Kap Verde: Tote bei Kreuzfahrt nach Hantavirus-Infektionen - was bekannt ist
Autor: Nadine Wüste, Alexander Milesevic, Agentur dpa
Kap Verde, Dienstag, 05. Mai 2026
Auf einem Kreuzfahrtschiff auf dem Atlantik bricht ein gefährliches Virus aus. Drei Passagiere, darunter auch ein Deutscher, sterben. Doch es gibt noch mindestens einen weiteren Infizierten.
Update vom 05.05.2026: Schiffspassagiere können vorerst nicht von Bord
Nach einem möglichen Ausbruch des Hantavirus auf einem kleinen Kreuzfahrtschiff können die Passagiere nicht wie ursprünglich geplant auf Kap Verde von Bord gehen. Es gebe noch keinen gesicherten Zielort, jedoch werde eine Weiterfahrt in Richtung der Kanarischen Inseln geprüft, teilte der Schiffsbetreiber Oceanwide Expeditions mit. Für drei Menschen sei eine medizinische Evakuierung über Kap Verde, eine Inselgruppe vor der Westküste Afrikas, geplant. Derzeit liegt das Schiff dort vor dem Hafen der Hauptstadt Praia.
Auf den Kanaren, etwa in Las Palmas auf Gran Canaria oder auf Teneriffa, könnten bei einer Landung weitere medizinische Untersuchungen stattfinden, erklärte die Reederei. Diese könnten unter Aufsicht der Weltgesundheitsorganisation (WHO) und niederländischer Gesundheitsbehörden stattfinden. "Dies muss noch bestätigt werden", schränkte die Reederei am späten Montagabend (4. Mai 2026) ein. Die Stimmung an Bord der "Hondius" sei "ruhig" und die knapp 150 Passagiere seien "insgesamt gefasst", hieß es.
Das Kreuzfahrtschiff mit 61 Besatzungsmitgliedern hatte sich vor einigen Wochen auf den Weg von Argentinien nach Kap Verde gemacht. Unterwegs kam es dann zu mehreren Todesfällen. Bislang sind drei Passagiere der "Hondius" gestorben, ein älteres niederländisches Ehepaar und ein Deutscher.
Infektion in der Regel über Kot von Nagetieren
Bei der toten Niederländerin wurde das Hantavirus nachgewiesen, wie die Reederei unter Berufung auf die WHO erklärte. Ein weiterer Passagier ist laborbestätigt am Hantavirus erkrankt und wird auf einer Intensivstation in Südafrika behandelt. Zudem gibt es an Bord Verdachtsfälle auf das Hantavirus. Zwei Besatzungsmitglieder seien erkrankt, teilte die Reederei mit.
Das Hantavirus kann beim Menschen zu Fieber und schweren Atemwegserkrankungen führen. Auch die Nieren nehmen häufig Schaden. Zu Infektionen kann es beim Kontakt mit den Ausscheidungen von Nagetieren kommen. Laut WHO wird der Erreger in seltenen Fällen auch von Mensch zu Mensch übertragen.
Infizierte Nagetiere scheiden das Virus mit ihrem Kot, Urin oder Speichel aus, wie das Robert Koch-Institut (RKI) erklärt. Menschen infizieren sich üblicherweise durch aufgewirbelten Staub – etwa beim Aufräumen eines staubigen Schuppens oder Dachbodens – oder durch Bisse. Ein Ausbruch auf einem Schiff ist ungewöhnlich. Wie derWDR unter Berufung auf eine WHO-Expertin berichtet, hätte ein Infizierter an Bord der "Hondius" jedoch andere Menschen angesteckt. Zuvor hatte die Bild berichtet.
Kein größeres Risiko laut WHO
Die WHO sieht jedenfalls kein größeres Risiko für die breite Öffentlichkeit. Die Organisation unterstützt nach eigenen Angaben die Passagiere und die Crew. Eine detaillierte epidemiologische Untersuchung sei im Gange.