Massaker in Krakau: Polnische Behörden sprechen von terroristischem Akt
Autor: Von Friedemann Kohler und Michael Heitmann, dpa
, Sonntag, 08. November 2026
Solch einen brutalen Anschlag hat Polen noch nie erlebt, sagt Ministerpräsident Tusk. In Krakau erschießt ein Mann sechs Menschen. Was bisher über die Hintergründe der Tat bekannt ist.
Polen unter Schock: Sechs Menschen werden auf dem Marktplatz von Krakau erschossen, drei weitere Tote in der Kleinstadt Ostrowiec Swietokryzskie gefunden. Wegen der Schwere des Verbrechens, begangen mutmaßlich durch einen 24-jährigen Polen, ermittelt die Staatsanwaltschaft des Landes wegen Terrorismus.
Ermittelt werde wegen der Tötung von sechs Personen sowie des versuchten Mordes an zahlreichen weiteren Personen, darunter Polizeibeamte, "wobei diese Tat einen terroristischen Charakter aufwies", teilte die Staatsanwaltschaft in sozialen Medien mit. Die Ermittler sprachen nicht ausdrücklich von einem politischen Motiv. 16 Personen wurden verletzt, einige von ihnen lebensgefährlich.
Enge Angehörige des Tatverdächtigen tot aufgefunden
Zugleich werde wegen der Tötung von drei Personen in Ostrowiec Swietokrzyski ermittelt, teilte die Staatsanwaltschaft mit. "Das Beweismaterial deutet darauf hin, dass diese Taten von derselben Person begangen wurden." In der Stadt zwei Fahrtstunden nordöstlich von Krakau waren im Wohnhaus der Familie Vater, Mutter und Schwester des Schützen tot und mit Schussverletzungen aufgefunden worden.
Der 24-Jährige hatte am Samstag aus einem Auto heraus wahllos auf Passanten auf dem Marktplatz der zweitgrößten Stadt Polens geschossen. Das Motiv ist noch unklar. Die Polizei geht von einem Einzeltäter aus und dementierte Berichte über eine Fahndung nach einem möglichen Komplizen.
Der Täter soll nach ersten Erkenntnissen "sehr radikale Ansichten" vertreten haben, wie Innenminister Marcin Kierwinski sagte. Es gebe Anzeichen dafür, dass er von rechtsextremistischen Ideologien fasziniert gewesen sei, auch wenn dies noch näher überprüft werden müsse.
Auch Deutsche unter den Verletzten in Krakau
"Bis jetzt hatten wir in Polen noch keinen so drastischen Fall von Terrorismus, denn so muss man diesen brutalen Angriff auf lebende Menschen in Krakau nennen", sagte Regierungschef Donald Tusk, der am Samstag nach Krakau eilte.
Der Marktplatz der Stadt mit seinen Renaissancebauten zieht Touristen aus aller Welt an. Auch mehrere Ausländer zählen zu den Opfern. Von den sechs Todesopfern stammten vier aus Polen, eins aus Großbritannien, eine Frau sei Ausländerin, teilte die Polizei der polnischen Nachrichtenagentur PAP zufolge mit. Das Alter der Toten lag nach Angaben der Woiwodschaft Kleinpolen zwischen 32 und 61 Jahren.