KI-Betrug in Südtirol: Frau täuscht Tod der Tochter vor
Autor: Stefan Lutter
Bozen, Freitag, 15. Mai 2026
Wochenlang schickte eine Frau aus Norditalien gefälschte Nachrichten über eine sterbenskranke Tochter – und kassierte Geld für erfundene Klinikrechnungen.
Eine schwangere Tochter, eine Spezialklinik in der Schweiz, ein neugeborenes Enkelkind und schließlich eine Beerdigung – diese Geschichte hätte das Herz jedes Menschen brechen können.
Doch die gesamte Tragödie war erfunden. Eine 53-jährige Italienerin hat ihrer ehemaligen Arbeitskollegin aus dem Grödner Tal in Südtirol über Wochen einen perfiden Betrug aufgetischt. Mit KI-generierten Bildern täuschte sie den Tod ihrer eigenen Tochter vor, um Geldüberweisungen für angebliche Behandlungskosten von täglich 1.700 Euro zu erschleichen.
Tochter mit KI für tot erklärt: Frau betrügt Ex-Kollegin
Wie die Deutsche Presse-Agentur (dpa) unter Berufung auf die Carabinieri berichtet, hat eine 53-jährige Frau aus der Region Venetien über mehrere Wochen hinweg eine ehemalige Arbeitskollegin mit einer erschütternden, vollständig erfundenen Geschichte systematisch betrogen. Demnach schilderte die Verdächtige ihrer früheren Bekannten aus dem Grödner Tal in Südtirol, mit der sie einst gemeinsam in einem Hotel gearbeitet hatte, das angebliche schwere Schicksal ihrer schwangeren Tochter: Diese sei lebensbedrohlich erkrankt, in einer Spezialklinik in der Schweiz behandelt worden und schließlich verstorben. Die täglichen Behandlungskosten bezifferte die Frau auf satte 1.700 Euro – Geld, das sie angeblich nicht aufbringen könne.
Besonders perfide war die Methode, mit der die Beschuldigte ihrer Lüge Glaubwürdigkeit verlieh. Sie verschickte Fotos von Frühgeborenen, die sie aus dem Internet heruntergeladen hatte, und behauptete dreist, es handele sich um ihr neugeborenes Enkelkind – ein Kind, das noch vor dem Tod der Mutter zur Welt gebracht worden sei. Das Opfer, emotional tief berührt von dieser inszenierten Tragödie, überwies daraufhin mehrfach Geldbeträge für angebliche Krankenhaus- und Behandlungsrechnungen.
Den Höhepunkt an Zynismus erreichte der Schwindel, als die Frau schließlich auch Bilder der vorgetäuschten Beerdigung verschickte. Laut dem italienischen Nachrichtenportal Fanpage.it hatte die 53-Jährige echte Aufnahmen einer früheren, tatsächlich stattgefundenen Trauerfeier mithilfe von Künstlicher Intelligenz so manipuliert, dass sie wie die Beerdigung ihrer angeblich verstorbenen Tochter wirkten.
Aufgeflogen dank Angehörigen – und digitaler Spurensuche
Selbst die Carabinieri von Wolkenstein in Gröden, die später mit den Ermittlungen betraut wurden, zeigten sich – so die italienische Rai Tagesschau – von der "Abgebrühtheit dieses Betrugs" beeindruckt. In Wahrheit war die Tochter weder krank noch tot – die gesamte Geschichte war eine Konstruktion.
Insgesamt erbeutete die Täterin auf diese Weise 1.550 Euro. Eine vergleichsweise geringe Summe – doch der emotionale Schaden für das Opfer dürfte weitaus schwerer wiegen. Das Betrugsschema war raffiniert aufgebaut: Erst die dramatische Krankengeschichte, dann der fingierte Tod, schließlich die KI-gefälschten Trauerbilder – jeder Schritt steigerte den emotionalen Druck auf die Betroffene und veranlasste sie zu weiteren Überweisungen.