raketen.