Kindesmisshandlung in Oviedo: Deutsche Eltern müssen ins Gefängnis
Autor: Nadine Wüste, Agentur dpa
Oviedo, Montag, 11. Mai 2026
Im nordspanischen Oviedo wurden deutsche Eltern wegen Vernachlässigung ihrer drei Kinder zu fast drei Jahren Haft verurteilt. Die Ermittlungen geben Einblick in ein erschütterndes Familiendrama rund um Isolation und psychische Gewalt.
Berge von Abfall, Exkremente auf dem Boden und drei kleine Kinder, die jahrelang kaum Kontakt zur Außenwelt hatten: Als die Polizei im April 2025 ein Haus am Stadtrand von Oviedo im Norden Spaniens betrat, waren selbst erfahrene Ermittler erschüttert. Der Einsatzleiter sprach von einem "Horrorhaus".
"Eine solche Situation hatten wir hier in Oviedo noch nie", erzählte er damals, sichtlich mitgenommen, vor Journalisten. Jetzt, ein gutes Jahr später, wurden die deutschen Eltern unter anderem wegen psychischer Gewalt gegen ihre Kinder zu einer Gefängnisstrafe von insgesamt zwei Jahren und zehn Monaten verurteilt. Der Mann (54) und die Frau (49) wurden vom Provinzgericht auch wegen Vernachlässigung in der Familie schuldig gesprochen, wie die Justiz in Oviedo in der nordspanischen Region Asturien mitteilte.
Staatsanwaltschaft forderte 25 Jahre Haft: Anwälte der Eltern erwägen Einspruch
Vom schwerwiegenderen Vorwurf der Freiheitsberaubung seien beide hingegen freigesprochen worden, hieß es. Bei der mehrtägigen mündlichen Verhandlung im März hatte die Staatsanwaltschaft für den Deutschen und für die Deutsch-Amerikanerin eine Haftstrafe von jeweils 25 Jahren und vier Monaten gefordert. Die Verteidigung erwägt, Berufung gegen das Urteil einzulegen.
Javier Muñoz, der Anwalt der Mutter, zeigte sich nach der Verkündung des Urteils zwar "mäßig zufrieden" - insbesondere, weil das Gericht die drei Vorwürfe der Freiheitsberaubung verworfen habe. Man sei aber der Auffassung, "dass dieser Fall vor allem sozial und fürsorgerisch hätte behandelt werden müssen - und nicht strafrechtlich", sagte er der Zeitung "La Nueva España".
Das Paar hatte seine drei Kinder nach Behördenangaben dreieinhalb Jahre lang in Oviedo in einem verwahrlosten Haus voller Abfall eingesperrt. Die Eltern beteuerten immer wieder und auch beim Prozess ihre Unschuld. Sie behaupteten, sie hätten ihre drei kleinen Kinder vor der Außenwelt isoliert, um sie vor einer Ansteckung mit Krankheiten wie Corona zu schützen.
Nachbarin wurde misstrauisch – und alarmierte die Polizei
Die Opfer, damals achtjährige Zwillinge und ein zehnjähriger Junge, wurden Ende April 2025 in Fitoria am Stadtrand Oviedos befreit, nachdem eine misstrauische Nachbarin die Polizei alarmiert hatte. Den Beamten bot sich während des dreieinhalbstündigen Einsatzes ein Bild des Grauens. "Alle waren fassungslos", sagte damals der Einsatzleiter Javier Lozano vor Journalisten.
Medien veröffentlichten erschütternde Details, die ein Sprecher der Polizei in Oviedo auf Anfrage der Deutschen Presse-Agentur bestätigte. "Die Kinder waren schmutzig, in Schlafanzügen und schwer vernachlässigt", hieß es. Sie seien auch "deutlich unterernährt" gewesen. Das Haus sei "überall mit Müll übersät" gewesen, "selbst unter den Betten". Man habe dort inmitten von Exkrementen auch eine schwer kranke Katze gefunden.