Machtpoker in Dänemark: Findet Frederiksen neue Verbündete?
Autor: Julia Wäschenbach, dpa
, Mittwoch, 25. März 2026
Dänemark hat gewählt, die Sozialdemokratin Frederiksen will Regierungschefin bleiben. Aber so einfach ist das nicht. Denn angesichts unklarer Mehrheiten greifen gleich mehrere Parteien nach der Macht.
Auf die wilden Wahlpartys nach der Parlamentswahl in Dänemark folgte die Katerstimmung auf dem Fuß. Denn kein politisches Lager konnte eine klare Mehrheit für sich gewinnen. Und die Dänen stehen vor einer komplizierten Regierungsbildung. Die Sozialdemokraten von Regierungschefin Mette Frederiksen wurden zwar mit 21,9 Prozent der Stimmen erneut stärkste Partei, verloren aber zwölf Mandate und schnitten so schlecht ab wie zuletzt vor mehr als einem Jahrhundert. Ihre bisherige Drei-Parteien-Koalition der politischen Mitte ist von einer Mehrheit im Parlament weit entfernt.
Die Regierung sei «gelinde gesagt» nie beliebt gewesen, räumte Frederiksen ein. Dass sie einen Feiertag abschaffte, um die militärische Aufrüstung zu finanzieren, haben viele Dänen ihr bis heute nicht verziehen. Auch ihren rechtsliberalen Koalitionspartner straften die Wähler ab: Die Partei von Verteidigungsminister Troels Lund Poulsen fuhr mit 10,1 Prozent das schlechteste Ergebnis ihrer Geschichte ein. Die Ministerpräsidentin reichte am Mittwochmorgen den Rücktritt ihrer Regierung bei König Frederik X. ein.
Weiterregieren will Frederiksen trotzdem. Die Frage ist nur, wie. Denn auch ein Bündnis aus Sozialdemokraten und links-grünen Parteien kommt nicht auf eine Mehrheit von 90 der 179 Sitze im Parlament. Die braucht die Ministerpräsidentin zwar auch nicht zwingend: Minderheitsregierungen sind in Dänemark normal. Entscheidend ist, dass sie keine Mehrheit gegen sich hat. Und in Sachen Sicherheitspolitik und Grönland sind sich alle ohnehin weitgehend einig.
Doch Frederiksen stellte klar: Dänemark brauche in diesen unsicheren Zeiten wieder eine stabile Regierung. «Unsere Welt verändert sich in einem Tempo und mit einer Macht, wie wir es in unserer Lebzeit nicht gesehen haben», sagte sie dem Sender DR. Deshalb will die Sozialdemokratin erneut eine breite Koalition bilden - am liebsten mit den linken Parteien und ihrem bisherigen zweiten Regierungspartner, der Mitte-Partei Moderaterne von Lars Løkke Rasmussen. Um deren Mandate buhlen aber auch die bürgerlich-konservativen Parteien.
Insgesamt kam der «blaue Block» aus diesen Parteien im Parlament auf 77 Sitze - gegenüber 84 Sitzen des «roten Blocks» aus linken Parteien. Dazwischen steht in der Mitte die Moderaterne mit 14 Sitzen. Sie könnte nun einem der beiden Blöcke helfen, die magische Zahl von 90 Mandaten zu erreichen.
Alle flirten mit Lars Løkke Rasmussen
Schon nach der Wahl 2022 hatte der frühere Regierungschef Rasmussen mit seiner Partei eine Joker-Rolle inne - und landete damals als Außenminister in Frederiksens Regierung. Mit der Partei Moderaterne hatte der listige Stratege sich nach seinem Austritt bei den Rechtsliberalen neu erfunden. «Es gibt nur einen richtigen Sieger bei dieser Wahl: die Moderaten», sagte der Politikwissenschaftler Rune Stubager von der Universität Aarhus. «Sie sind in der Position, in der sie sich wohlfühlen: der des Königsmachers.»
Bei der ersten Fernsehrunde der zwölf Parteichefs nach der Wahl geht es am Mittwoch zu wie auf einem Basar. Wie soll aus zig möglichen Konstellationen eine sinnvolle Regierung entstehen? Die Ratlosigkeit darüber steht den Politikern ins Gesicht geschrieben. Offen fliegen die Fetzen zwischen Rot und Blau, zwischen Sozialdemokraten und Rechtspopulisten. Am Ende scheinen alle den Überblick verloren zu haben, wer jetzt mit wem könnte oder auch nicht.